Bürgermeisterin erleichtert über Asylabsage

In dieser Halle sollten ursprünglich 700 Flüchtlinge untergebracht werden.
In dieser Halle sollten ursprünglich 700 Flüchtlinge untergebracht werden.

Von Torsten Hilscher

Großröhrsdorf - Der Asyl-Ärger um Großröhrsdorf geht in die nächste Runde. Jetzt zeigt sich die Bürgermeisterin der Gemeinde „sehr erleichtert“ über die Stornierung einer Werk-Halle als Flüchtlingsunterkunft.

Einen Tag nach der Absage von Portatec-Chef Dietmar Metzner (67) an eine Asylunterkunft für bis zu 700 Flüchtlinge in seiner leer stehenden Werkhalle steht ihm Bürgermeisterin Kerstin Ternes (56, parteilos) bei.

Wörtlich sagte sie am Donnerstag auf MOPO-Anfrage: „Aus Angst um den sozialen Frieden und der Überforderung der Infrastruktur der Stadt, bin ich nun sehr erleichtert, dass Herr Dr. Metzner von seinen Vermietungsplänen der ehemaligen Schüco-Hallen an den Freistaat Abstand genommen hat.“

Portatec hat zwei Hallen von Schüco gemietet, in einer produziert Metzners Firma.

Kerstin Ternes (56, parteilos) ist erleichtert über die Absage.
Kerstin Ternes (56, parteilos) ist erleichtert über die Absage.

Mit ihrer Aussage demonstriert die Großröhrsdorfer Verwaltungsleiterin der 6600-Seelen-Gemeinde eine fundamental andere Haltung als zum Beispiel der Heidenauer Stadtchef Jürgen Opitz (59, CDU).

Der hatte trotz aller Krawalle um die Unterkunft in einem ehemaligen Baumarkt im Ort ausdrücklich Flüchtlinge willkommen geheißen.

Ternes hingegen: „ Eine Erstaufnahmeeinrichtung in dieser Größenordnung ist für unsere Kleinstadt mit den vorhandenen Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten etc. nicht tragbar. Zudem ermöglicht eine Erstaufnahmeeinrichtung durch die stetig wechselnde Belegung keine Willkommenskultur, wie wir diese bereits in der Turnhalle erfolgreich praktizieren.

Dennoch tragen wir alle eine Verantwortung gegenüber notleidenden Menschen und werden uns weiterhin bemühen, weitere Unterkünfte für Flüchtlinge zu finden“, sagte sie weiter.

Ternes bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend in Großröhrsdorf.
Ternes bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend in Großröhrsdorf.

Zur Zeit sind in Großröhrsdorf 62 Flüchtlinge aus dem Kosovo in besagter Turnhalle untergebracht. Das hatte der Landkreis organisiert. Dabei handelt es sich laut Stadtverwaltung Großröhrsdorf um Männer, Frauen und Kinder, die schon länger in Deutschland leben.

Bei dieser Einrichtung zeigt auch die Bürgerschaft Großröhrsdorf übrigens, dass es auch anders geht: Das „Bündnis Bunte Westlausitz“ engagiert sich.

Allerdings kann sich die Lage in der ehemalige Werk-Halle doch noch ändern. Laut SZ-online schließt der Leiter der Stabstelle Asyl im Innenministerium, Dirk Dietrichs, nicht aus, dass das Objekt doch noch als Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber genutzt wird.

„Die Zahlen von Asylbewerbern sind im Juli und August sprunghaft angestiegen“, sagte er am Mittwochabend in einer Bürgerversammlung in Großröhrsdorf, berichtet das Portal. „Wir sind in dem Zwang, schnellstmöglich Einrichtungen dazu zu mieten oder zu kaufen.“

Kämen heute viele Hundert Asylbewerber nach Sachsen, könnten ihnen keine Unterkünfte angeboten werden. Sie wären obdachlos.

Fotos: Rico Löb


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