Archäologische Sensation: Geschützturm bei Ausgrabungen entdeckt





Thomas Westphalen (59) vom Landesamt für Archäologie zeigt eine historische Darstellung von Görlitz. Der Turm wurde wahrscheinlich im späten 15. Jahrhundert vor der Stadtmauer gebaut.
Thomas Westphalen (59) vom Landesamt für Archäologie zeigt eine historische Darstellung von Görlitz. Der Turm wurde wahrscheinlich im späten 15. Jahrhundert vor der Stadtmauer gebaut.  © DPA / Monika Skolimowska

Görlitz - Archäologische Sensation in Görlitz: Bauarbeiter stießen bei Grabungen im Erdreich auf einen Geschützturm aus dem späten Mittelalter. Die einstigen Stadtväter wollten den Turm offenbar ganz bewusst für die Nachwelt erhalten!

Eigentlich sollte ein Parkplatz auf dem Areal hinter der einstigen Stadtmauer (Hugo-Keller-Straße) gebaut werden. Doch daraus wird jetzt nichts mehr.

Denn als Arbeiter im Juni ein Abwasserrohr verlegen wollten, stießen sie plötzlich auf jede Menge Steine, angeordnet in halbrunder Form. Archäologen des Freistaats trugen daraufhin zentnerweise Bauschutt ab, legten die Ruine des Turms frei.

"Wir sind über den hervorragenden Zustand des etwa 500 Jahre alten Bauwerks überrascht", freut sich Abteilungsleiter Thomas Westphalen (59) vom Landesamt für Archäologie.

Archäologin Nicole Eichhorn (37) vermisst den Geschützturm: Die Granitmauer ist zur Stadtseite 1,60 Meter dick, nach außen sogar 3,40 Meter.
Archäologin Nicole Eichhorn (37) vermisst den Geschützturm: Die Granitmauer ist zur Stadtseite 1,60 Meter dick, nach außen sogar 3,40 Meter.  © dpa/Monika Skolimowska

Schließlich wurden mit den Erweiterungen der Städte im 19. Jahrhundert neben den Stadtmauern meist auch die Türme abgetragen.

Westphalen vermutet, dass sich die Stadtväter bewusst für einen Erhalt des Bauwerks entschieden und es durch das Zuschütten mit Bauschutt "konservierten", so für die Nachwelt bewahrten.

Wann der Geschützturm begraben wurde, wollen die Archäologen jetzt klären. Auf Postkarten aus dem 19. Jahrhundert ist er noch zu sehen. Der Turm hielt 1641 sogar dem Angriff der kaiserlich-kursächsischen Truppen im Dreißigjährigen Krieg stand.

Der Görlitzer Baubürgermeister Michael Wieler (53) nannte die Entdeckung ein "Dokuments der Stadtgeschichte". Die Stadt wolle das Bauwerk nun sichtbar erhalten.

Schlummerte "vergessen" im Görlitzer Erdreich: Die früheren Stadtväter wollten den Geschützturm offenbar bewusst erhalten.
Schlummerte "vergessen" im Görlitzer Erdreich: Die früheren Stadtväter wollten den Geschützturm offenbar bewusst erhalten.  © dpa/Monika Skolimowska

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