Im Stasi-Jargon! Spitzenkandidat der AfD hetzt gegen unliebsame Journalisten

Görlitz - Der Görlitzer Kreisverband der AfD will gegen unliebsame Journalisten vorgehen.

Rundumschlag gegen unliebsame Berichterstattung: AfD-Mann Tino Chrupalla (43) spricht von "haltlosen Behauptungen einer angeblichen Radikalisierung".
Rundumschlag gegen unliebsame Berichterstattung: AfD-Mann Tino Chrupalla (43) spricht von "haltlosen Behauptungen einer angeblichen Radikalisierung".  © dpa/Paul Zinken

In einem internen Mitgliederbrief spricht AfD-Kreis-Chef Tino Chrupalla (43) von "schwarzen Listen" und fordert Mitglieder auf, ihm "Hintergrundinformationen über als Journalisten getarnte Zersetzungsagenten" zu liefern.

Anlass ist offenbar die Berichterstattung der "Sächsischen Zeitung" über den Kreisparteitag. Diese bewertet Chrupalla im Stasi-Jargon als "Spaltungs- und Zersetzungsstrategie". Und: "Wir kennen das Spiel bereits aus der DDR."

Die Stasi nutzte "Zersetzung" zur Unterdrückung und zur sozialen Vernichtung von vermeintlichen Regimegegnern.

Die Wahlen der Direktkandidaten für die Landtagswahl mussten laut SZ annulliert werden, weil Nichtmitglieder mit abgestimmt haben sollen. Es soll auch gezielte Manipulationen gegeben haben. Teilnehmer hatten der SZ indes bestätigt, dass die Schilderung des Parteitages korrekt war.

Er habe nun mit dem AfD-Landesverband einen Leitfaden für die Kommunikation entwickelt, so Chrupalla. Dazu gehört ein De-facto-Maulkorb für Parteimitglieder - nur der Kreisvorstand solle mit Journalisten sprechen.

"Unseriöse" Journalisten sollen keine Informationen mehr bekommen. Zugleich warnt er Mitglieder davor, "ganze Menschengruppen" zu verunglimpfen. Die AfD Sachsen äußerte sich nicht.

Chrupalla ist auch Vize der AfD-Bundestagsfraktion. Er hatte bei der Wahl 2017 den heutigen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (43, CDU) geschlagen.

Zudem hat Chrupalla Ambitionen auf die AfD-Spitzenkandidatur für die Landtagswahl.

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