Ließ diese Mutter ihr Baby am Straßenrand sterben?

Am Dresdner Landgericht wird ab Dienstag geklärt, ob Yvonne W. (37) ihr Baby hat sterben lassen.
Am Dresdner Landgericht wird ab Dienstag geklärt, ob Yvonne W. (37) ihr Baby hat sterben lassen.

Dresden - Es sind Zeilen, die einem den Schauer über den Rücken laufen lassen. Die heute 37-jährige Yvonne W. soll ihr zu früh geborenes Baby an einem Straßenrand qualvoll sterben lassen haben, während ihr Freund seelenruhig im Auto eine rauchte.

Es müssen traurige Szene gewesen sein, die sich am Abend des 2. Mai 2008 abgespielt haben sollen. Demnach soll die Frau nach der Arbeit in einer Disco ihr viertes Kind an der Bundesstraße 101 bei Frauenhain (Landkreis Meißen) zur Welt gebracht haben.

Damit nicht genug, denn der Freund der Frau hatte zur fraglichen Tatzeit rauchend im Auto gewartet, als sie im Gebüsch verschwunden sein soll. Anschließend soll sie ihr Baby am Straßenrand liegen gelassen haben und davon gefahren sein.

Der Junge war mit sieben Monaten eine Frühgeburt und starb eine halbe Stunde nach der Geburt an Unterkühlung. Die Leiche wurde am nächsten Morgen entdeckt.

Das Dresdner Landgericht klärt nun ab Dienstag, ob der Tatbestand des Totschlags erfüllt ist.

An dieser Stelle wurde am 3. Mai 2008 die Babyleiche gefunden.
An dieser Stelle wurde am 3. Mai 2008 die Babyleiche gefunden.

Erst bei der Überprüfung der DNA von den am Tatort gefunden Zigarettenstummeln gab es einen Treffer zu der heute 37-jährigen Mutter.

Warum die Frau ihren Sohn völlig hilflos zurückließ, ist noch unklar. Sie wurde zwar damals verhaftet, später aber wieder freigelassen.

Der Fall wird erst jetzt verhandelt, weil die Schwurgerichtskammer überlastet war.

SO LÄUFT DIE VERHANDLUNG

Seit 9 Uhr verhandelt das Landgericht den versuchten Totschlag. Die Anklage der Staatsanwaltschaft wirft Yvonne W. (37) folgendes vor:

Sie hat am 2. Mai in einer Jessener Disco gearbeitet. Dort klagte sie über Unwohlsein und fuhr mit ihrem Freund Mario B. nach Hause in Richtung Meißen. Bei Frauenhain wollte sie kurz neben der Straße austreten, gebar dabei aber einen Jungen im siebten Monat.

Sie riss die Nabelschnur ab und ließ den Jungen einfach liegen, er soll nach 30 Minuten tot gewesen sein. Yvonne W. ist immer noch mit Mario B. liiert, das Verfahren gegen ihn wurde bereits eingestellt. Allerdings könnte es wieder aufgenommen werden, deshalb nahm er sein Aussageverweigerungsrecht wahr.

Yvonne W. hat drei Kinder. Die älteste Tochter wohnt mit ihrem Freund zusammen, der Sohn und eine weitere Tochter leben bei ihr.

Zur Tat wollte sie anfangs keine Aussagen machen. Unter Tränen erklärte sie: "Das Problem ist, dass ich darüber nicht wirklich reden kann."

Deshalb werden wohl die Vernehmungsprotokolle verlesen.

Gefunden wurde die Leiche des Jungen am Morgen des 3. Mai von schockierten Anwohnern, die gegen 9.30 Uhr die Polizei alarmierten.

Rocco S. der Vater des verstorbenen Babys, sollte am Dienstag eigentlich vor Gericht erscheinen, tat dies aber nicht. Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt, dann sollen die Sachverständigen zu Wort kommen.

Fotos: Ove Landgraf, Polizei


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