Dulig Vs. Biedenkopf: Wie rechts ist Sachsen denn nun?

Fordert Zeit für seine Sachsen: Kurt Biedenkopf (85, CDU), Landesvater von 1990 bis 2002.
Fordert Zeit für seine Sachsen: Kurt Biedenkopf (85, CDU), Landesvater von 1990 bis 2002.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Es sind Klartexttage in Sachsen. Angesichts der Anti-Asyl-Übergriffe vom Wochenende, aber auch in den vergangenen Wochen, haut nun Sachsens Vize-MP Martin Dulig (41, SPD) kräftig auf den Tisch - erneut. Denn diesmal war auch sein Radebeuler Bürgerbüro Ziel eines Angriffs.

„Sachsen hat ein Problem mit Rassismus“, sagt Dulig unverblümt.

Das war nicht immer die offizielle Haltung der Landesregierung: Sachsens früherer Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (heute 85, CDU) sprach während seiner Amtszeit den Sachsen Immunität gegen rechtes Gedankengut zu.

Auch jetzt. Die große Mehrheit sei immun, sagte er kürzlich und antwortete auf eine entsprechende MOPO-Frage:

Will aufrütteln: Sachsens Regierungs- Vize Martin Dulig (41, SPD).
Will aufrütteln: Sachsens Regierungs- Vize Martin Dulig (41, SPD).

„Die sächsische Mentalität ist ganz in Ordnung. Das ist einfach eine Frage der völlig unvorbereiteten Konfrontation mit einem Problem, zu dem sie (die Sachsen, d. Red.) ja gar keine Mentalität haben entwickeln können.

Die Menschen hier haben in den letzten 25 Jahren eine unglaublich tiefgreifende Veränderung ihrer Lebensverhältnisse erlebt.“

Dulig kontert:

„Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass die Situation verharmlost wird. Es ist ein größeres Problem, das wir in Sachsen haben.

Hier sind nicht nur Einzeltäter am Werk, hier spiegeln sich nicht nur lokale Probleme.“

Öffent - liche Aufmärsche rechter Kreise sind in Sachsen Alltag geworden - wie hier in Leipzig.
Öffent - liche Aufmärsche rechter Kreise sind in Sachsen Alltag geworden - wie hier in Leipzig.

Biedenkopf hingegen ist milder. Gerade jetzt, wo die Menschen den großen Wandel geschafft hätten, drohe eine aus ihrer Sicht neue dramatisch Veränderung, sagt er:

„Und sie müssen sich wieder anpassen. Vor allen Dingen an Verhältnisse, mit denen sie überhaupt keine Erfahrungen haben. Man muss den Menschen auch mal Zeit lassen!“

Dulig will nicht warten. Denn er fürchtet Grundlegendes: Rassismus sei eine „fatale Zukunftsbarriere“, gefährde das Mitmenschliche und den Wirtschaftsstandort.

Unterdessen ermittelt das auf Extremismus spezialisierte Operative Abwehrzentrum zum Angriff auf Duligs Büro. Zeugen werden gesucht. Zeitgleich wurde bekannt, dass ein Pakistaner von vier Angreifern auf dem Dresdner Hauptbahnhof geschlagen und beleidigt wurde.

Fotos: Petra Hornig, dpa, Helis


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