Werden Gratis-Bolzenschneider an der Grenze verteilt?

Hilfsorganisationen sollen an der griechisch-mazedonischen Grenze Bolzenschneider verteilen.
Hilfsorganisationen sollen an der griechisch-mazedonischen Grenze Bolzenschneider verteilen.

Wien/Mazedonien/Griechenland - Werden an der mazedonischen Grenze wirklich gratis Bolzenschneider an Flüchtlinge verteilt? Über diese "Serviceleistung" wird derzeit berichtet.

In einem vertraulichen Regierungsdossier werden angebliche Gratis-Bolzenschneider diverser Hilfsorganisationen erwähnt. Flüchtlingshelfer würden Bolzenschneider an Asylwerber verteilen, damit diese Grenzzäune zerstören. Montagnacht gab es angeblich 104 Aufgriffe von Flüchtenden, wie krone.at schreibt.

Bei manchen Vernehmungen durch die Polizei sagten Flüchtlinge aus, “Aktivistengruppen oder Hilfsorganisationen“ hätten Bolzenschneider an sie verteilt. Mit diesem Werkzeug hätten sie Schlupflöcher in den neuen Grenzzaun geschnitten.

Die gestellten Asylwerber wurden wieder nach Griechenland zurückgebracht. Wer hinter steckt hinter der Bolzenschneider-Aktion? Laut dem polizeilichen Lagebericht wird vermutet: "Auf griechischer Seite sind im Grenzraum seit Längerem griechische Anarchisten tätig, die aktiv Migranten anraten, den Zaun mit Bolzenschneidern aufzuschneiden."

Deutschland soll direkt Flüchtlinge übernehmen

Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (55).
Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (55).

Die Aktivisten sollen zudem Verbindungen zu den Initiatoren der #SafePassage-Kampagne in diversen sozialen Netzwerken haben, heißt es bei krone weiter.

Da sich die Lage an der Grenze immer weiter zuspitzt, hat Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (55) Deutschland zur direkten Übernahme von Flüchtlingen aus Griechenland oder Nachbarstaaten Syriens aufgefordert. „Es sollte eine Tagesquote festlegen - und nach dieser Flüchtlinge direkt von Griechenland, der Türkei oder Jordanien nach Deutschland bringen», sagte der Sozialdemokrat der österreichischen Zeitung „Kurier“.

Er schlug dafür Durchreise-Zertifikate vor. „So ist die Verteilung auch vorgesehen. Österreich kann und darf nicht zur Verteilstelle werden. Damit muss Schluss sein", sagte Faymann. Es sei nicht länger tragbar, „dass täglich mehrere Tausend Menschen durchgewunken werden, andererseits lässt uns Deutschland wissen, dass es heute nur 1000 oder 2000 oder einen ins Land lässt“.

Merkels Ursache und Wirkung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (61, CDU) kritisierte das „einseitige Vorgehen“ Österreichs in der Flüchtlingskrise.

„Wer die nationalen Grenzen schließt, bewirkt damit nichts gegen die Ursachen der Flüchtlingsbewegung. Er riskiert obendrein auf Dauer einen Schaden für unsere Wirtschaft“, sagte sie am Mittwoch. "Wir müssen dauerhafte, auch morgen noch vertretbare Lösungen finden - und vor allem Lösungen, die nicht einseitig etwas festlegen, was andere Länder dann ertragen müssen."

Angesichts der Not Tausender in Griechenland gestrandeter Flüchtlinge verlangt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ein rasches gemeinsames Handeln der EU-Länder.

"Ich weiß nicht, worauf die EU-Staaten warten - wie weit soll die Situation noch eskalieren?", sagte die Generalsekretärin von Amnesty Deutschland, Selmin Caliskan, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Grünen-Chefin Simone Peter kritisierte die europäische Flüchtlingspolitik scharf. Die Vorgänge in Idomeni in Griechenland und Calais in Frankreich "zeugen von der zunehmenden Verrohung der europäischen Flüchtlingspolitik", sagte sie.

Fotos: dpa, imago


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