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Grenzkontrollen: Polizei an sächsischer Grenze im Einsatz

Berlin - Deutschland hat seine Ankündigung, wegen des unkontrollierten Flüchtlingszustroms wieder Grenzkontrollen einzuführen, umgehend umgesetzt. So richtete die Polizei im Grenzgebiet zu Österreich am Sonntagabend Kontrollpunkte ein.

Dresden - Nach der Wiederaufnahme der Kontrollen an den bayerischen Außengrenzen müssen künftig auch die Sachsen ihre Pässe bereithalten. Angesichts des Flüchtlingszuzugs der letzen Woche kündigte Innenminister Markus Ulbig (CDU) die Errichtung einer stationären Kontrollstelle auf der A17 an der Grenze zu Tschechien an. MOPO24 berichtete fortlaufend über die Entwicklung der Flüchtlingskrise.

18:28 Uhr: Kurz bevor in Ungarn die verschärfte Gesetzgebung für Flüchtlinge in Kraft tritt, ist die Zahl der aus Serbien ankommenden Menschen kräftig gestiegen. Allein bis Montagmittag kamen 5353 weitere Flüchtlinge aus Serbien nach Ungarn, wie die Polizei in Budapest mitteilte. Es waren fast so viele wie am gesamten Vortag, als 5809 Menschen kamen. Damit zeichnete sich für Montag eine Höchstzahl von Flüchtlingen ab.

Unterdessen hat Ungarns Polizei bei Röszke den letzten freien Durchgang an der serbischen Grenze verschlossen. Eine Stelle, an der Eisenbahnschienen aus Serbien nach Ungarn führen, war bisher frei passierbar und wurde von Zehntausenden Flüchtlingen genutzt. Unter starkem Polizeischutz begannen Armeeangehörige diese etwa 15 Meter breite Lücke mit Stahldrähten zu verschließen.

18:16 Uhr: Am Grenzübergang Reitzenhain wird jedes Fahrzeug durch Beamte der Bundespolizei kontrolliert. Ladeflächen von LKW werden ebenfalls durchsucht. Durch die Kontrollen bildete sich ein riesiger Rückstau auf tschechischem Gebiet bis Chomutov.

16:36 Uhr: Ungarn bringt Migranten offenbar systematisch außer Landes. Die ungarische Polizei erleichtert Medienberichten zufolge Flüchtlingen den Grenzübertritt nach Österreich. Im ungarischen Szentgotthard an der österreichischen Grenze seien in der Nacht 35 Busse mit Flüchtlingen in Polizeibegleitung direkt von der serbischen Grenze eingetroffen, berichtete das Nachrichtenportal 444.hu.

Von dort sind offenbar alle Flüchtlinge ungehindert zu Fuß nach Heiligenkreuz in Österreich gelaufen. Ein neues Flüchtlingszeltlager in Szentgotthard mit 600 Plätzen sei ungenutzt geblieben.

14:30 Uhr: Viele Autofahrer meiden die Autobahn, um kurz für Einkäufe über die Grenze zu fahren. Das spüren auch die Märkte an der tschechischen Grenze. Dort ist am Montag kaum Betrieb. Die Polizei steht seit Montagmorgen am Grenzübergang Bahretal am Autobahntunnel.

Dort sichten die Bundesbeamten die Autokennzeichen, winken immer wieder Verkehrsteilnehmer an den Fahrbahnrand oder auf Parkplätze.
In den vergangenen zehn Tagen konnte die Bundespolizei 13 Schleuser festnehmen, 67 Menschen ohne gültige Papiere wurden festgestellt.

Auf den Tschechenmärkten an der Grenze herrscht am Montag gähnende Leere.
Auf den Tschechenmärkten an der Grenze herrscht am Montag gähnende Leere.
Bundesbeamte sichten den Verkehr am Grenzübergang Bahretal.
Bundesbeamte sichten den Verkehr am Grenzübergang Bahretal.

14:29 Uhr: Die FDP Sachsen kritisiert das Vorgehen der Bundesregierung scharf. "Es ist auch völlig absurd, dass die Bundesregierung erst andere Länder wegen der rechtlich gebotenen Sicherung ihrer Außengrenzen beschimpft, dann aber selbst durch Alleingänge europäisches Recht bricht", erklärte FDP-Chef Holger Zastrow. Darüber hinaus fordert die Partei, mehr Bundespolizisten zur Sicherung der deutsch-tschechischen Grenze einzusetzen. "Angesichts der neuen Kontrollen in Bayern muss verhindert werden, dass sich Schleuserrouten jetzt an die deutsch-tschechische Grenze verlagern", so Zastrow.

13:41 Uhr: Die Polizei steht in einer Parkbucht an der Deutsch-tschechischen Grenze und beobachtet den Verkehr.

13:29 Uhr: Zahl festgestellter illegaler Migranten in Klingenthal erneut gestiegen

Seit dem Montag letzter Woche ist die Zahl festgestellter Personen, die im Wege illegaler Migration nach Deutschland gelangten, auch im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizeiinspektion Klingenthal stark gestiegen.

Innerhalb dieses Siebentagezeitraumes wurden insgesamt 136 Personen aufgegriffen, darunter 17 Kinder. Allein am vergangenen Wochenende waren es 59 Personen. Auch diese kamen wieder aus den verschiedenen Krisengebieten der Welt, hauptsächlich aus Syrien. Darüber hinaus handelte es sich um Menschen aus Afghanistan, dem Irak sowie Pakistan.

Im Zuge weiterer Ermittlungen wurden zudem drei Verfahren wegen Einschleusen von Ausländern eingeleitet. Örtlicher Schwerpunkt der Feststellungen waren dabei weiterhin die Regionalexpresszüge auf der Sachsen-Franken-Magistrale zwischen Plauen und Zwickau. Da alle Personen im Rahmen der polizeilichen Sachbearbeitung entsprechende Schutzersuchen äußerten, wurden sie nach Abschluss aller notwendigen Erstmaßnahmen an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach Chemnitz weitergeleitet.

13.22 Uhr: Am Grenzübergang Breitenau ist ist eine Gruppe von sechs Erwachsenen und zwei Kindern aus einem Flixbus geholt worden.

13:19 Uhr: Jiri Masek (39), Lkw-Fahrer aus Tschechien, würde längere Wartezeiten am Grenzübergang Breitenau in Kauf nehmen, hält die Kontrollen für dringend nötig.

13:05 Uhr: Entlang A17 wird stationäre Grenzkontrolle eingerichtet

Wie Markus Ulbig sagte, wird entlang der A17 am Montagnachmittag eine stationäre Grenzkontrolle eingerichtet. Ob und wann auch die Aktivierung erfolgt, will die Bundespolizei mitteilen.

Unterdessen kündigte Ulbig die Erweiterung der sächsischen Erstaufnahme-Kapazität von zur Zeit 9500 auf 10.500 an. Aus München habe Sachsen bislang 1000 Asylsuchende aufgenommen. Insgesamt muss Sachsen allein aus diesem Zustrom 2300 Menschen aufnehmen.

Seit dem 5.9. waren 56.000 Flüchtlinge in Bayern angekommen, die nun im Bundesgebiet verteilt werden müssen.

12:43 Uhr: Neue Erstaufnahme-Einrichtung in Dresden

Wie Sachsens Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) auf einer Pressekonferenz bekannt gab, wird am Montagnachmittag im ehemaligen Technischen Rathaus in Dresden eine Erstaufnahme eingerichtet. Zunächst sollen dort 200 Asylsuchende untergebracht werden. die Kapazität soll aber für eine vierstellige Asylbewerberzahl ausgebaut werden.

Ulbig sagte, es bestehe keine Gesundheitsgefährdung, die von dem Gebäude ausgehe. 2009 zeigte Architektin Regine Töberich Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (51, CDU) an, weil das Technische Rathaus angeblich vergiftet war.

Am Technischen Rathaus entsteht eine neue Erstaufnahmeeinrichtung.
Am Technischen Rathaus entsteht eine neue Erstaufnahmeeinrichtung.

11:50 Uhr: Sachsens Polizei führt Kontrollen durch

Die Bundespolizei kontrolliert seit Sonntag um 18 Uhr Stichprobenartig am Grenzübergang Breitenau, zieht nach Sichtung immer wieder einzelen Fahrzeuge aus dem Verkehr. Dazu wurden die Fahrspuren am Montag verengt, damit die Bundesbeamten gezielter die Autos in Betracht nehmen können. Auch die Züge zwischen Prag und Dresden werden Montag kontrolliert.

Entlang der gesamten sächsischen Grenzen sind Streifenpolizisten vermehrt auf Kontrollfahrten unterwegs. Insgesamt sind 2000 Bundespolizisten an den Grenzen im Einsatz.

"Wir können nun die Kontrollen an den Grenzen zu Tschechien verstärken und vermehrt Durchfahrtskontrollen durchführen", sagte Bundespolizeisprecher Christian Meinhold in Pirna am Montag. Die Bundespolizei beobachtet die Entwicklung an den sächsischen Grenzen.

Alleine im August gab es 250 Festnahmen von Schleusern durch die Bundespolizei. Seit der Einführung der Grenzkontrollen am Sonntag gingen der Bundespolizei in Sachsen noch keine Schleuser ins Netz.

Am Grenzübergang A17 Heideholz führt die Polizei am Montag stichprobenartig Kontrollen durch.
Am Grenzübergang A17 Heideholz führt die Polizei am Montag stichprobenartig Kontrollen durch.
Am Grenzübergang A17 bei Heideholz wird am Montag ein Transporter von zwei Bulgaren kontrolliert.
Am Grenzübergang A17 bei Heideholz wird am Montag ein Transporter von zwei Bulgaren kontrolliert.

11:30 Uhr: Österreich setzt Militär wegen Flüchtlingsandrangs ein

Österreich will zur Bewältigung des Flüchtlingsandrangs aus Ungarn das Militär einsetzen. 2200 Mann sollten vor allem humanitäre Hilfe im Inneren leisten, sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am Montag in Wien. Die Soldaten sollten jedoch auch an der Grenze eingesetzt werden und die Polizei bei Kontrollen unterstützen.

Das Asylrecht müsse jedoch weiter gewährleistet sein, sagte Faymann. Deutschland lasse weiterhin Flüchtlinge ins Land, Österreich werde seine Grenzen auch nicht schließen. Berlin hatte am Sonntag bekanntgegeben, die Grenze zu Österreich vorübergehend zu kontrollieren. "Uns ist kein einziger Fall bekannt, wo Deutschland bislang jemanden zurückgeschickt hat", sagte Faymann.

Die Polizei in Österreich hatte bereits vor gut zwei Wochen nach dem Fund von 71 toten Flüchtlingen in einem Lastwagen im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet verstärkte Kontrollen vor allem gegen mutmaßliche Schlepper eingeführt.

11:09 Uhr: Ulbig empfiehlt Ausweispapiere ständig mitzuführen

Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) bereitet auch die Sachsen auf eine Wiedereinführung von Kontrollen an den Außengrenzen des Freistaats vor. "Deshalb empfehle ich, einerseits Ausweispapiere immer mitzuführen und andererseits auch Verständnis für diese Maßnahmen zu haben", sagte er am Montag dem Sender MDR Info. Die Vorbereitungen dafür liefen. "Die Vorgaben sind, dass der illegale Grenzübertritt vermieden werden soll. Das bedeutet, dass Kontrollen durchgeführt werden können."

Ulbigs Angaben zufolge gibt es keine Erkenntnisse, dass Flüchtlinge jetzt verstärkt über Tschechien nach Sachsen kommen.

Die deutsche Polizei greift am Sonntag am Grenzübergang Freilassing syrische Jugendliche auf, die von einem Schlepper über die Grenze gebracht werden sollten.
Die deutsche Polizei greift am Sonntag am Grenzübergang Freilassing syrische Jugendliche auf, die von einem Schlepper über die Grenze gebracht werden sollten.

11:00 Uhr: Grenzkontrollen zeigen Wirkung: 120 Festnahmen

Die Grenzkontrollen an der österreichischen Grenze in Bayern zeigen bereits Wirkung. Wie Thomas Schweikl, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung am Montag sagte, seien am Sonntag ca. 7.000 Flüchtlinge nach München gekommen. Seit Begin der Grenzkontrollen jedoch keiner mehr. Bis Montag (10 Uhr) sind 30 Schleuser und 90 Flüchtlinge festgenommen worden.

Auf der A3 würden sämtliche Fahrzeuge auf einem Parkplatz etwa zehn Kilometer hinter der Grenze zu Österreich überprüft. Autofahrer müssten sich auf eine Verzögerung von etwa einer Stunde einstellen. Auch mehr als ein Dutzend andere ehemalige Grenzübergänge an Land- und Bundesstraßen im Raum Passau würden kontrolliert.

10:37 Uhr: Pro Asyl fordert Gruppen-Anerkennung als Asylberechtigte für Syrer, Iraker und Eritreer

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat die Einführung temporärer Grenzkontrollen in Bayern scharf kritisiert. "Die Flüchtlinge werden wie Bauern auf dem Schachbrett herumgeschoben. Ihr Leid wird benutzt, um innerhalb der EU Druck auszuüben. Die Fluchtwege werden sich durch diese Kontrollen verlängern", sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Er forderte die Bundesregierung auf, Syrern, Irakern und Eritreern pauschal eine Gruppen-Anerkennung als Asylberechtigte zu erteilen. Auch müsse die Verweildauer in den Erstaufnahmeeinrichtungen abgekürzt werden.

Es sei widersinnig, Asylbewerber, die anderswo bei Verwandten oder Freunden unterkommen könnten, zu zwingen, monatelang in diesen Unterkünften zu bleiben, sagte Burkhardt.

Pro Asyl sprach sich außerdem dafür aus, den Flüchtlingen vom Moment ihrer Anerkennung an Reisefreiheit innerhalb des Schengen-Raumes zu gewähren.

Zahlreiche Flüchtlinge wurden am Sonntag am Hauptbahnhof München (Bayern) von der Bundespolizei zu einem Sonderzug gebracht.
Zahlreiche Flüchtlinge wurden am Sonntag am Hauptbahnhof München (Bayern) von der Bundespolizei zu einem Sonderzug gebracht.

09:30 Uhr: 450 Flüchtlinge aus München in Leipzig angekommen

Am Montagmorgen sind 450 Flüchtlinge mit dem Zug aus aus München angekommen. Wir haben davon erst spät erfahren, da war der Zug schon unterwegs“, berichtete Andreas Kunze-Gubsch, Sprecher im Sächsischen Innenministerium, auf Anfrage von LVZ.de.

Sachsen hatte München bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise Unterstützung zugesichert. "Wir erwarten zwei Busse aus München mit rund 100 Flüchtlingen", sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntagabend auf Anfrage. Die Ankunftszeit war zunächst noch unklar.

Zuvor hatte Innenminister Markus Ulbig (CDU) erklärt, am Wochenende maximal 400 Flüchtlinge über das reguläre Kontingent hinaus aufnehmen zu können. Damit reagierte der Minister auf den Vorwurf aus München, die anderen Bundesländer ließen Bayern bei der Unterbringung der Asylbewerber über die Balkanroute und Ungarn im Stich.

Christian Meinhold, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Pirna, auf dem Rastplatz Heideholz.
Christian Meinhold, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Pirna, auf dem Rastplatz Heideholz.

09:00 Uhr: Bundespolizei in Sachsen beobachtet Ausweichrouten von Schleusern

Nachdem die Grenzkontrollen in der Nacht zu Sonntag im Grenzgebiet zu Österreich umgesetzt wurden, laufen bei der Bundespolizei die Vorbereitungsmaßnahmen an den Grenzen.

"Wir können nun die Kontrollen an den Grenzen zu Tschechien verstärken und vermehrt Durchfahrtskontrollen durchführen", sagte Bundespolizeisprecher Christian Meinhold in Pirna am Montag gegenüber MOPO24. Die Kontrollen würden im Ernstfall durch den Beschluss der Bundesregierung, das Schengen-Abkommen vorübergehend auszusetzen, näher an der Grenze durchgeführt als bisher. Noch beobachtet die Bundespolizei in Sachsen die Entwicklung an der Österreichischen Grenze, könne aber jederzeit reagieren.

"Sollten Schleuser jetzt Ausweichrouten durch Sachsen nutzen, könnten wir durch bauliche Maßnahmen den Verkehr kanalisieren um so einen besseren Überblick zu bekommen", so Meinhold weiter.

Bereits Ende Mai kam diese Maßnahme während des G7-Gipfels in Elmau zum Einsatz. In Sachsen wurden dabei die Autobahnen hinter der Grenze einspurig „getrichtert“, der Verkehr auf Tempo 40 gedrosselt (MOPO24 berichtete). Mehr als 150 Straftaten wurden so aufgedeckt.

Hunderte Menschen mussten die Nacht zu Sonntag in einer Tiefgarage am Salzburger Bahnhof verbringen.
Hunderte Menschen mussten die Nacht zu Sonntag in einer Tiefgarage am Salzburger Bahnhof verbringen.

8:00 Uhr: Endstation Salzburg - Flüchtlinge strandeten kurz vor der Grenze

Nach der vorübergehenden Wiedereinführung Deutschlands von Grenzkontrollen am Sonntagabend, spitzt sich die Lage in Österreich am Montag zu. Aus Ungarn kamen seit Sonntag 00.00 Uhr mehr als 16.000 Menschen im Burgenland an. Die Migranten, darunter viele Familien mit kleinen Kindern, wurden vom Bahnsteig direkt zu einer Tiefgarage unter dem Bahnhof gebracht, wo sie sich ausruhen konnten und etwas zu essen bekamen.

Der vorübergehende Stopp des Zugverkehrs von Österreich nach Deutschland traf am Abend auch viele Urlauber. Sie standen in Trauben an den Anzeigetafeln und schüttelten verständnislos den Kopf.

Am Montagvormittag werden mehrere Tausend Menschen aus Ungarn in Nickelsdorf (Östlich von Nickelsdorf liegt der bedeutende Straßen- und Bahn-Grenzübergang nach Hegyeshalom in Ungarn) erwartet. Die Unterkünfte in Österreich werden knapp. Hunderte Menschen sind in Salzburg gestrandet.

Hintergrund

Die Polizei kontrolliert seit Sonntagabend die Grenze zu Österreich.
Die Polizei kontrolliert seit Sonntagabend die Grenze zu Österreich.

Berlin – Die Grenzkontrollen laufen bereits: Noch in der Nacht zu Sonntag hat die Polizei im Grenzgebiet zu Österreich Kontrollpunkte eingerichtet und Stichprobenartig Fahrzeuge angehalten und überprüft. Sachsen bereitet unterdessen die Einführung von Grenzkontrollen vor.

Die Bundesregierung zieht die Notbremse, die Umsetzung der eingeführten Grenzkontrollen ist bereits angelaufen.

Mehrere Hundert Beamte von Landes- und Bundespolizei aus ganz Deutschland haben Sonntagabend mit der Kontrolle von Reisenden an der bayerisch-österreichischen Grenze begonnen. An den Übergängen, Salzburger Autobahn oder Bad Reichenhall, werden seit Stunden Autos, Busse und Lastwagen angehalten.

Auf der Bundesstraße 20 bei Freilassing wurden Straßensperren errichtet. Kurz nachdem die Grenzkontrollen begannen, wurden syrische Flüchtlinge daran gehindert, zu Fuß die Grenze nach Deutschland zu überqueren.

Die Polizei konnte außerdem einen Italiener festnehmen, der in seinem Auto acht Syrer einschleusen wollte. An mehreren Grenzübergängen kam es zu Staus.

Am Sonntagabend gegen 21 Uhr begannen am Grenzübergang bei Freilassing die Grenzkontrollen, drei Syrer wurden aufgegriffen, die nach 22 Tagen Fußmarsch über die Grenze wollten.
Am Sonntagabend gegen 21 Uhr begannen am Grenzübergang bei Freilassing die Grenzkontrollen, drei Syrer wurden aufgegriffen, die nach 22 Tagen Fußmarsch über die Grenze wollten.

Weil die Grenze zu Deutschland dicht ist, will nun auch Österreich möglicherweise seinerseits die Grenze zu Ungarn und Slowenien schließen.

Wie Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (27, ÖVP) im ORF sagte, drohen sonst verheerende Auswirkungen und die totale Überforderung seines Landes in nur wenigen Tagen. Allein am Sonntag sind nach Polizeiangaben 15.000 Menschen im Grenzort Nickelsdorf nahe der ungarischen Grenze angekommen. 5.000 weitere werden bis zum Morgen noch erwartet.

Auch die sächsische Polizei bereitet sich darauf vor, wieder Grenzkontrollen einzuführen. Christian Meinhold, Sprecher der Bundespolizeidirektion Pirna erklärte am Sonntagabend, dass derzeit geplant werde, wie die Kontrollen "wieder hochgefahren" werden können.

An den ehemaligen Dienststellen an der sächsischen Grenze würden am Montag logistische Vorbereitungen getroffen. In Pirna sollen die Maßnahmen längerfristigen ausfallen. Wie die Sächsische Zeitung berichtet, waren Sonntagabend bereits erste Polizisten am Grenzübergang Zinnwald im Einsatz.

Wie Sachsen Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) sagte, habe man den "Korridor Slowakei-Tschechien-Sachsen genau im Blick". Massive Maßnahmen an der Sachsen-Tschechien-Grenze sind jederzeit möglich. "Wir sind vorbereitet", sagte Ulbig im Exklusiv-Interview mit MOPO24 am Sonntagabend.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière kündigte am Sonntag an, wegen des unkontrollierten Flüchtlingszustroms wieder Grenzkontrollen einzuführen.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière kündigte am Sonntag an, wegen des unkontrollierten Flüchtlingszustroms wieder Grenzkontrollen einzuführen.

Die Pendler bekommen die Auswirkungen der Kontrollen zu spüren.

Die Einreise von Österreich nach Bayern hat in der Nacht etwa auf der A3 bei Passau deutlich mehr als eine Stunde gedauert. Auch auf Bundesstraßen wird im Tagesverlauf mit Staus gerechnet. Die Bundespolizei hatte zuvor auch Reisende im kleinen Grenzverkehr aufgefordert, immer einen Personalausweis dabei zu haben.

Die Deutsche Bahn hat am Montag um 7 Uhr den Zugverkehr zwischen Deutschland und Österreich teilweise wieder aufgenommen. Ausgenommen ist zunächst die Strecke zwischen Salzburg und München.

An diesem Montag treffen sich in Brüssel die EU-Innenminister, um über das Vorgehen in der Flüchtlingskrise zu beraten.

Konkret geht es um die Verteilung von 120.000 Flüchtlingen aus Griechenland, Italien und Ungarn auf andere EU-Länder.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (61, CDU) zeigte sich allerdings vorsichtig optimistisch hinsichtlich eines Entgegenkommens der anderen EU-Staaten: "Nun, das sieht nicht so schlecht aus, wie es vor der Sommerpause aussah, aber ich halte nichts davon vor Verhandlungen schon Wasserstandsmeldungen abzugeben. Wir werden kämpfen", sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in einem ARD-Brennpunkt.

De Maizière ließ offen, wie lange Deutschland wieder Grenzkontrollen vornehmen wird. Die Rechtslage lasse nur vorübergehende Kontrollen aus Gründen der öffentlichen Sicherheit zu, sagte er in der ARD. "Das machen wir jetzt mal eine Weile."

Fotos: dpa, imago, Steffen Füssel, Harry Härtel

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