So plant Greenpeace den Ausstieg aus der Lausitzer Kohle

Vattenfall treibt seinen Ausstieg aus der Braunkohle voran, will daher die deutsche Vattenfall-Tochter verkaufen.
Vattenfall treibt seinen Ausstieg aus der Braunkohle voran, will daher die deutsche Vattenfall-Tochter verkaufen.

Von Torsten Hilscher

Berlin/Weißwasser - Jetzt ist es offiziell: Die Umweltorganisation Greenpeace will mit einer Stiftung den Ausstieg aus der Braunkohle in der Lausitz organisieren. Angepeiltes Schlussdatum ist das Jahr 2030.

Dafür soll die Braunkohlesparte des bisherigen Betreibers Vattenfall in eine gemeinnützige Stiftung überführt werden, der Konzern selbst zu einem Erneuerbare-Energien-Unternehmen ausgebaut werden, teilte die Umweltorganisation am Dienstag in Berlin mit.

Anlass der Ankündigung ist der letzte Bietertag für die Lausitzer Braunkohlesparte des schwedischen Vattenfall-Ablegers Vattenfall Deutschland. Greenpeace ist unter den Bietern.

Greenpeace Nordic als verantwortliche Unterorganisation wollte bis zum Mittag offiziell eine Interessensbekundung bei der US-Bank Citigroup einreichen, um als Bieter akzeptiert zu werden.

Zum Verkauf stehen jeweils zwei Kraftwerke in Brandenburg und in Sachsen
Zum Verkauf stehen jeweils zwei Kraftwerke in Brandenburg und in Sachsen

Konkurrenten um die Übernahme sind der tschechische Energieanbieter CEZ und die ebenfalls tschechische EPH-Gruppe. Ob es neben den drei Bewerbern weitere Interessenten gibt, ist noch offen.

Ebenso unklar ist, wann Vattenfall eine Entscheidung trifft. Allerdings soll der Deal an sich bereits 2016 erledigt sein. Im sächsischen Abschnitt der Lausitzer Braunkohleförderung sind rund 2000 Menschen beschäftigt.

Möglicher Haken für Greenpeace: Die Öko-Streiter gehen davon aus, dass die Braunkohle samt Kraftwerksanlagen einen „negativen Wert“ haben, also der Verkäufer dem Bieter theoretisch noch Geld geben muss.

Zwar liege der Wert der Braunkohlesparte (gerechnet bis 2030) bei etwa fünf Milliarden Euro, so eine Greenpeace Energie-Expertin Susanne Neubronner zu MOPO24.

Als einer von drei Interessenten bringt sich Greenpeace als Käufer von Vattenfall ins Spiel.
Als einer von drei Interessenten bringt sich Greenpeace als Käufer von Vattenfall ins Spiel.

„Der ,wahre Wert‘ liegt nach Greenpeace-Berechnungen aber noch deutlich darunter. Hohe Folgekosten des Kohleabbaus zum Beispiel für die Renaturierung der Tagebaue, den Rückbau der Kraftwerke und Abgeltungen fürs Personal drücken den Preis unseres Erachtens auf einen negativen Betrag von etwa zwei Milliarden Euro.“

Zusätzlich führt die Expertin soziale Kosten und Umweltkosten auf, die sogar finanzielle Verpflichtungen in Höhe eines zweistelligen Milliardenbetrags ergäben. Es bestehe die Gefahr, dass „der deutsche Staat und seine Steuerzahler“, dafür aufkommen muss.

Da diese Minus-Rechnung ein Hinderungsgrund für den Zuschlag an Greenpeace sein könnte, sieht Neubronner den schwedischen Staat, aber auch Deutschland und die Bundesländer Sachsen sowie Brandenburg in der Pflicht. Geht es nach Greenpeace, beteiligt sich der schwedische Staat an der geplanten Stiftung.

Argument von Greenpeace: Kämen die tschechischen Bieter zum Zuge, gingen Kohleabbau und klimaschädliche Verstromung weiter. Die Bundesländer wiederum aber auch der deutsche Staat könnten bei einer Unterstützung des Bieters Greenpeace viel Geld für die Beseitigung besagter Folgeschäden in der Lausitz sparen.

Hintergrund des Bieterverfahrens: Das schwedische Parlament hat vom Staatskonzern Vattenfall den Ausstieg aus der Braunkohle verlangt. Daher verkauft die deutsche Vattenfall-Tochter.

Ihr Angebot umfasst die Braunkohlekraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe (in Brandenburg) sowie das Kraftwerk Boxberg und Block R des Kraftwerks Lippendorf (in Sachsen).

Fotos: dpa/Patrick Pleul, dpa/Arno Burgi


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