Mitbewohner ließ Bettnachbarn bei lebendigem Leib verbrennen

In diesem Pflegeheim an der Waldstraße soll der Angeklagte seinen Mitbewohner angezündet haben.
In diesem Pflegeheim an der Waldstraße soll der Angeklagte seinen Mitbewohner angezündet haben.

Von Alexander Bischoff

Leipzig - Er übergoss ihn mit Mundwasser, zündete sein Bettzeug an und ließ ihn bei lebendigem Leib verbrennen. In einem Leipziger Pflegeheim hat ein Bewohner seinen Bettnachbarn auf grausame Weise getötet.

Seit Mittwoch wird Silvio T. (43) der Prozess gemacht.

Das Pflegeheim an der Leipziger Waldstraße - hier wohnen schwer kranke Menschen, die keine Angehörigen haben, die sie pflegen können.

Auch Silvio T. wurde hier eingewiesen. Nach einer komplizierten Verletzung saß der schwer alkoholkranke Eilenburger im Rollstuhl.

Silvio T. (43) hat bisher keinerlei Auskunft zur Tat gegeben.
Silvio T. (43) hat bisher keinerlei Auskunft zur Tat gegeben.

Der gelernte Maler teilte sich ein Zimmer mit Dieter W. (68), einem zu 100 Prozent pflegebedürftigem Rentner, der sein Bett nicht mehr verlassen konnte.

Was zu der Wahnsinnstat am 25. November vergangenen Jahres führte, ist auch der Staatsanwaltschaft bis heute ein Rätsel geblieben.

Laut Anklage übergoss Silvio T. seinen Zimmernachbarn am Nachmittag mit einem stark alkoholhaltigen Mundwasser. Anschließend soll der Raucher sein Feuerzeug genommen und den völlig hilf- und wehrlosen Dieter W. samt Bettzeug angezündet haben.

Ein Motiv dafür konnte Staatsanwalt Torsten Naumann am Mittwoch nicht nennen. Der Anklagevertreter erkannte in dem Handeln jedoch eine „gefühllose, unbarmherzigen Gesinnung“.

Bisher gab es keine Erkenntnis zum Motiv des Täters. Man erkenne allerdings eine „gefühllose, unbarmherzigen Gesinnung“ - so die Anklage.
Bisher gab es keine Erkenntnis zum Motiv des Täters. Man erkenne allerdings eine „gefühllose, unbarmherzigen Gesinnung“ - so die Anklage.

Er hat Silvio T. wegen heimtückischen und grausamen Mordes angeklagt.

Bei dem Feuer verbrannte rund 40 Prozent der Hautoberfläche des Opfers. Zwar konnte ärztliche Kunst Dieter W. zunächst am Leben halten.

Doch fünf Tage nach dem Anschlag erlag er seinen schweren Verletzungen.

Im Ermittlungsverfahren hatte der geistig stark eingeschränkte Silvio T. keinerlei Angaben zur Tat gemacht. Auch zum Prozessauftakt schwieg er.

Ein Gerichtspsychiater muss nun klären, ob er überhaupt schuldfähig ist.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Fotos: Ralf Seegers


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