Werft meldet Insolvenz an: Was bedeutet das für die "Gorch Fock"?

Elsfleth - Viel Geld und viel Zeit sind in die Sanierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" geflossen. Und noch immer liegt die Bark im Dock in Elsfleth bei Oldenburg. Die beauftragte Werft hat wirtschaftlich eine heftige Schlagseite.

Ein Bild aus besseren Tagen: Die "Gorch Fock", das Segelschulschiff der Marine, fährt auf der Kieler Förde.
Ein Bild aus besseren Tagen: Die "Gorch Fock", das Segelschulschiff der Marine, fährt auf der Kieler Förde.  © dpa/Carsten Rehder

Die durch die Sanierung der "Gorch Fock" in die Schlagzeilen geratene niedersächsische Elsflether Werft AG will einen Insolvenzantrag stellen.

Ziel sei ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, sagte der neue Vorstandschef Axel Birk am Mittwoch bei der Abfahrt von der Werft zum Amtsgericht Nordenham.

"Wir werden es versuchen." Zuvor war die Belegschaft über die Lage informiert worden.

Die Kosten für die Sanierung des Dreimast-Seglers sind über die Jahre in die Höhe geschnellt (TAG24 berichtete).

Ursprünglich waren 10 Millionen Euro vorgesehen, dann wurde auf 75 Millionen Euro erhöht, inzwischen ist der Kostenansatz auf bis zu 135 Millionen Euro gestiegen.

Bis zum 2. Januar 2019 seien rund 69 Millionen Euro ausgegeben worden, schreibt die Bundesregierung.

Die "Gorch Fock" liegt seit geraumer Zeit auf dem Doch der Elsflether Werft.
Die "Gorch Fock" liegt seit geraumer Zeit auf dem Doch der Elsflether Werft.  © dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Offen ist zunächst, welche Auswirkungen das Insolvenzverfahren für die "Gorch Fock" haben wird.

Unternehmen, die gute Aussichten auf eine Fortführung des Geschäftsbetriebs sehen, können bei Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen.

Das ist eine Variante des Insolvenzrechts, die statt einer Abwicklung auf die Sanierung eines Unternehmens zielt.

Wichtigster Unterschied: Die Geschäftsleitung bleibt dann im Amt, ihr wird allerdings ein sogenannter Sachwalter von außen zur Seite gestellt.

Die alte Geschäftsführung behält damit große Teile der Verfügungsgewalt über das Unternehmen.

Zugleich ist die Firma aber vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen von Gläubigern geschützt.

In der Elsflether Werft stehen rund 130 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
In der Elsflether Werft stehen rund 130 Arbeitsplätze auf dem Spiel.  © dpa/Helmut Reuter

Die Werft in der Wesermarsch macht rund 80 Prozent ihres Umsatzes mit Aufträgen von der Marine. Der "Gorch Fock"-Sanierung ist derzeit der wichtigste Auftrag. Allein in der über 100 Jahre alten Traditionswerft geht es um rund 130 Arbeitsplätze.

Zwei Staatsanwaltschaften - Hamburg und Osnabrück - sind mit Ermittlungen beschäftigt. Es geht um den Verdacht der Untreue gegen einen Ex-Vorstand, um den sich die Ermittler in Hamburg kümmern, zudem um einen Korruptionsverdacht, der in die Zuständigkeit von Osnabrück fällt.

Ende Januar wurde der alte Werft-Vorstand ab- und ein neuer eingesetzt. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Werft ist der Hamburger Manager Pieter Wasmuth, neuer Werft-Vorstandschef Birk.

Planungsfehler der Marine, Kritik des Rechnungshofs, der Korruptionsverdacht und die Absetzung der Werftleitung machen die Sanierung der "Gorch Fock" zu einem Problem für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Sie sagte kürzlich bei einem Besuch der Werft, die neue Leitung brauche Zeit zur Einarbeitung, um dann Zahlen und Fakten auf den Tisch zu legen.

Das Thema "Gorch Fock" sollte an diesem Mittwoch auch auf der Tagesordnung der Bundestagsausschüsse für Haushalt und Verteidigung stehen.

Titelfoto: dpa/Carsten Rehder


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