So viel Gewalt gegen Frauen gibt es in Asylheimen

Viele Frauen werden Opfer von Gewalt und Belästigungen in Asylheimen.
Viele Frauen werden Opfer von Gewalt und Belästigungen in Asylheimen.

Von Doreen Grasselt

Chemnitz - Missbraucht, bedrängt und eingeschüchtert: Immer häufiger werden Frauen in Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) Opfer sexueller Gewalt.

Viele trauen sich nicht, die Täter anzuzeigen, wissen nicht, woher sie Hilfe bekommen.

Nach MOPO24-Informationen gab es seit 2013 unter Sachsens Asylbewerbern 33 angezeigte Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung - davon zwölf in der EAE, der Rest in anderen Asylbewerberheimen.

Da Chemnitz bis zum Sommer 2015 die einzige EAE Sachsens hatte, sind die Zahlen für die Stadt alarmierend. Die Polizei kann die Anzeigen zumindest teilweise bestätigen, hat 2014 neun aufgenommen, 2013 eine.

„Aber das Anzeigeverhalten ist kulturell bedingt ein anderes“, so Polizeisprecherin Jana Kindt. „Oft sprechen die Frauen nicht unsere Sprache, und Dolmetscher sind meist Männer.“ Die Schamgrenze zu überwinden sei schwierig.

Auch wegen der unwürdigen und beengten Zuständen in zentralen Flüchtingsunterkünften wird Gewalt gegen Frauen zum Problem.
Auch wegen der unwürdigen und beengten Zuständen in zentralen Flüchtingsunterkünften wird Gewalt gegen Frauen zum Problem.

Deshalb fordert der Flüchtlingsrat ein Clearing-Verfahren, das besonders Schutzbedürftige von anderen Flüchtlingen trennt.

„Die zentrale Unterbringung ist das Problem“, schimpft Sprecher Patrick Irmer (28). „Viele Opferzahlen bleiben im Verborgenen, weil auch für ehrenamtliche Helfer ein Zutrittsverbot existiert.“

Sachsen habe einen Leerstand von 231.000 Wohnungen. Mit schneller Verteilung der Asylsuchenden könne ein Teil des Gewaltproblems gelöst werden.

Das DRK bemüht sich, allein reisende Frauen und Familien in der EAE zu separieren. „In der Leipziger Messe gibt es einen Raum, in dem Frauen unter sich sein können und dankbar sind, wenigstens ihr Kopftuch abnehmen zu dürfen“, erklärt Sprecher Kai Kranich (33).

Aber wegen der stetig wachsenden Flüchtlingszahlen sei separate Unterbringung im Moment nicht möglich.

Fotos: dpa, imago


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