So hat es eine Familie geschafft, seit Jahren keinen Abfall zu produzieren

Gütersloh - Die Zero-Waste-Bewegung ist nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Menschen machen sich darüber Gedanken, wie sie Müll reduzieren oder sogar komplett vermeiden können. Unverpackt-Läden sind der Renner in vielen deutschen Städten.

Sommergespräch über Abfallvermeidung und den Wert der Dinge (v.l.) Marion Grages vom Fachbereich Umweltschutz, Holger Rinne und Patricia Sommermann.
Sommergespräch über Abfallvermeidung und den Wert der Dinge (v.l.) Marion Grages vom Fachbereich Umweltschutz, Holger Rinne und Patricia Sommermann.  © Stadt Gütersloh

Patricia Sommermann (51) aus Gütersloh gehört zu den Menschen, die der Umwelt etwas Gutes tun wollen. In dem Haushalt von ihr, Sohn Noel und Partner Holger Rinne (53) spielt das Vermeiden von unnötigen Anschaffungen und Abfällen bereits seit einigen Jahren eine große Rolle.

"Es muss nichts Neues sein", sagt Sommermann, die mit Leidenschaft Upcycling betreibt: Aus einer alten Gardine machte sie beispielsweise kurzerhand eine luftige Sommerhose, eine Kohlenschütte funktionierte sie zum Brotkasten um.

Die 51-Jährige stellt sich vor jeder Anschaffung immer die Frage, was sie alternativ verwenden könnte. Als sie einen Bücherschrank benötigte, holte sie sich einen vom Sperrmüll und möbelte diesen einfach selbst mit etwas Lack auf.

Auch Kleidung tauscht sie gerne oder kauft sie im Secondhand-Laden. Die Leidenschaft für Zero-Waste fing bei Patricia Sommer vor langer Zeit an. Damals verzichtete sie ein Jahr lang auf Konsum. Nichts, was nicht unbedingt sein musste, wurde angeschafft.

Gemütlich: Ein Korbsessel vom Flohmarkt ergänzt die Einrichtung: Marion Grages vom Fachbereich Umweltschutz beim "Upcycling-Rundgang" durch das Haus mit Patricia Sommermann.
Gemütlich: Ein Korbsessel vom Flohmarkt ergänzt die Einrichtung: Marion Grages vom Fachbereich Umweltschutz beim "Upcycling-Rundgang" durch das Haus mit Patricia Sommermann.  © Stadt Gütersloh

Nach dem Experiment krempelte sie ihr Leben um. "Wenn ich mit so wenig auskomme, was kann mir dann noch passieren?", fragte sie sich.

"Alle streben nach Glück und wir haben verstanden, dass das Glück nichts mit dem Kaufen zu tun hat", pflichtet ihr ihr Lebenspartner bei. Auf Küchenrollen und Alufolie verzichten sie. "Auch Plastikfolie brauchen wir nicht", sagt der 53-Jährige.

Mit einfachen Tricks vermeidet die Familie unnötigen Müll: Käse und Wurst werden auf einen Teller gepackt, mit einer Porzellanschüssel abgedeckt und im Kühlschrank aufbewahrt.

In einem Glas mit Schraubverschluss nimmt Patricia Sommermann ihren Müsli-Snack mit zur Arbeit. "Alles Kleinigkeiten, die aber in der Menge Wirkung zeigen", sagt Marion Grages vom Fachbereich Umweltschutz der Stadt Gütersloh begeistert.

Erfinderisch: Patricia Sommermann hat ein Händchen für "Upcycling": Der Brotkasten war mal eine Kohlenschütte.
Erfinderisch: Patricia Sommermann hat ein Händchen für "Upcycling": Der Brotkasten war mal eine Kohlenschütte.  © Stadt Gütersloh

Titelfoto: Stadt Gütersloh