Greta Thunberg droht Politik: "Wir werden Euch niemals vergeben!"

New York - In einer hoch emotionalen Wutrede beim Klima-Gipfel in New York hat die Aktivistin Greta Thunberg den Staats- und Regierungschefs mangelnde Handlungsbereitschaft vorgeworfen.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg nimmt am UN-Klimagipfel bei den Vereinten Nationen teil.
Die Klimaaktivistin Greta Thunberg nimmt am UN-Klimagipfel bei den Vereinten Nationen teil.  © Jason Decrow/FR103966 AP/dpa

"Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten?", fragte die 16-jährige Schwedin am Montag in ihrer Rede mit Tränen in den Augen. "Wie könnt Ihr nur weiter wegschauen."

Im Publikum saßen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Emmanuel Macron und zahlreiche weitere Staats- und Regierungschefs.

Überraschend nahm auch US-Präsident Donald Trump teil. Er kam aber zu spät und verpasste Thunbergs Rede - und er blieb auch nur wenige Minuten. Trump gilt als mächtigster Bremser beim Kampf gegen den Klimawandel.

Nach seinem Amtsantritt hatte er den Ausstieg aus dem zentralen Pariser UN-Klimaabkommen verkündet - und das als Staatschef des Landes mit dem zweithöchsten Ausstoß von klimaschädlichen Gasen.

Thunberg warf den Politikern vor, sie seien immer noch nicht reif genug zu sagen, wie ernst die Lage sei. "Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber Ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum - wie könnt Ihr es wagen?" Und droht bei einem Scheitern der Klimabemühungen, dass die Jugend der Welt zurückschlägt: "...wir werden das Euch niemals vergeben."

Thunberg ist die Initiatorin der Jugendbewegung "Fridays for Future", die vergangene Woche weltweit Millionen Menschen zu einem Klima-Streik auf die Straße gebracht hat. Merkel traf Thunberg vor Beginn des Gipfels. In ihrer Rede sagte sie zu ihrer Bewegung: "Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört."

Die Kanzlerin rief dazu auf, den Ratschlägen der Wissenschaft zu folgen. Das Klimapaket, dass die Bundesregierung in der vergangenen Woche nach hartem Ringen beschlossen hat, wird aber auch von Wissenschaftlern als zu zaghaft kritisiert.

Greta schaut Trump beim Klimagipfel ernst an: Video geht viral

Gretas Blick in Richtung Trump geht viral.
Gretas Blick in Richtung Trump geht viral.  © Screenshot/Twitter/Euronews

Ein offizielles Treffen von Klima-Aktivistin Greta Thunberg (16) und dem bekennenden Klimawandel-Skeptiker und US-Präsident Donald Trump (73) gab es beim Klimagipfel der Vereinten Nationen nicht - aber schon ein kurzer und ungeplanter gemeinsamer Moment der beiden hat im Internet für Wirbel gesorgt.

Ein Video, das mehrere TV-Sender wie BBC und ARD am Montag veröffentlichten, zeigt, wie Trump mit seiner Delegation hinter den Kulissen des Klimagipfels durch einen Gang des Hauptquartiers der Vereinten Nationen in New York läuft.

Thunberg steht wenige Meter entfernt im selben Gang. Trump nimmt keine Notiz von der jungen Schwedin, während sie ihm mit ernster Miene hinterher schaut. Das Video wurde im Internet massenhaft verbreitet und kommentiert.

Thunberg und 15 weitere Kinder reichen Beschwerde bei UN ein

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft sich am Rande des UN-Klimagipfels mit der Klimaaktivistin Greta Thunberg.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft sich am Rande des UN-Klimagipfels mit der Klimaaktivistin Greta Thunberg.  © Twitter @RegSprecher/Bundesregierung/dpa

Greta Thunberg und 15 weitere Kinder und Jugendliche aus zwölf Ländern haben eine Beschwerde beim Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen eingereicht. Darin werfen sie den UN-Mitgliedsstaaten vor, nicht genug gegen den Klimawandel zu unternehmen und damit gegen die vor 30 Jahre verabschiedete UN-Kinderrechtskonvention zu verstoßen, wie das UN-Kinderhilfswerk Unicef am Montag mitteilte.

Unter den Jugendlichen ist auch eine 15-Jährige aus Hamburg. Die 1989 verabschiedete Kinderrechtskonvention legt Standards zum Schutz von Kindern weltweit fest - zu den Themen Überleben, Entwicklung, Nichtdiskriminierung, Interessenwahrnehmung und Beteiligung.

"Die Staats- und Regierungschefs der Welt versagen dabei, die Rechte der Kinder zu beschützen, indem sie weiter nichts gegen die Klimakrise unternehmen", sagte Thunberg.

"Wir wollen sagen, dass es uns reicht." Der UN-Klimagipfel sei eine "riesige Chance" für die Staats- und Regierungschefs der Welt zu beweisen, dass sie es ernst meinten, sagte Thunberg. Sie hoffe auf ein gutes Ergebnis. "Aber wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten und weitermachen, auch wenn es ein schlechtes Ergebnis gibt."

Die Beschwerde ist aufgrund eines Zusatzprotokolls zur Kinderrechtskonvention möglich. Die Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 17 Jahren aus Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Indien, den Marshallinseln Nigeria, Palau, Südafrika, Schweden, Tunesien und den USA werden dabei von einer Rechtsanwaltskanzlei unterstützt.

Auch Unicef unterstützt das Anliegen der Kinder, ist aber nicht offizieller Partner der Beschwerde.

Gretas komplette Rede

Greta Thunberg in New York.
Greta Thunberg in New York.  © Mark Lennihan/AP/dpa

Titelfoto: Jason Decrow/FR103966 AP/dpa


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