Nach Fashion-Award-Skandal: Jetzt schießt der Stifter zurück

Görlitz/Berlin - Der Eklat um den „Euro Fashion Award“ – nun reagiert Winfried Stöcker (71). Der Kaufhaus-Eigner und Stifter des Preises äußert nicht nur sein Unverständnis über den Rückzug der beiden Berliner Modemacherinnen (TAG24 berichtete), er schießt auch zurück.

Winfried Stöcker (71) bei der ersten Preisverleihung im Jahr 2016. Im Vorjahr wurde der Award nicht ausgerichtet.
Winfried Stöcker (71) bei der ersten Preisverleihung im Jahr 2016. Im Vorjahr wurde der Award nicht ausgerichtet.

Satz eins der gepfefferten Entgegnung, die er am Mittwoch auf Anfrage von TAG24 verschickte, ist noch moderat. Stöcker zitiert den Dalai Lama ("Betrachte Situationen von allen Seiten und Du wirst offener").

Dann aber geht‘s zur Sache: "Wir haben mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass sich zwei Bewerber um den EuroFashionAward 2018 vom Wettbewerb zurückgezogen haben", so Stöcker. "Deren im Internet veröffentlichte Begründungen des Rückzugs fußen auf oberflächlichen Trugschlüssen und unwahren Behauptungen. Sie spiegeln einen mangelnden Respekt vor der Meinungsfreiheit wider, wie sie in unserer Demokratie geboten ist."

Stöcker weiter: „Man verbreitet über mich, ich sei ein Ausländerfeind und Rassist, nichts davon ist richtig. Ich hätte mich beim letzten Award abfällig gegenüber Iranerinnen geäußert – aus der Luft gegriffen und mir zu Unrecht in den Mund gelegt, um Vorurteile zu nähren. Ich sei ein Chauvinist: Nirgendwo werden Sie eine Organisation finden, wo Frauen respektvoller behandelt und weniger diskriminiert werden als von mir und in den von mir geleiteten Unternehmen. Und hier finden Sie das beglückende Arbeiter-Paradies mit Rundum-Versorgung, das in der DDR nur versprochen wurde, in dem wir uns wie in einer Familie begegnen und in dem jeder fair behandelt wird – mit internationaler Besetzung."

Und weiter: "Ich selber bin in der DDR aufgewachsen und habe die Diktatur des Proletariats mit Indoktrination, Zensur und Verdrehung der Wahrheit hautnah erlebt, und werde mir von ein paar schlecht informierten Studenten den Mund nicht verbieten lassen. Es bestehen auch grundlegende Auffassungs-Unterschiede mit der Jury-Besetzung, für die wir eine Alternative gefunden haben."

Die Sache mit dem von Stöcker erwähnten "Chauvi" hat folgenden Hintergrund: In seinem Blog legte Stöcker zum Jahreswende 2017 eine ebenfalls umstrittene Weihnachtsansprache hin, die unter anderem auf das "Verhalten" von Frauen vor dem Hintergrund der Me-Too-Debatte eingeht.

Die Modemacherinnen Lisa Mann (l.) und Hagar Rieger.
Die Modemacherinnen Lisa Mann (l.) und Hagar Rieger.

Hier Auszüge:

"Die Zeitungen sind in diesen Tagen voll mit Berichten von sexuell motivierten Übergriffen in der Filmbranche, in der Politik, und auch im Geschäftsleben. Haarklein werden pikanteste Obszönitäten beschrieben und dem Publikum unterbreitet. Reihenweise treten angesehene Persönlichkeiten, Manager und Politiker zurück, weil sie angeblich in der Vergangenheit ihre Macht missbraucht und hübsche Mädchen dazu gebracht haben, für die Rolle in einem Film oder für eine steile Karriere den Sündern gefällig zu sein.

Ich appelliere an die Eigenverantwortung der Betroffenen, die ja auch mit sechzehn Jahren oft schon zur Parlamentswahl gehen dürfen. Die Mädchen könnten zurückhaltender gekleidet und weniger provozierend zum Casting gehen, dass die armen Regisseure auf dem Pfad der Tugend bleiben. Aber wenn sich jemand wegen eines beruflichen Vorteils vor einem Filmproduzenten auszieht, ist das seine Sache, er ist erwachsen und es bedarf keiner aufdringlichen Tugendwächter und keines besonderen Schutzes durch ein Gesetz.

Es ist anzunehmen, dass vorwiegend diejenigen unserer Gesellschaft so erbost und hysterisch aufschreien, die von der Natur optisch weniger vorteilhaft ausgestattet worden sind. Oder es sind manche der Hübschen, denen die Moral oder die Religion verwehren, das in die Tat umzusetzen, was sie eigentlich selbst am liebsten tun würden. Sie fallen neiderfüllt in das Gezeter ein, ein Kesseltreiben folgt auf das nächste, und die Hashtag-Me-Too-Kampagne kommt ihnen wie gerufen.

Auch vielen Journalisten ist diese Thematik willkommen, hierauf gründet ihr Geschäftsmodell, etwa bei den anspruchslosen Zeitungen in Schleswig-Holstein und Sachsen. Lang und breit bedienen sie den Voyeurismus ihrer beschränkten Leserschaft. Die Personen ohne ausgefülltes Liebesleben können sich ereifern, sie kommen auf diesem Wege wenigstens in ihren armseligen Träumen zum Zuge. Die Blättchen werden spannend aufgemacht, dass sie gerne von Idioten gelesen werden.

Ich kenne bei uns einen Kollegen in führender Stellung, der hat sich in früheren Zeiten an eine junge Krankenhaus-Praktikantin herangemacht. Ein Glück, dass das schon so lange her ist, sonst müsste er vielleicht heute seinen Posten aufgeben. Mit dem Opfer hat er eine Familie gegründet und freut sich über drei gemeinsame Kinder.

Und er ist Wiederholungstäter: Später war es eine sehr hübsche Studentin in unserem Unternehmen, die er umgarnt und eingefangen hat. Und auch mit ihr hat er drei prächtige Nachkommen gezeugt, auf die er stolz ist. Da soll niemand sagen, er hätte seine Stellung missbraucht. Und seinem Beispiel sind in der Firma etliche gefolgt. Es ist doch das Natürlichste der Welt, dass man eine Frau zu sich nimmt, die man liebt, da braucht man keinen Vormund und keine besonderen innerbetrieblichen Vorschriften.

Lernt viel, macht Euch ein eigenes Bild und glaubt keiner dummen Zeitung und keinem indoktrinierten Nachrichtensprecher des Fernsehens. Petra Gerster, Marietta Slomka und Claus Kleber sind nicht die einzigen, die ihre Funktion missbrauchen: Man geht davon aus, dass sie sachlich über wahre Fakten berichten, aber oft flößen sie den Hörern nur ihre eigenen, einfältigen, rot-grünen Moralvorstellungen ein, und man fällt auf den Irrtum herein, verwechselt Vorurteile mit der Wahrheit. Auf diese Weise manipulieren Journalisten-Cliquen die öffentliche Meinung – ein Angriff auf unsere Demokratie, und gefährlich, weil alle politischen Bereiche betroffen sind. Also glaubt niemandem, außer mir. Und lasset Euch von niemandem in Euer privates Leben hineinreden.

Und jetzt ein Aufruf an Euch Kollegen, die noch auf der Suche sind: Wir haben so viele nette Jungs und Mädchen in der Firma, geht ran, egal ob Ihr Vorgesetzte seid oder nicht, es kommt nur darauf an, dass Ihr das Mädchen oder den Jungen liebt. Und zeugt viele Kinder, dass wir dem mutwillig herbeigeführten, sinnlosen Ansturm unberechtigter Asylanten etwas entgegensetzen können. Unser Kindergarten steht Euch offen. …"