Berger in der Kritik: Leipziger fordern Antworten nach Höcke-Auftritt in Grimma

Grimma/ Leipzig - Nachdem sich Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (51, parteilos) kritisch über den Protest gegen den Auftritt von Björn Höcke (47, AfD) am vergangenen Freitag äußerte, sucht das Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" das Gespräch mit dem Stadtoberhaupt.

Mehrere Bündnisse und Gruppierungen versammelten sich am vergangenen Freitag zum Protest in Grimma.
Mehrere Bündnisse und Gruppierungen versammelten sich am vergangenen Freitag zum Protest in Grimma.  © Sören Müller

In einem offenen Brief wenden sich die Mitglieder an Berger.

"Vor den Versammlungen haben Sie geäußert, dass in Grimma jeder willkommen sei, der auf dem Boden der Verfassung steht. Die AfD, insbesondere der 'Flügel' innerhalb der AfD erfüllt für Sie offenbar diese Anforderung, die demokratische Zivilgesellschaft wohl nicht", heißt es in dem Schreiben.

Berger hatte in einem Video-Statement die Entscheidung der Stadt verteidigt, Thüringens AfD-Landesvorsitzenden im Rathaus auftreten zu lassen.

Es sei "ein Sturm über [Grimma] hereingebrochen", nachdem bekannt wurde, dass Höcke in der sächsischen Kreisstadt, berichtete der 51-Jährige.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatten verschiedene Netzwerke und Gruppierungen, wie auch "Leipzig nimmt Platz", Protest angemeldet.

Auf dem Marktplatz wurde ein Friedensfest organisiert. Kritik wurde vor allem gegenüber den Verantwortlichen der Stadt laut, dass man der AfD überhaupt eine Plattform biete. Für weitere Diskussionen sorgte ein Flugblatt, das Berger an die Grimmaer Bürger verteilen ließ und in dem unter anderem davor gewarnt wurde, dass Autos bei dem Demonstrationsgeschehen beschädigt werden könnten (TAG24 berichtete).

Auch darauf nehmen die Mitglieder des Leipziger Aktionsnetzwerks in ihrem Schreiben Bezug: Man sei "entsetzt [...] darüber, dass Sie im Vorfeld der von uns angezeigten Versammlung einen Brief verfasst haben, in dem Sie Anwohner*innen vor Sachbeschädigungen warnen, die im Zusammenhang mit der von uns angezeigten Demonstration stünden."

Hätte ein Gespräch die Situation entschärfen können?

In einem offenen Brief wendet sich das Aktionsnetzwerk an Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (51, parteilos).
In einem offenen Brief wendet sich das Aktionsnetzwerk an Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (51, parteilos).  © Sören Müller

Außerdem stünde die Frage im Raum, warum Grimmas Oberbürgermeister nicht im Vorfeld den Kontakt zu den Demo-Organisatoren gesucht hätte.

Schließlich betone er selbst in seiner Botschaft, dass man miteinander reden müsse.

Der 51-Jährige sprach ebenso von "Leipziger Chaoten", die in die Stadt gekommen wären und das Rathaus verschandelt hätten.

Am Freitagmorgen hatten unbekannte Täter Graffitis an die Rathauswand gesprüht und Kot an das Gebäude geschmiert. "Sollten Sie dabei die Kreidezeichnungen am Rathaus meinen, dann fragen wir uns, ob Sie ihr Wissen dazu mit der Polizei geteilt haben, da Sie ja offensichtlich den Herkunftsort der möglichen Täter*innen kennen", schreibt "Leipzig nimmt Platz" dazu.

Weiter heißt es: "Anders können wir uns nicht erklären, dass Sie in Bezug auf die AfD das Wort 'rechts' nicht nutzen und damit keine Zuschreibung treffen, aber in Bezug auf den demokratisch legitimen Gegenprotest von links/grün sprechen und damit sehr wohl eine pejorative Wertung vornehmen, bei der Sie auch noch den Sprachduktus der Rechten übernehmen."

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