Spielabbruch! Randalierer schmeißen Pyro auf eigene Spieler

Sitten (Schweiz) - Schock in der ersten Schweizer Liga: Das Spiel zwischen dem gastgebenden FC Sion und dem Grashopper Club Zürich musste nach heftigem Pyro-Einsatz aus dem Block der Gästefans abgebrochen werden!

Ex-Aue-Coach Tomislav Stipic übernahm den Trainerposten vom früheren Bayern-Profi Thorsten Fink erst am 6. März 2019.
Ex-Aue-Coach Tomislav Stipic übernahm den Trainerposten vom früheren Bayern-Profi Thorsten Fink erst am 6. März 2019.  © DPA

Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit, beim Zwischenstand von 2:0 für Sion, musste Schiedsrichter Lionel Tschudi die Partie zum zweiten Mal unterbrechen, weil erneut bengalische Fackeln aus dem Block der Grashoppers-Anhänger auf den Platz geflogen waren.

Tschudi bat beide Teams in die Kabine und besprach mit ihnen das weitere Vorgehen. Als sich die Mannschaften acht Minuten später zum Weiterspielen auf dem Feld versammelten, landete eine brennende Fackel sogar nahe der Mittellinie.

Also unterbrach Tschudi die Begegnung zum dritten Mal. Die Spieler und das Trainerteam des GCZ gingen geschlossen zu ihren wütenden Fans und versuchten, die Situation irgendwie zu beruhigen.

Das gelang allerdings überhaupt nicht. Denn nun flog sogar ein Bengalo der Randalierer in Richtung der eigenen Mannschaft! Die zog sich daraufhin in den Spielertunnel zurück, bis Tschudi die Begegnung kurz darauf abbrechen musste. Wie die Partie gewertet wird, ist noch nicht entschieden, ein Sieg am grünen Tisch für Sion aber sehr wahrscheinlich.

Für die Grashoppers ist dieses Spiel in Verbindung mit den schlimmen Vorkommnissen der negative Höhepunkt einer bislang völlig verkorksten Saison, in der nichts funktionieren will. Denn der Traditionsverein ist in der Raffeisen Super League abgeschlagener Tabellenletzter mit gerade mal 18 Punkten aus 24 Spielen bei einem Torverhältnis von 24:47.

Eskalation deutete sich in den letzten Wochen an

Aus dem Fanblock des Grashopper Club Zürich flogen viele brennende Fackeln auf das Spielfeld.
Aus dem Fanblock des Grashopper Club Zürich flogen viele brennende Fackeln auf das Spielfeld.  © Screenshot/YouTube/Marco Lucchi

Es ist nichts anderes, als die schlechteste Saison in der Vereinsgeschichte des 27-fachen Schweizer Meisters. Dazu kommen interne Querelen.

So wurde laut der "Neuen Züricher Zeitung" eine geplante Aussprache zwischen Fans und Vereinsführung am Mittwoch von letzterer abgesagt.

Dabei hätten die Bosse um Präsident Stephan Anliker und CEO Manuel Huber den Ernst der Lage durchaus früher erkennen können.

Denn bereits vor zwei Wochen, im Heimspiel gegen den FC Luzern (1:3) hatten Fans Teile der Haupttribüne eingenommen und ein Plakat mit der Aufschrift "Wenn ihr nicht zu uns kommt, kommen wir zu euch", hochgehalten.

Nach dieser Niederlage wurde übrigens der deutsche Trainer Thorsten Fink entlassen und durch den früheren Auer Coach Tomislav Stipic ersetzt.

Im folgenden Heimspiel vergangene Woche gegen Tabellenführer Young Boys Bern (0:1) hing in der Fankurve eine Sympathiebekundung für einen deutschen Neonazi, was von niemandem verhindert wurde.

Vor dem Abstiegsgipfel bei Sion musste sogar eine Polizeieskorte den Mannschaftsbus begleiten, aus Angst, die eigenen Fans könnten den Spielern um den Ex-Frankfurt-Keeper Heinz Lindner, den früheren Augsburger Caiuby, den ehemaligen Stuttgarter Rapahel Holzhauser, den Ex-Freiburger Yoric Ravet und den einstigen Herthaner Marco Djuricin, angreifen.

Dazu kam es zum Glück nicht, doch auch so ist der Skandal für den gebeutelten Club eine Katastrophe, der am Sonntag in einer offiziellen Mitteilung ankündigte, die entsprechenden Maßnahmen gegen die Randalierer ergreifen zu wollen.

Titelfoto: Screenshot/YouTube/Marco Lucchi

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