Irres Fußball-Spektakel: Neun Tore, acht Minuten Nachspielzeit, ein Erstliga-Aufsteiger!

Deventer (Niederlande) - Ein Fußball-Spektakel mit bitterem Ausgang für die Gastgeber! Das entscheidende Aufstiegsspiel zwischen den Go Ahead Eagles Deventer und dem RKC Waalwijk entwickelte sich zu einer wahren Achterbahnfahrt der Gefühle für beide Teams mit einer echten Hollywood-Dramaturgie.

Stijn Spierings (l.), hier noch im Trikot von Sparta Rotterdam im Derby gegen Feyenoord, war für Waalwijk gegen die Go Ahead Eagles mit zwei Toren einer der Spielentscheider.
Stijn Spierings (l.), hier noch im Trikot von Sparta Rotterdam im Derby gegen Feyenoord, war für Waalwijk gegen die Go Ahead Eagles mit zwei Toren einer der Spielentscheider.  © DPA

Die 9800 Zuschauer im kleinen, engen Stadion "De Adelaarshorst" sollten ein Duell erleben, das sie so schnell nicht vergessen werden.

Nach dem 0:0 im Hinspiel begann der Torreigen im Rückspiel in der 13. Minute, als der schwedische U21-Nationalspieler Emil Hansson Waalwijk nach einem berechtigen Elfmeterpfiff mit 1:0 in Führung schoss.

Als "Adler"-Kapitän Jeroen Veldmate dann am eigenen Sechzehner einen furchtbaren Fehlpass in den Fuß von RKC-Zehner Stijn Spierings spielte, der frühere U20-Nationalspieler der Niederlande aus 18 Metern abzog und die Kugel zum 2:0 für Waalwijk in den Winkel jagte (38.), schien die Begegnung frühzeitig entschieden zu sein.

Doch als der RKC einen Freistoß der Eagles nicht klären konnte, Chaos im Strafraum herrschte und Sturmtank Thomas Verheydt zu Boden ging, gab es Elfmeter für Deventer.

Diesen verwandelte Innenverteidiger Veldmate zum 1:2-Anschlusstreffer (45.), machte seinen Fehler vor dem 0:2 damit wieder wett und erzielte bereits sein neuntes Saisontor!

Volle Offensivpower

Fassungslos: Eagles-Torschütze Richard van der Venne konnte nicht glauben, dass Deventer sich den Aufstieg in der Nachspielzeit noch aus der Hand nehmen ließ.
Fassungslos: Eagles-Torschütze Richard van der Venne konnte nicht glauben, dass Deventer sich den Aufstieg in der Nachspielzeit noch aus der Hand nehmen ließ.  © imago images / VI Images

Nach der Pause kamen die Hausherren mit viel Druck aus der Kabine. Richard van der Venne traf mit einem abgefälschten Distanzschuss zum 2:2 (55.).

Nur acht Minuten später stand der Adlerhorst Kopf. Nach einem Traumpass vom ehemaligen niederländischen U20-Nationalspieler Julian Lelieveld war Istvan Bakx im gegnerischen Sechzehner frei, zog aus spitzem Winkel ab - und traf zum 3:2, Go Ahead hatte die Partie gedreht!

Doch die nervenaufreibende Schlussphase sollte ja erst noch kommen. Zuerst glich Waalwijk durch Hans Mulder aus, nachdem sich der Nationalspieler Curacaos, Jurien Gaari, durchgetankt und das Leder scharf in die Mitte geschossen hatte (79.).

Nun brauchte Deventer wieder einen Treffer, um in die Eredivisie aufzusteigen - und der sollte fallen!

In der 89. Minute gab es Eckball für die Gastgeber, den Pieter Langedijk kurz ausführte, sich in Position lief, von Jeff Stans angespielt wurde und den Ball in Arjen-Robben-Manier aus spitzem Winkel zum 4:3 für Go Ahead ins Tor zirkelte.

Kritik an den Aufstiegsspielen

Der Jubel beim RKC Waalwijk kannte nach dem Schlusspfiff keine Grenzen mehr.
Der Jubel beim RKC Waalwijk kannte nach dem Schlusspfiff keine Grenzen mehr.  © imago images / VI Images

Doch das Match war noch immer nicht vorbei. Schiedsrichter Dennis Higler hatte vier Minuten Nachspielzeit angezeigt, RKC warf alles nach vorne und belohnte sich durch Spierings Vollspannkracher mit dem 4:4!

Nun mussten die Eagles wieder kommen, öffneten -und liefen in einen Konter! Mario Bilate lief von der Mittellinie frei auf Deventer-Keeper Hobie Verhulst zu, der den Stürmer zu Fall brachte, weshalb es Elfmeter gab, den Bilate selbst in der achten (!) Minute der Nachspielzeit zum 5:4 für Waalwijk verwandelte.

Danach war pfiff der Referee ab und für die Gäste gab es kein Halten mehr: Sie waren in die Eredivisie aufgestiegen, spielen in der kommenden Saison also unter anderem gegen Ajax Amsterdam, Feyenoord Rotterdam und die PSV Eindhoven!

Allerdings gibt es auch Kritik an der Art und Weise der Play-offs in den Niederlanden. Denn in der regulären Saison ist der RKC gerade mal Achter in der zweiten niederländischen Liga Keuken Kampioen Divisie geworden, stand einen Spieltag vor Schluss sogar nur auf Rang zehn.

Doch in den Entscheidungsspielen setzte sich die Mannschaft von Trainer Fred Grim erst gegen NEC Nijmegen (0:2/3:0), dann gegen den Sechzehnten der Eredivisie, SBV Excelsior Rotterdam, (2:1/1:1) durch und im Quali-Finale dann gegen die Eagles, womit sie eine durchwachsene Spielzeit am Ende mit dem Aufstieg krönen konnten, weil sie in den entscheidenden Momenten die Nerven hatten.

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