Erdbeben in Polen: Bergleute vermisst, auch starke Erschütterungen in Sachsen!

Görlitz/Głogów/Lubin - Ein Erdbeben hat am Dienstag die Bergbauregionen im Südwesten Polens erschüttert. Gegen 13.53 Uhr bebte in Schlesien und Niederschlesien die Erde - das war auch in Sachsen und Brandenburg zu spüren! Nach ersten Erkenntnissen ist möglicherweise ein schweres Grubenunglück für das Erdbeben verantwortlich.

Das Epizentrum lag nur 90 Kilometer von Görlitz.
Das Epizentrum lag nur 90 Kilometer von Görlitz.  © Google Earth

Nach ersten Angaben des Geoforschungszentrums in Potsdam erreichte das Erdbeben Magnitude 4.7. Verschiedene polnische Medien schreiben sogar von 4.8. Und die Webseite ALomax ermittelte sogar die Magnitude 5.1.

Inzwischen wurde der Wert auf 4.6 korrigiert.

Es sei damit eines der stärksten Erdbeben, die jemals in der Region aufgezeichnet wurden.

Das Epizentrum lag in der Gegend um Głogów und Lubin, 90 Kilometer nordöstlich von Görlitz nahe Polkwitz (Polkowice). Dort kommt es wegen des Bergbaus immer wieder zu teils größeren Erdbeben.

Möglicherweise ist das Beben am Dienstag ebenfalls Bergbau-bedingt, ausgelöst durch einen zusammengesackten Stollen.

"Dazu würde die geschätzte Tiefe von 850 bis 1000 Meter passen. In dieser Tiefe herrscht noch Sediment vor, kein festes Gestein; mithin ist ein tektonisches Beben eigentlich unwahrscheinlich", sagte der Seismologe Torsten Dahm (55) vom Deutschen GeoforschungsZentrum in Potsdam gegenüber TAG24.

Mit Blick auf Sachsen teilte das Landratsamt Görlitz auf Anfrage von Tag24 mit: "Das zuständige Amt für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungswesen des Landkreises Görlitz hat sich bereits mit der Integrierten Regionalleitstelle (IRLS) in Verbindung gesetzt und angefragt, ob grenzüberschreitende Hilfe unsererseits in Polen benötigt wird. Wir haben soeben die Rückmeldung bekommen, dass keine grenzüberschreitende Hilfe seitens des Landkreises Görlitz benötigt wird.

Bisher gibt es keine Auswirkungen des Erdbebens auf den Landkreis Görlitz."

In der polnischen Region hatte es am 20. Juli 2018 ein ähnlich starkes Erdbeben in Polen gegeben, das auch in Teilen der Lausitz zu spüren war. Außerdem erschütterten am 23. Januar gleich mehrere Erdbeben (so genanntes Schwarmbeben) das Vogtland (TAG24 berichtete).

Update 16 Uhr:

Wie "Erdbebennews" erklärt, gibt das Geoforschungszentrum Potsdam nach manueller Auswertung das Erdbeben nun mit Magnitude 4.6 an.

Update 16.06 Uhr:

Die seismologischen Auswertungen zeigen, dass bei dem Erdbeben vor allem langwellige Erdbebenwellen abgestrahlt wurden. Diese haben oft weniger Schäden an der Oberfläche zur Folge, können aber dafür auch noch auf sehr große Distanz gespürt werden, erklärt Erdbebennews.

Update 16.08 Uhr:

Aktuell sollen auch erste Wahrnehmungsmeldungen aus der Lausitz sowie Dresden vorliegen.

Update 16.15 Uhr:

Das rbb-Studio in Cottus meldet bei Twitter, dass das Erdbeben möglicherweise zu einem Erdrutsch geführt hat. Danach soll nahe dem brandenburgischen Tschernitz "die Erde an einer alten Grube auf einer Länge von rund 100 Metern eingesackt" sein.

53-jähriger Mann sei dabei mitgerissen und getötet worden. Ob ein Zusammenhang zum Erdbeben besteht, ist bislang nicht bestätigt.

Update 16.32 Uhr:

Laut dem polnischen Nachrichtenportal "WP Wiadomósci" waren zum Zeitpunkt des Bebens 30 Bergleute in einer Mine bei Rudna Główna (Polen). Ein Teil von ihnen konnte bereits evakuiert werden, darunter seien auch Verletzte, teilt die Feuerwehr Polkowice auf ihrer Facebook-Seite mit. Es konnten aber noch nicht alle Bergleute erreicht werden.

Vor Ort seien zwei Notfall-Teams der Feuerwehr und zwei Ärzte-Teams. Außerdem sei ein Rettungshubschrauber vor Ort eingetroffen.

Update 17.06 Uhr:

Wie die Feuerwehr Polkowice mitteilt, konnte zu sieben Bergleuten noch immer kein Kontakt hergestellt werden. Minenretter sind im Einsatz.

Update 17.50 Uhr:

Auf Facebook teilt die Feuerwehr Polkowice aktuell mit, dass die Rettungsaktion aufgrund der Bedingungen in der Mine schwierig ist: es herrschen 40 Grad und der Staubgehalt sei hoch.

Bereits zehn Bergleute konnten medizinisch versorgt werden. Inzwischen wird aber noch nach acht Männern gesucht.

Update 20.09 Uhr:

Nach aktuellen Informationen der Feuerwehr gilt noch ein Arbeiter als vermisst. Insgesamt befanden sich 32 Bergleute zum Zeitpunkt des Bebens in der Mine.

Mehrere Rettungsteams sind beim Bergwerk nahe Rudna Główna im Einsatz.
Mehrere Rettungsteams sind beim Bergwerk nahe Rudna Główna im Einsatz.  © Screenshot Facebook/112 Polkowice
Eine Aufnahme aus dem Inneren der Mine vom Oktober 2012.
Eine Aufnahme aus dem Inneren der Mine vom Oktober 2012.  © Matthias Rietschel

Titelfoto: DPA

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