Nach sensationeller Rückkehr: Besucher rennen Ausstellung mit gestohlenen Bildern die Türen ein

Gotha - Fast 4700 Besucher haben die Sonderpräsentation der fünf lange als verschollen gegoltenen Gemälde in Gotha gesehen.

Tausende Besucher sahen sich die vor 40 Jahren gestohlenen Bilder an.
Tausende Besucher sahen sich die vor 40 Jahren gestohlenen Bilder an.  © DPA

"Die Besucher haben uns förmlich das Herzogliche Museum eingerannt", sagte Christoph Streckhardt von der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha am Montag.

So viele Besucher innerhalb einer Woche sei die absolute Ausnahme, so Streckhardt. Gezeigt wurden die Gemälde von Frans Hals, der Werkstatt Jan Brueghel des Älteren, einem unbekannten Künstler nach Anthonis van Dyck, Ferdinand Bol oder Jan Lievens und Hans Holbein dem Älteren.

Dass die bedeutenden Bilder überhaupt wieder in Gotha zu sehen waren, gilt als Sensation. Am 14. Dezember 1979 wurden sie aus dem Gothaer Schloss Friedenstein gestohlen. Es galt als einer der größten Kunstdiebstähle der DDR. Der Fall konnte nie aufgeklärt werden. Die Gemälde galten lange als verschollen.

Im Sommer 2018 wurden sie dem damaligen Stiftungsratsvorsitzenden, Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch, angeboten. Durch langwierige, diskrete Verhandlungen konnten die Werke zurückgeführt werden. Zuvor hatte das Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen Berlin nach einer Untersuchung deren Echtheit bestätigt.

Nach der Sonderpräsentation kommen die Bilder nun zunächst ins Museumsdepot. Dann sollen Angebote zu Restaurierung eingeholt werden. Denn die Gemälde sind teils stark in Mitleidenschaft gezogen. "Wir wissen, dass alle Bilder sozusagen unters Messer müssen", sagte Streckhardt. Entscheidend sei auch die Frage, wie etwa mit den Spuren des Diebstahls umgegangen werde.

So gebe es auf dem "Bildnis eines alten Mannes" (vermutlich Ferdinand Bol) Kratzer, die wohl von Ösen der Rückseite der "Heiligen Katharina" (Hans Holbein dem Älteren) her stammten, erklärte Streckhardt.

Die Diebe hätten wahrscheinlich den Fehler begangen, die Bilder mit der "guten an der schlechten Seite" zu transportieren. Diese Schäden erzählten auch ein Stück der Geschichte der Bilder.

Titelfoto: DPA

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