Nach Ost-Wahlen: Politiker teilen beim Gillamoos gegen AfD aus

Abendsberg - Einen Tag nach den AfD-Wahlerfolgen in Sachsen und Brandenburg hat die Auseinandersetzung mit den Rechtspopulisten auch stark den traditionellen politischen Schlagabtausch beim Gillamoos-Jahrmarkt im niederbayerischen Abensberg bestimmt.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, spricht beim Politischen Frühschoppen Gillamoos auf der Bühne.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, spricht beim Politischen Frühschoppen Gillamoos auf der Bühne.  © DPA

Neun Parteien traten am Montag bei dem Polit-Spektakel an, darunter erstmals die Linke. Die schickte Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow nach Niederbayern. Und der teilte ebenso kräftig gegen die AfD aus wie die Redner bei CSU, SPD, Grünen und Freien Wählern.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betonte den Abgrenzungs-Kurs seiner Partei und sagte: "Franz Josef Strauß hätte die AfD aufs Messer bekämpft und genau das machen wir auch."

Eine Zusammenarbeit mit der AfD hat Söder auf allen politischen Ebenen ausgeschlossen und fordert dies auch von der CDU.

"Die AfD ist nicht der Stammtisch einsamer Konservativer, ist auch keine Selbsthilfegruppe nach dem Motto, da darf man mal offen sagen, was man denkt", betonte Söder, der der AfD schon länger vorwirft, sich sukzessive in Richtung einer NPD zu entwickeln.

Eine noch klarere Abgrenzung von der AfD und von rechten Ideologien forderte Juso-Bundeschef Kevin Kühnert. Es dürfe nicht hingenommen werden, dass "ordentliche Neonazis in diesem Land wieder für Parlamente kandidieren und gewählt werden", sagte er.

Kevin Kühnert schießt scharf gegen die AfD

Kevin Kühnert (SPD), Bundesvorsitzender der Jusos, bei seiner Rede beim Politischen Frühschoppen Gillamoos.
Kevin Kühnert (SPD), Bundesvorsitzender der Jusos, bei seiner Rede beim Politischen Frühschoppen Gillamoos.  © DPA

Sie machten keinen Hehl daraus, dass sie Sommercamps von Neonazi-Gruppen besuchten, und hätten kein Problem mit alten Fotos, auf denen sie mit Hitlergruß posieren.

"Wenn das mit Schulterzucken zur Kenntnis genommen wird, weil Nazi in Deutschland immer erst bei Hitlerbart und Gaskammern anfängt, und wir gleichzeitig eine Parteivorsitzende ein halbes Jahr durchs Land jagen, weil sie mal 'Bätschi' in eine Kamera gesagt hat, dann ist was aus dem Lot geraten", kritisierte Kühnert.

Er prangerte ein "politisches Gaffertum" in Bezug auf die ostdeutschen Bundesländer an. "Wir betrachten die Entwicklung im Osten wie einen Autounfall, wo alle vorbeifahren und traurig sind, was da passiert ist."

Man dürfe nicht nur über die Menschen in Sachsen und Brandenburg reden, wo die rechtspopulistische AfD jeweils zweitstärkste Kraft wurde. Man müsse mit ihnen sprechen.

Ramelow kritisierte das Verhalten von AfD-Politikern als populistisch und spalterisch. "Auschwitz ist nicht aus dem Nichts gekommen", sagte er zum starken Abschneiden der Partei bei den beiden Ostwahlen und ihrem Auftreten danach.

Bayern AfD-Chefin Katrin Ebner-Steiner kritisiert Söder und Schulze

Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister und Landesvorsitzender der Freien Wähler in Bayern, begrüßt beim Politischen Frühschoppen Gillamoos die Besucher.
Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister und Landesvorsitzender der Freien Wähler in Bayern, begrüßt beim Politischen Frühschoppen Gillamoos die Besucher.  © DPA

Bayerns AfD-Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner sieht ihre Partei nach den Erfolgen in Sachsen (27,5 Prozent) und Brandenburg (23,5) unaufhaltsam auf dem Vormarsch.

"Uns gehört die Zukunft", sagte sie und griff Söder und Grünen-Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze an. Der Ministerpräsident sei von der "Grünen-Ober-Schülersprecherin" benebelt. Das C in CSU stehe heute für "CO2-religiös".

Nach dem Einzug der Freien Wähler (FW) in den Brandenburger Landtag wünscht sich der Bundesvorsitzende Hubert Aiwanger eine Regierungsbeteiligung seiner Partei. "Ich hoffe, es gelingt auch den Freunden in Brandenburg, dass sie als Zünglein an der Waage akzeptiert werden", sagte Aiwanger, dessen Partei in Bayern Juniorpartner in einer Koalition mit der CSU ist.

Der Gillamoos ist einer der ältesten Jahrmärkte in Niederbayern, immer Anfang September. Am letzten Tag des fünftägigen Festes treten traditionell Spitzenpolitiker parallel in Bierzelten auf, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt sind.

Nach dem politischen Aschermittwoch ist dies das größte Politikspektakel in Niederbayern. Mehr als 250.000 Besucher strömen jedes Jahr auf das Volksfest.

Titelfoto: DPA

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