Über 800 Hinweise zu Juwelenraub, aber warum zahlen Ermittler so selten Kopfgelder aus?

Dresden - Eine halbe Million Euro Belohnung winkt dem entscheidenden Tippgeber bei der Aufklärung des Juwelenraubs im Grünen Gewölbe. Die Polizei in Sachsen macht immer wieder Geld für Hinweise locker - doch ausgezahlt wird offenbar so gut wie nie.

Innenminister Roland Wöller (49, CDU) hat keine komplette Übersicht über ausgelobte Belohnungen. Gezahlt wird fast nie.
Innenminister Roland Wöller (49, CDU) hat keine komplette Übersicht über ausgelobte Belohnungen. Gezahlt wird fast nie.  © Eric Münch

Auch nach den mutmaßlich linksextremen Anschlägen in Leipzig, Bautzen und Rodewisch setzten Ermittler jüngst Kopfgelder in Höhe von 100.000 bzw. 30.000 Euro aus.

Innenminister Roland Wöller (49, CDU) weiß nur von einer weiteren Belohnung (5000 Euro) im Bereich politisch motivierter Kriminalität: 2015, als es um eine Sprengstoffexplosion nahe eines Asylheimes ging. Das teilte er auf Anfrage von Kerstin Köditz (52, Linke) mit.

Das Ministerium habe keine vollständige Übersicht über alle ausgelobten bzw. ausgezahlten Belohnungen. Jenseits der politisch motivierten Kriminalität zählt Wöller seit 2009 insgesamt 20 Fälle auf, bei denen Belohnungen ausgesetzt wurden.

Darüber entscheidet immer die Dienststelle, ab 12.500 Euro muss das Ministerium zustimmen. Meist gab es bislang zwischen 5000 und 10.000 Euro. Ein Beispiel ist das tote Baby von Schwarzenberg.

Kerstin Köditz (52, Linke).
Kerstin Köditz (52, Linke).  © Holm Helis

Doch fast nie wurde ausgezahlt: Nur zweimal floss Geld! Einmal im Fall von Brandanschlägen auf Autos in Chemnitz 2013. Außerdem nach einem Mord in Görlitz 2018. In beiden Fällen bekamen Tippgeber die volle Summe von je 5000 Euro.

Warum passiert das so selten? Das Ministerium bleibt vage.

"Die sachbearbeitende Dienststelle (zum Beispiel das LKA, d. Red.) entscheidet darüber, ob die Belohnung und zu welchen Teilen diese ausgezahlt wird." Konkret der Behördenleiter, der die Belohnung ausgesetzt hat.

Die Abgeordnete Köditz kritisiert, dass es für die Aufklärung eines Anschlags nahe eines Asylheims nur 5000 Euro, aber 160.000 Euro für mutmaßlich linksmotivierte Straftaten gebe.

Für die Aufklärung der NSU-Raubserie seien es gerade mal 22.000 Euro gewesen. "Da stimmen die Verhältnisse nicht!"

Juwelenraub im Grünen Gewölbe: Ermittler haben 802 Hinweise

Clanmitglied Wissam Remmo (22) musste sich wegen Spreizer-Diebstahls vor Gericht verantworten.
Clanmitglied Wissam Remmo (22) musste sich wegen Spreizer-Diebstahls vor Gericht verantworten.  © Imago Immages/Olaf Wagner

Offiziell schweigt die Polizei noch immer dazu, wie die Einbrecher ins historische Grüne Gewölbe gekommen sind. Doch seit gestern verdichten sich Hinweise darauf, dass dabei ein hydraulischer Spreizer zum Einsatz kam.

Eben genau solche Geräte, die der Berliner Remmo-Clan sich gern bei Einbrüchen sicherte (TAG24 berichtete).

"Wie das Fenster geöffnet wurde, sagen wir nicht", so Polizeisprecher Marko Laske (45). "Dabei handelt es sich um Täterwissen, es würde die Ermittlungen erschweren, das zu kommunizieren."

Am Mittwoch hatte die Polizei auch bei "Aktenzeichen XY … ungelöst" nach Tipps zu den Einbrechern gesucht: Immerhin 24 Bürger haben sich gemeldet. Damit hat die Polizei derzeit 802 Hinweise, denen die Ermittler jetzt nachgehen müssen.

Das Juwelenzimmer im Grünen Gewölbe. Hier machten die Diebe fette Beute.
Das Juwelenzimmer im Grünen Gewölbe. Hier machten die Diebe fette Beute.  © Staatliche Kunstsammlungen Dresden/David Brandt

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