Das Problem mit dem Palmöl: Was steckt dahinter?

Von Gina Gadis

Frankfurt am Main - Ob Essen, Kosmetika, Reinigungsmittel oder Kraftstoffe: Palmöl findet man in jeder Menge Alltags-Produkte. Dennoch hört man überall, dass Palmöl so schlecht sei. Was genau steckt dahinter und warum wird es trotzdem so häufig eingesetzt?

Die Orang-Utans sind stark vom Aussterben bedroht. Schuld daran ist hauptsächlich die zunehmende Wald-Rodung für Palmöl-Plantagen.
Die Orang-Utans sind stark vom Aussterben bedroht. Schuld daran ist hauptsächlich die zunehmende Wald-Rodung für Palmöl-Plantagen.  © Gina Gadis

Es ist Januar 2018. Ich befinde mich auf Sumatra, Indonesien, und sitze auf der Rückbank eines Jeeps. Seit über drei Stunden fahren wir durch Palmen-Plantagen.

Keine andere Pflanze, nur Palmen, die perfekt in Reih und Glied stehen. Unser Fahrer erklärt, dass es sich um Ölpalmen handelt.

Wir sehen große Trucks, die die Lade-Flächen voll beladen haben mit den rötlichen Früchten der Palmen, die das wertvolle Öl enthalten.

Doch eigentlich sind wir nicht hier, um Palmen zu sehen, sondern auf dem Weg zu dem Nationalpark, in dem die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans leben. Und genau damit wären wir schon bei dem Punkt, weswegen Palmöl so in der Kritik steht.

Früher war die riesige Insel Sumatra noch vollständig mit Dschungel bedeckt. Heute ist nicht mal mehr ein Drittel übrig. Grund dafür ist die Rodung des Regenwaldes, um Anbaufläche zu gewinnen.

Pro Minute werden hier laut Indojunkie etwa 35 Fußballfelder gerodet. Unvorstellbar!

Aus Indonesien kommen ungefähr 50 Prozent des weltweit produzierten Palmöls, der Rest größtenteils aus den umliegenden Ländern in Südostasien. Der Anbau soll noch deutlich ausgeweitet werden, doch zu welchem Preis?

Darum sind Großkonzerne auf Palmöl aufmerksam geworden

Palmöl-Früchte: Im Vergleich zu anderen Ölpflanzen ist Palmöl auf die Fläche gesehen sehr viel ertragreicher.
Palmöl-Früchte: Im Vergleich zu anderen Ölpflanzen ist Palmöl auf die Fläche gesehen sehr viel ertragreicher.  © DPA

Das Zuhause von unzähligen Pflanzen- und Tierarten wird zerstört. Es geht bis hin zur völligen Ausrottung. Der Sumatra Tiger und die Orang-Utans sind nur die bekanntesten Beispiele.

Außerdem geht der CO2-Speicher Regenwald immer weiter verloren. Auch, wenn auf dem Boden neue Pflanzen gepflanzt werden, können die Palmen gerade mal 13 Prozent des CO2 speichern.

Deren Kultivierung sorgt außerdem für die zunehmende Kontaminierung des Bodens, häufiger auftretende Erdrutsche und die Verschmutzung von anliegenden Gewässern; ganz zu schweigen von der Enteignung der Anwohner, schlechten Arbeitsbedingungen und der Vertreibung indigener Völker. Palmöl zieht offensichtlich einen langen Rattenschwanz an Problemen hinter sich her.

Doch wenn es so schlecht ist, warum wird der Anbau dann so stark vorangetrieben? In Indonesien wird Palmöl schon seit Ewigkeiten zum Kochen und Frittieren genutzt.

Im Vergleich zu anderen Ölpflanzen ist Palmöl auf die Fläche gesehen sehr viel ertragreicher. Diese höhere Rentabilität und die vielfältigen Möglichkeiten Palmöl einzusetzen, hat natürlich auch Großkonzerne wie zum Beispiel Wilmar, welcher Großabnehmer wie Unilever und Nestle beliefert, auf das Produkt aufmerksam gemacht.

Innerhalb der letzten 30 Jahre wurde somit der Anbau massiv ausgebaut. Und tatsächlich: die Liste der Produkte, für die Palmöl verwendet werden kann, ist sehr lang.

Alternative pflanzliche Öle haben schlechtere Ökobilanz

Stundenlang fährt man durch Palmöl-Plantagen auf Sumatra, Indonesien.
Stundenlang fährt man durch Palmöl-Plantagen auf Sumatra, Indonesien.  © Gina Gadis

Lebensmittel wie Margarine, Schokolade, Eis, Knabberzeug, Fertiggerichte, Nuss-Nougat-Aufstriche enthalten zum Beispiel das Pflanzenfett.

Es wird als "Palmkernöl" oder auch "vegetabiles Fett" in den Inhaltsstoffen aufgelistet. In Kosmetika wird es unter den Namen "Cetearyl", "Palmate" und "Laurate" aufgeführt.

Aber auch Kerzen, Waschmittel und Biokraftstoffe enthalten Palmöl. So wurden 2017 über 50 Prozent des importierten Palmöls als Zusatz in Treibstoff und in Ölkraftwerken zur Energie- und Wärme-Erzeugung verwendet. Leider ist die Erneuerbare-Energien-Politik in Deutschland und der EU an dieser Stelle fehlgeleitet.

Könnte man das Palmöl nicht einfach durch ein anderes Pflanzenöl ersetzten? Ganz so einfach ist das leider nicht. Denn um den gleichen Ertrag zu erzielen, bräuchte man sehr viel größere Anbauflächen.

Alternative pflanzliche Öle würden somit sogar eine schlechtere Ökobilanz haben. Es führt also kaum ein Weg daran vorbei: Der Anbau von Palmöl muss umweltfreundlicher und sozialverträglicher gestaltet werden.

So könnt Ihr in Eurem Konsum-Verhalten der Regenwald-Abholzung entgegenwirken

Das Gelände neben einer Palmöl-Plantage brennt und wird durch die Rodung als Anbaufläche vorbereitet.
Das Gelände neben einer Palmöl-Plantage brennt und wird durch die Rodung als Anbaufläche vorbereitet.  © DPA

Aber auch unser Konsum-Verhalten muss sich verändern, um dieser raschen Abholzung entgegenzuwirken.

Und daran kann jeder einzelne von uns arbeiten. Indem wir unseren Konsum der oben genannten Produkte verringern, können wir bereits aktiv etwas gegen die Regenwald-Rodung tun.

Wer zum Frühstück gerne süß isst, sollte statt Nutella lieber lokal hergestellte Marmelade wählen. Auch in den Tierfutter-Mitteln für die Massen-Tierhaltung wird Palmöl verwendet. Ein weiterer Grund, warum es besser wäre, weniger und wenn, dann eher qualitativ hochwertigeres Fleisch zu konsumieren.

Wer keine Lust hat, sich die Liste der Inhalts-Stoffe durchzulesen, der kann auch einfach den Barcode des Produktes mit der Codecheck-App scannen und erfährt in Sekunden-Schnelle, ob Palmöl enthalten ist oder nicht.

Und wenn man schon Palmöl-Produkte kauft, sollte man wenigstens auf eine RSPO-Zertifizierung achten oder gleich zum Bioprodukt greifen.

Ansonsten gilt es auch hinsichtlich der Palmöl-Problematik wie im Verkehr: Lieber zum Fahrrad greifen oder die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, anstatt mit dem Auto zu fahren.

Alleine in Deutschland könnten wir durch solch ein bewussteres Konsum-Verhalten den Palmölverbrauch um die Hälfte reduzieren. Los geht’s!

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis  © Gina Gadis

Gina Gaids (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

Titelfoto: Bild-Montage: Gina Gadis


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