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Grippewelle: Wenn die Viren im Wartezimmer sitzen

Grippeschutz und Präventionsmaßnahmen

2018 droht das Grippejahr schlechthin zu werden. Die Wartezimmer sind voll und die Ansteckungsgefahr hoch. Wie Ihr Euch vor den Viren schützen könnt, erfahrt Ihr im ARTIKEL.

Deutschland - 2018 scheint zu einem Influenza-Rekordjahr zu werden: Das Robert-Koch-Institut spricht von mehr als 160.000 Grippekranken bundesweit. Die meisten der von Fieber, Husten, Halsschmerzen und Schüttelfrost geplagten Grippekranken gehen zum Arzt – mit den Viren im Gepäck.

Wie können sich Patienten im Wartezimmer davor schützen? Und: Was kann die Arztpraxis neben der Praxisreinigung präventiv tun, um die Ansteckungsgefahr gering zu halten?

In Wartezimmern von Arztpraxen ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch.
In Wartezimmern von Arztpraxen ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch.

Schlagartig krank

Im Gegensatz zu einem grippalen Infekt beginnt eine Grippe schnell, mit heftigen Symptomen: über 38 Grad Fieber, Schüttelfrost, Schweißausbrüche, Halsschmerzen und generelle Schlappheit. In diesem Winter sind die Viren besonders gefährlich: Mikrobiologen haben im Speichel von Erkrankten den Erregertyp Influenza A H3N2 gefunden.

Eigentlich soll der aktuelle Impfstoff gegen diesen Erregertyp helfen, doch scheinen sich sogenannte Subtypen gebildet zu haben, die immun sind. Der Erreger bedroht besonders Menschen ab 60, mit Vorerkrankungen oder bereits geschwächtem Immunsystem. Da bei einem besonders schweren Verlauf sogar Komplikationen wie eine Herzmuskelentzündung drohen, ist ein Arztbesuch dringend erforderlich. Doch wie lässt sich vermeiden, dass die Grippe dort auf die anderen Patienten im Wartezimmer überspringt?

Vorbild Krankenhaus: Desinfektionsspender für die Prophylaxe

In Krankenhäusern gibt es ganze Abteilungen, die Patienten, Mitarbeiter und Besucher vor Infektionen schützen sollen. Grundlage der präventiven Maßnahmen sind die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene. Die Kommission ist gemäß § 23 Infektionsschutzgesetz (IfSG) beim Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin beheimatet, wie auf der Website des Instituts nachzulesen ist. Die Maßnahmen dienen dazu, mangelnder Hygiene im Krankenhausalltag vorzubeugen.

Eine wirksame Maßnahme zur Prophylaxe ist der Einsatz von Desinfektionsspendern. In Krankenhäusern sind sie Standard, insbesondere in Zeiten grassierender Grippeviren ist ihr Einsatz in Arztpraxen eine sinnvolle Ergänzung zur regelmäßigen Praxisreinigung.

Die Spender zum Abtöten von Bakterien und Viren an den Händen sind in Arztpraxen keine Pflicht, kommen aber auf freiwilliger Basis in immer mehr Praxen zum Einsatz. Auch in Unternehmen und Geschäften finden sich zunehmend Desinfektionsspender. Allerdings: Nicht jeder verträgt die Desinfektionslösungen, das gilt insbesondere für Menschen mit empfindlicher Haut und Allergiker.

Die Grippeschutzimpfung ist die bekannteste Präventivmaßnahme.
Die Grippeschutzimpfung ist die bekannteste Präventivmaßnahme.

Präventivmaßnahme: Die Grippeimpfung

Zu den am weitesten verbreiteten Präventivmaßnahmen gehört die Grippeschutzimpfung, die auch von Krankenkassen wie der Barmer empfohlen wird. Ihre Effektivität ist zwar nicht unumstritten, wie in diesem Artikel auf „Spiegel Online“ nachzulesen ist, aber als vorbeugende Schutzmaßnahme ist sie alternativlos. Der Impfstoff wird mittels einer Spritze in den Arm verabreicht.

Die Kosten für eine sogenannte Dreifachimpfung, die vor zwei Influenza-A-Stämmen und einem Influenza-B-Stamm schützen soll, übernehmen die gesetzlichen Kassen. Noch besseren Schutz verspricht die Vierfachimpfung: Sie ist auch gegen die sogenannte Yamagata-Linie wirksam, die laut der „Deutschen Apotheker Zeitung“ hauptsächlich für die Grippewelle in diesem Winter verantwortlich ist. Nachteil: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Ein Umstand, den viele Ärzte und Fachleute kritisieren.

Impfen lassen sollten sich neben Medizinern, Arzthelferinnen und Krankenschwestern Menschen über 60, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Schwangere sowie Menschen mit chronischen Krankheiten wie Asthma oder Diabetes oder einem Herzleiden. Auch wer unter einer erworbenen oder angeborenen Immunschwäche leidet, sollte sich für eine Impfung entscheiden.

Übrigens: Für Menschen mit einer Hühnereiweißallergie ist eine Grippeschutzimpfung nicht geeignet, da dieses Eiweiß im Impfstoff enthalten ist.

Schutz vor Tröpfcheninfektion

Eine Grippeschutzimpfung ist auch sinnvoll, weil ein Desinfektionsspender zwar gegen eine Infektion über die Haut schützt, nicht aber gegen eine Tröpfcheninfektion. Zur ihr kommt es, wenn die Grippeerreger in den Atemwegen oder im Rachenraum beim Husten und Niesen durch winzige Speicheltropfen im Raum verteilt und von anderen eingeatmet werden. Viele Arztpraxen haben deshalb für ihre Grippepatienten ein Extrawartezimmer eingerichtet, sofern das die Räumlichkeiten zulassen.

Ein Mundschutz bei Grippepatienten verringert die Ansteckungsgefahr für Andere.
Ein Mundschutz bei Grippepatienten verringert die Ansteckungsgefahr für Andere.

Wirksamer Grippeschutz: Die Mund-Nasenschutzmaske

Vor der Ansteckung in der Arztpraxis schützt eine weitere Maßnahme, die bei Grippefällen im Krankenhaus gang und gäbe ist: Wenn Grippepatienten eine Mund-Nasenschutzmaske tragen, verringern sie die Infektionsgefahr für andere Patienten deutlich. Eine solche Maske ist das effektivste Mittel, um eine Übertragung durch Husten, Niesen und Schniefen zu unterbinden. Die Schutzmaske fängt die feinen Tröpfchen mit dem Grippevirus ab und verhindert so eine Übertragung – in der Arztpraxis ebenso wie im öffentlichen Raum.

Trotzdem sieht man nur selten Menschen mit Mund-Nasenschutzmaske in der Öffentlichkeit, in Deutschland sind die Masken wenig verbreitet. In Asien ist das anders: Japaner beispielsweise sehen sie als Akt der Höflichkeit an, weil sich der Träger bemüht, seine Mitmenschen nicht zu infizieren. Allerdings: Einen hundertprozentigen Schutz vor Ansteckung bieten auch die Masken nicht. So sind Betroffene auch während der symptomfreien Inkubationszeit ansteckend, wissen zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht, dass sie den Virus in sich tragen. Deshalb kommen sie nicht auf die Idee, eine Maske anzulegen.

Auch ohne Maske können Grippepatienten etwas dafür tun, dass sie andere nicht anstecken: Wenn sie niesen müssen, sollten sie in den Ellenbogen und nicht in die Hand niesen. So vermeiden sie, dass sie Viren direkt über Türklinken oder den nächsten Händedruck weitergeben.

Hygienischer Praxisreinigung: Das Vier-Farben-System

Um die Grippevieren auf Tischen, Armlehnen und Tresen im Zaum zu halten, ist eine regelmäßige Praxisreinigung Grundvoraussetzung. Bei professionellen Reinigungsfirmen hat sich ein System etabliert, das die versehentliche Verteilung von Viren und Bakterien verhindert. Ihm liegen die vier Farben Grün, Rot, Blau und Gelb zugrunde, mit denen die Reinigungsmittel und Putzutensilien gekennzeichnet sind.

Jede Farbe ist einem Reinigungsbereich zugeordnet: Grün steht für besonders sensible Umgebungen wie Operationsräume, Pflegebereiche und Küchen. Rot bezieht sich auf alle Flächen in und um das WC, Gelb auf den Sanitärbereich und Blau auf alle Einrichtungsgegenstände und Möbel wie Tresen, Schreibtische, Schränke, Stühle, Tische, Bänke und Regale.

Ergänzend sollte bei der Praxisreinigung die sogenannte Wechseltuchmethode zum Einsatz kommen: Das Reinigungspersonal verwendet dabei für jedes WC ein separates Putztuch. So ist sichergestellt, dass sich keine Keime und Viren von einer Toilette zur nächsten verteilen. Konsequent angewendet gewährleistet die Wechseltuchmethode eine optimale Hygiene und beugt nicht nur der Ausbreitung von Grippeviren vor.

Auf der sicheren Seite ist, wer professionelle Dienstleister mit EN ISO-Zertifizierung mit der Praxisreinigung beauftragt. Bei zertifizierten Reinigungsunternehmen ist ein dauerhaft hoher Qualitätsstandard gewährleistet.

Eine Flächendesinfektion in Arztpraxen ist unabdingbar, um alle Viren abzutöten.
Eine Flächendesinfektion in Arztpraxen ist unabdingbar, um alle Viren abzutöten.

Mit System gegen Viren: Der Hygieneplan

Während das Aufstellen von Desinfektionsspendern und weitere Maßnahmen nicht vorgeschrieben sind, ist ein Hygieneplan für Arztpraxen Pflicht, darauf weist beispielsweise die Kassenärztliche Vereinigung hin. Der Hygieneplan legt unter anderem fest, wie im Rahmen der Praxisreinigung eine Flächendesinfektion stattzufinden hat, damit keine Desinfektionsgefährdung vom Patiententresen und anderen stark frequentierten Flächen ausgeht.

Die Reinigung muss je nach Verschmutzungsgrad und Fläche entweder mit einem Kombipräparat aus Reinigungs- und Desinfektionsmittel oder mit einem Flächendesinfektionsmittel ausgeführt werden. Dabei muss das Mittel zum Einsatz kommen, das die relevanten Keime und Bakterien am besten bekämpft.

Bei der Wischdesinfektion ist gemäß Hygieneplan geeignete Schutzausrüstung zu tragen, stark verschmutzte oder kontaminierte Flächen sind vor der Desinfektion zu reinigen. Beim Desinfizieren hat das Personal darauf zu achten, dass das Desinfektionsmittel nicht verschmutzt wird. Nach Abschluss der Arbeiten müssen alle verwendeten Materialien entweder ebenfalls desinfiziert oder entsorgt werden.

Das A und O: Die Händehygiene

Für die Ärzte und Praxisbeschäftigten sind Händedesinfektion und Händewaschen die wichtigsten Maßnahmen, damit sie weder sich selbst noch andere mit Krankheitserregern anstecken. Die Desinfektion der Hände liegt immer an, wenn der Behandlungsraum betreten oder nach einer Behandlung verlassen wird. Und natürlich erst Recht nach körperlichem Kontakt mit einem Grippepatienten. Das Desinfektionsmittel sollte mindestens als „begrenzt viruzid plus“ deklariert sein, die Bezeichnung steht für ein erweitertes Wirkspektrum gegen Viren.

Beim Händewaschen kommt es auf die Sorgfalt an: Zuerst die Hände unter fließendem Wasser vollständig benetzen, dann ausreichend Seife gründlich verteilen und über die Handinnenflächen und Handrücken reiben. Im Anschluss sind die Fingerzwischenräume dran – dies geschieht am besten durch Ineinanderflechten der Finger. Nun Daumen, Fingerspitzen und -nägel reinigen, abschließend die Hände sorgfältig spülen und abtrocknen. Das Händewaschen sollte mindestens 30 Sekunden in Anspruch nehmen. Es empfiehlt sich der Einsatz von pH-neutraler Seife, die den Säuremantel der Haut schützt.

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