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Herr Gysi, fällt es Ihnen schwer, sich nicht einzumischen?

Dresden - Vor gut einem halben Jahr hat er sich vom Fraktionsvorsitz der Linken zurückgezogen: Mehr Zeit hat Gregor Gysi (68) deshalb nicht unbedingt zur Verfügung. Was er heute macht, erzählt er im MOPO24-Interview.
Gregor Gysi war im Bundestag bekannt für seine starken Reden.
Gregor Gysi war im Bundestag bekannt für seine starken Reden.

Von Thomas Schmitt

Dresden - Vor gut einem halben Jahr hat er sich vom Fraktionsvorsitz der Linken zurückgezogen: Mehr Zeit hat Gregor Gysi (68) deshalb nicht unbedingt zur Verfügung.

Ein bisschen davon hat er sich dennoch für MOPO24 genommen. Kurz vorm Aufbruch zu einer kleinen Wanderung in der Sächsischen Schweiz hat er mit Politikredakteur Thomas Schmitt gesprochen - über seinen Rückzug als Oppositionsführer, das Alter und Freundschaften.

MOPO24: Würden Sie denn jetzt in der aktuellen Phase gern noch einmal als Fraktions-Chef eingreifen wollen?

Gregor Gysi: Nein, nein, nein. Ich bin 68 Jahre alt und ich werde natürlich gelegentlich meine Meinung zu Dingen sagen. Ich werde versuchen, auch politisch wahrnehmbar zu bleiben. Aber ich will nicht zurück ins Amt und ich will auch nicht so ein Ersatzfraktionsvorsitzender werden. Das ist gar nicht mein Ziel. Wenn man die Verantwortung überträgt, muss man sie auch übertragen.

DIE LINKE Bundesvorsitzende Katja Kipping verabschiedete am 7. Juni 2015 Gregor Gysi.
DIE LINKE Bundesvorsitzende Katja Kipping verabschiedete am 7. Juni 2015 Gregor Gysi.

MOPO24: Fiel es denn schwer, sich zurückzuziehen?

Gysi: Also nachdem ich den Entschluss gefasst hatte, habe ich festgestellt, Monat für Monat habe ich mich mehr darauf gefreut, dass er irgendwann Realität wird. Es hat mich in den letzten zwei Monaten immer stärker genervt, dass ich noch Fraktionsvorsitzender war.

MOPO24: Mit welchen Folgen?

Gysi: Eine Konsequenz ist, dass ich Verantwortung losgeworden bin. Das genieße ich in gewisser Weise. Als zweite Konsequenz hoffte ich, dass ich mehr Zeit hätte. Das ist aber ein schwerer Irrtum. Weil alle denken, dass ich mehr Zeit habe, kriege ich doppelt so viele Einladungen.

Und da ich ein schlechter Neinsager bin, habe ich bis Juli nicht ein einziges freies Wochenende. Auch ganz interessant ist: Ich werde viel breiter eingeladen - etwa auch von Unternehmern. Das heißt, ich habe eine andere Art von Akzeptanz erreicht. Und die mich einladen, wissen ja: Ich sage Ihnen meine Meinung und das muss gar nicht identisch sein mit irgendeinem Beschluss meiner Fraktion oder ihrer Meinung. Ich bin eben unabhängiger geworden. Auch das genieße ich.

MOPO24: Waren Sie früher mehr das Feindbild bei Unternehmern und Reichen?

Gysi: Ja, so war das. Und jetzt ist es eben so, dass Leute nach Vorträgen zu mir kommen und sagen: „Sie haben mich nachdenklich gemacht. Ich muss wirklich neu über bestimmte Fragen nachdenken.“ Das ist schon ein ziemliches Erfolgserlebnis.

Es gibt Leute, die können immer nur mit bestimmten Leuten reden und nicht mit anderen. Meine Stärke ist, ich kann von Obdachlosen bis Milliardären mit allen sprechen - natürlich unterschiedlich, das ist ja auch klar. Wahrscheinlich habe ich das als Anwalt gelernt, weil die Mandantenstruktur auch höchst unterschiedlich war.

Gysi im Gespräch mit MOPO-Politik-Redakteur Thomas Schmitt.
Gysi im Gespräch mit MOPO-Politik-Redakteur Thomas Schmitt.

MOPO24: Wie fühlt sich der Verlust von Macht und Einfluss an, den Sie als Fraktions-Chef noch hatten?

Gysi: Also erstens, wenn ich etwas sage in der Fraktion, wird es ziemlich ernst genommen, weil ich es ja selten tue. Zweitens: Auch wenn ich mich woanders äußere, wird es jetzt anders wahrgenommen. Ich weiß gar nicht, ob das so ein Verlust ist.

Ich habe mir, wenn Sie so wollen, eine andere Stellung erarbeitet, von der aus ich auch versuchen kann, Einfluss zu nehmen. Das einzige, was mir fehlt: Ich würde doch gelegentlich wieder gerne mal der Frau Merkel direkt antworten im Bundestag. Aber das geht so leider nicht mehr.

MOPO24: Wie schwer ist es denn überhaupt, loszulassen und sich ein bisschen aus dem politischen Geschäft zurückzuziehen?

Gysi: Als ich das 2000 zum ersten Mal gemacht habe, da war das richtig schwer. Diesmal ist es nicht so schwer, weil ich mich darauf eingestellt hatte, dass ich ein anderes Leben führen werde. Ich mache meine Meetingveranstaltungen im Deutschen Theater („Gysi trifft...“ - d. Red.).

Ich bleibe Anwalt und schreibe an meiner Autobiografie. Ich habe ein Buch mit Friedrich Schorlemmer gemacht. Das macht alles Spaß. Insofern habe ich so viele andere Aufgaben gefunden, die ich damals noch gar nicht gehabt hätte. Das ist der Unterschied.

Und ich habe ja beschlossen - im Unterschied zu anderen - mich auch am Alter zu erfreuen. Viele genießen ja nicht das Alter, sondern sprechen nur noch darüber, was ihnen fehlt oder was ihnen wehtut. Ich will das so nicht. Ich will ganz anders herangehen: Ich will das Alter genießen.

Gregor Gysi fühlt sich nach seinem Rückzug als Fraktions-Chef unabhängiger: „Das genieße ich.“
Gregor Gysi fühlt sich nach seinem Rückzug als Fraktions-Chef unabhängiger: „Das genieße ich.“

MOPO24: Sie hatten 2004 selbst gesundheitliche Probleme: Wie sehr ist das politische Geschäft denn auch Raubbau am eigenen Körper?

Gysi: Es ist meistens so, dass Politiker kaum krank sind, solange sie im Amt sind, und danach brechen sie zusammen. Das staut sich irgendwie im Körper an und dann bricht es sich durch. Das hatte ich schon: Ein ganzes Jahr mit drei Infarkten und einer Gehirnoperation.

Nach meinem jetzigen Ausscheiden ist das überhaupt nicht passiert. Ich bin gesundheitlich völlig stabil. Das freut mich auch. Und ich bin auch nicht der Typ, der immerzu darüber nachdenkt. Das macht einen ja fertig. Das hatte ich, das ist vorbei.

Ich habe meine Stents und meine Medikamente und damit ist gut. Früher wäre ich gerne mal meine Krankenversicherung gewesen: Die hat sich an mir dumm und dämlich verdient. Aber heute wäre ich es nicht mehr gerne. Die bezahlen sich arm an mir. So ändert sich das Leben.

MOPO24: Wie ist es mit dem Tod. Gibt es da etwas, an das man dann glauben kann?

Gysi: Ich lasse den Glauben nicht zu. Ich könnte es sonst nicht richtig verarbeiten. Ich habe schon als Kind in meiner Schulklasse zweimal erlebt, wie ein Mitschüler starb. Das hat mich etwas geprägt. Dadurch war mir die Endlichkeit so klar, weil es Kinder waren.

MOPO24: Kürzlich ist der von Ihnen geschätzte Ex-Außenminister Guido Westerwelle verstorben. Wie haben Sie empfunden?

Gysi: Das tat weh. Ich glaube, ich kannte Guido Westerwelle ein bisschen besser, als wenn man ihn nur aus dem Fernsehen kannte. Wenn man sein Wesen besser kannte, dann hat man ihn besser verstanden. Und dann haben wir uns auch ganz gut verstanden, weil er tolerant zu mir war, weil er mich auch ernst genommen hat.

Außerdem mochten wir beide den Reitsport. Das kam noch dazu. Allerdings war er ein Fan von Dressurreiten, ich ja eher von Springreiten. Ich finde Dressurreiten eher etwas langweilig. Aber er hat mir mal erklärt, dass es sehr spannend sei. Wir haben ein gewisses Vertrauensverhältnis hergestellt - auch wenn es nicht so weit ging, dass es eine Freundschaft war oder wir uns geduzt hätten.

Gregor Gysi bei der Beerdigung von Guido Westerwelle.
Gregor Gysi bei der Beerdigung von Guido Westerwelle.

MOPO24: Ist denn Freundschaft in der Politik überhaupt möglich?

Gysi: Die ist möglich. Freunde habe ich nur in den eigenen Reihen - aber in den anderen Reihen Leute, mit denen ich mich gut verstehe. Und komischerweise ist es bei der FDP zum Teil leichter als bei anderen Parteien. Wahrscheinlich weil sie so eine andere Toleranz ausstrahlen - natürlich nicht alle.

MOPO24: Unter diesen Vorzeichen: Was ist denn da der Begriff Parteifreund wert?

Gysi: Na, der ist gar nichts wert. Den benutzt du ja nur, wenn du dich gerade ärgerst. Aber es gibt etwas anderes. Ich bin insofern privilegiert. In den meisten Parteien gibt’s im engeren Umkreis keine Freundschaften, weil es Konkurrenzsituationen gibt. Dadurch, dass ich ja der einzige Idiot auf der Erde war, der bereit war, im Dezember 1989 Vorsitzender meiner Partei zu werden - da gab es ja keinen Zweiten, der dazu bereit war - hatte ich nie die Konkurrenzsituation.

Also es gab immer die Frage, wer darf an meine Seite oder wer wird mein Stellvertreter. Aber nie hat einer ernsthaft gesagt, ich will den ersetzen. Und dadurch konnte ich mir Freunde leisten, was bei den Grünen und der SPD so gar nicht möglich sein soll. Und deshalb war und bin ich mit Lothar Bisky, Dietmar Bartsch und anderen befreundet.

MOPO24: Bei Ihrem Rückzug als Fraktionsvorsitzender haben Sie beklagt, zu wenig Zeit für Familie und private Freunde gehabt zu haben. Hat sich das geändert?

Gysi: Nein. Das Tragische ist: Ich habe noch nicht mehr Zeit, allerdings eine höhere Konzentration. Wenn meine Tochter oder mein Sohn ein Problem haben, höre ich anders zu als früher. Weil ich Verantwortung abgegeben habe, ist meine Gedankenwelt offener geworden. Aber noch nicht bei der Zeit, das muss ich noch erreichen.

Fotos: Holm Röhner (2), imago (2), dpa

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