NS-Historiker hält Björn Höcke für einen "rechtsradikalen Ideologen"

Erfurt - Mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat der Historiker Götz Aly in Erfurt vor einem verzerrten Blick auf die Vergangenheit gewarnt und besonders die AfD scharf angegriffen.

Götz Aly hielt am Freitag eine Rede im Thüringer Landtag.
Götz Aly hielt am Freitag eine Rede im Thüringer Landtag.  © DPA

Es bestehe die Gefahr, dass in vielen deutschen Familien die Beteiligung der eigener Vorfahren an den nationalsozialistischen Gräueltaten beschönigt werde, sagte Aly bei einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus am Freitag im Thüringer Landtag.

Eine weitere Veranstaltung war für den Nachmittag in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar geplant. Die Stiftung der Gedenkstätte hatte zuvor betont, dass sie keine AfD-Politiker dabei haben wolle und dafür Kritik der Thüringer AfD-Fraktion geerntet.

Historiker Aly kritisierte bei seiner Rede im Thüringer Landtag den Bundesvorsitzenden der AfD, Alexander Gauland, sowie den Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke. So nannte er Höcke einen "rechtsradikalen Ideologen". Aly zählt durch zahlreiche Werke zum Holocaust und der Geschichte des Nationalsozialismus zu den bekanntesten deutschen NS-Forschern.

AfD bleibt bei Applaus sitzen

Selbst Menschen, die aus sozialistischen Elternhäusern stammten, seien im Laufe des Krieges von der NS-Ideologie durchdrungen worden, sagte der Historiker im Thüringer Landtag. Auch diese Menschen seien Teil Deutschlands und der deutschen Geschichte. Das dürfe nicht vergessen werden, mahnte Aly. Es sei falsch, wenn im Gedenken an die von den Nationalsozialisten ermordeten Menschen so getan werde, als trügen dafür nur einige wenige Deutsche die Verantwortung.

Höcke und andere AfD-Landtagsabgeordnete blieben sitzen, als die anderen Gäste der Gedenkstunde die Rede des Historikers Aly stehend beklatschten.

Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) forderte während der Gedenkstunde, die Menschen in Deutschland müssten sich noch stärker als bislang gegen Judenhass stellen.

An diesem Sonntag ist der internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Es wird der sechs Millionen ermordeter europäischer Juden gedacht, der Sinti und Roma, der Zwangsarbeiter und der vielen anderen Opfer des Nazi-Terrors.

Titelfoto: DPA

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