Brennender Klima-Protest am Braunkohle-Kraftwerk Niederaußem

Köln / Niederaußem - Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace hat am Dienstagmorgen vor dem Braunkohle-Kraftwerk Niederaußem eine Protestaktion durchgeführt. Mit einem symbolisch brennenden Thermometer wollten die Aktivisten für einen besseren Klimaschutz werben. Hintergrund sind die erwarteten Ergebnisse der Kohlekommission.

Das brennende Thermometer vor dem Kraftwerk Niederaußem.
Das brennende Thermometer vor dem Kraftwerk Niederaußem.  © Greenpeace

Auf einer Wiese hatten rund 60 Greenpeace-Aktivisten ein rund 50 Meter langes symbolisches Thermometer ins Gras gelegt. Die Temperaturanzeige des Thermometers zeigte 1,5 Grad an.

Damit spielt Greenpeace auf die Verpflichtung beim Pariser Klimaschutzabkommen an, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Deutschland hatte sich hierzu ebenfalls verpflichtet.

„Die Bundesregierung hat viele Jahre beim Klimaschutz durch Nichtstun verloren. Aufholen kann Deutschland diesen Rückstand nur, wenn der Kohleausstieg jetzt startet und um das Jahr 2030 abgeschlossen ist“, sagt Greenpeace-Klimaexperte Bastian Neuwirth zu der Aktion vor dem Kraftwerk.

Das RWE-Kraftwerk Niederaußem gehört laut Greenpeace mit einem jährlichen CO2-Ausstoß von etwa 25 Millionen Tonnen zu den drei klimaschädlichsten Europas.

RWE will alte Kraftwerke durch moderne Variante ersetzen

Die RWE Power AG will die in Niederaußem bei Bergheim im rheinischen Braunkohlerevier vier von 1965 bis 1971 errichtete Kraftwerksblöcke durch ein modernes und effizienteres Kraftwerk ersetzen.

Wegen der Veränderungen auf dem Energiemarkt meldete das Unternehmen aber selbst Zweifel an, ob das Projekt umgesetzt werde. "Die Realisierungschancen haben wir auch bereits vor der Entscheidung des OVG für sehr gering gehalten", sagte ein RWE-Sprecher im November.

Das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte im November 2018 Pläne für den Bau des geplanten neuen RWE-Braunkohlekraftwerks in Niederaußem bei Bergheim bereits in der Planungsphase gestoppt. Nach einer Entscheidung des OVG ist der Bebauungsplan der Stadt Bergheim unwirksam.

Das Gericht gab damit klagenden Nachbarn und Grundstücksbesitzern Recht. Die Öffentlichkeit sei bei der Planaufstellung für das Kraftwerk nur unzureichend informiert worden, teilte das Gericht zur Urteilsbegründung mit. (Az.: 7 D 29/16.NE).

Hambacher Forst hat Auswirkungen auf Kraftwerks-Betrieb

Auch der Rodungsstopp für den Hambacher Forst hat Auswirkungen für den Betrieb im Kraftwerk.

Die Reduzierung der Förderung von Braunkohle werde sich auch auf die Stromproduktion in den aus Hambach belieferten Kraftwerken auswirken, sagte der RWE-Sprecher Ende 2018.

In den Kraftwerken Neurath und Niederaußem könnte die Stromerzeugung um 9 bis 13 Terawattstunden im Jahr sinken.

Im vergangenen Jahr hat RWE 202 Terawattstunden Strom produziert, davon gut 74 aus Braunkohle.

Die finanziellen Auswirkungen des Rodungsstopps hatte RWE auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr beziffert.

Greenpeace setzt sich für einen besseren Klimaschutz ein und fordert einen raschen Ausstieg aus dem Braunkohleabbau.
Greenpeace setzt sich für einen besseren Klimaschutz ein und fordert einen raschen Ausstieg aus dem Braunkohleabbau.  © Greenpeace
Die Greenpeace-Aktion aus der Luft.
Die Greenpeace-Aktion aus der Luft.  © Greenpeace
Das Kraftwerk Niederaußem gehört laut Greenpeace zu den schmutzigsten in Europa.
Das Kraftwerk Niederaußem gehört laut Greenpeace zu den schmutzigsten in Europa.  © DPA

Titelfoto: Greenpeace

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