Stromausfall! 25.000 Haushalte bis zu 32 Stunden betroffen

In ganz Sachsen knickte der Sturm reihenweise Bäume. Der Sachsenforst warnt 
sogar vor seinen eigenen Wäldern: Lebensgefahr!
In ganz Sachsen knickte der Sturm reihenweise Bäume. Der Sachsenforst warnt sogar vor seinen eigenen Wäldern: Lebensgefahr!  © Thomas Türpe

Dresden - Erst tobte „Herwart“ durch Sachsen, dann gab‘s die eiskalte Bescherung! Nach dem Sturm vom Wochenende blieben nämlich viele Stuben nicht nur kalt, sondern auch dunkel.

Allein im Großraum rund um Dresden waren 25.000 Haushalte von einem stundenlangen Stromausfall betroffen.

Sonntag gegen 6 Uhr war Ruhe. Der elektronische Wecker blieb stumm, das Radio auch, erst recht die Kaffeemaschine. Kein Licht, keine Heizung, noch dazu abtauende Tiefkühltruhen.

Dramatisch: Die meisten wählten vom Handy vergeblich die Kunden-Hotline des Versorgers. Dort tönte immer nur die gleiche langweilige Ansage („Bitte warten, Sie werden verbunden ...“).

Insgesamt 94 Mal versuchte Unternehmerin Andrea Pohle (44) aus Nossen-Eula beim Versorger ENSO durchzukommen.

In Baumärkten waren Notstromaggregate am Montag äußerst gefragt 
und bald Mangelware. Sie funktionieren mit Benzin, liefern wenigstens etwas 
Strom.
In Baumärkten waren Notstromaggregate am Montag äußerst gefragt und bald Mangelware. Sie funktionieren mit Benzin, liefern wenigstens etwas Strom.  © Thomas Türpe

Doch den ganzen Sonntag über blieb sie ohne Chance: „Eine Unverschämtheit ist das.“ Sie rief schließlich ihren Elektriker an, der dann auf anderem Wege zumindest die Meldung bei ENSO tätigte.

Mit letzten Handy-Reserven hatte es auch Beatrix Lange (38) aus Groitzsch (zwischen Wilsdruff und Nossen) immer wieder an der Störungs-Hotline probiert - erfolglos: „Wir wurden allein gelassen, wussten nicht warum und wie lange der Strom wegbleiben würde.“

Die Familie mochte nicht länger in ihrem mit Kerzen beleuchteten Haus warten. „Mein Mann kaufte Montagfrüh gleich ein Notstromaggregat. Die waren fast überall plötzlich ausverkauft. Im dritten Baumarkt erstand er das letzte“, berichtet Mutter Lange.

Sie teilte den wertvollen Notstrom sogar mit den Nachbarn. Erst Montagnachmittag, also nach 32 Stunden, war wieder „Saft“ auf den Steckdosen.

Sie mussten 32 Stunden ohne Strom 
ausharren, behalfen sich schließlich mit einem Notaggregat: Beatrix Lange (38) 
mit Ehemann Andreas (48) und Sohn Valentino (10), rechts Nachbar Frank 
Anderssohn (62).
Sie mussten 32 Stunden ohne Strom ausharren, behalfen sich schließlich mit einem Notaggregat: Beatrix Lange (38) mit Ehemann Andreas (48) und Sohn Valentino (10), rechts Nachbar Frank Anderssohn (62).  © Thomas Türpe

Der einzige, der das alles „spannend“ fand, war Sohn Valentino (10) ... Doch warum wurden die Kunden mit ihren Problemen allein gelassen, nicht informiert? Auch nicht über das Internet? „Wir hatten 160 Leute im Einsatz“, erklärt Claudia Kuba (53) vom Großversorger ENSO.

Sie setzt auf Verständnis, Mitarbeiter in den fünf Callcentern waren einfach überlastet, bei 25.000 (von 500.000) stromlosen Kunden und über 300 Störungen. Mit Netzersatzanlagen und Provisorien wurden bis gestern Abend die letzten noch stromlosen Haushalte im Raum Heidenau versorgt.

Wer allerdings auf einen Ersatz getauter Kühltruheninhalte oder anderer Verluste hofft, wird enttäuscht werden. „Wer ständig auf Strom angewiesen ist, muss selbst vorsorgen“, sagt Frau Kuba.

„Wir würden dafür geradestehen, wenn wir einen vorsätzlichen oder fahrlässigen Fehler gemacht hätten.“


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