Torsten Gütschow: "Dynamo ist mir ein Rätsel!"

Familie Gütschow: Adrienne, Torsten, Lucienne und Cathleen. Die vier Sachsen wohnen in Zeven in Niedersachsen, wo „Horschtl“ jahrelang den TuS Heeslingen betreute.
Familie Gütschow: Adrienne, Torsten, Lucienne und Cathleen. Die vier Sachsen wohnen in Zeven in Niedersachsen, wo „Horschtl“ jahrelang den TuS Heeslingen betreute.

Von Dirk Löpelt

Dresden - Einen wie ihn bräuchte Dynamo jetzt ganz dringend. Vor allem auf dem Platz. Einen, der weiß, wo die Kiste steht, der aus anderthalb Chancen zwei Tore macht. Als Spieler kann Torsten Gütschow seinen Schwarz-Gelben aber leider nicht mehr helfen, schließlich ist der ehemalige Torjäger auch schon 52 Jahre alt. So wird „Horschtl“ heute wie schon so oft in dieser Saison auf der Tribüne im Stadion sitzen, wenn es gegen Spitzenreiter Arminia Bielefeld geht. MOPO24 sprach mit ihm.

MOPO24: Herr Gütschow, mal wieder in der Stadt?

Gütschow: „Ja, wir sind mit der Familie hier, machen eine Woche Urlaub. Unsere Zwillinge gehen in die 2. Klasse und hatten Osterferien. Da haben wir die Gelegenheit genutzt, die Heimat zu besuchen. Außerdem waren wir in Görlitz - meine Mutter hat ihren 81. Geburtstag gefeiert. Wir werden uns noch das Spiel angucken und am Sonntagvormittag zurück in den Norden düsen.“

Torsten Gütschow (r.) traf im Stadion auf seinen ehemaligen Mitspieler und jetzigen Dynamo-Sportdirektor Ralf Minge.
Torsten Gütschow (r.) traf im Stadion auf seinen ehemaligen Mitspieler und jetzigen Dynamo-Sportdirektor Ralf Minge.

MOPO24: Sie wohnen mit Ihrer Familie weiter in Zeven in Niedersachsen - wann kommen Sie wieder zurück nach Sachsen?

Gütschow: „Am liebsten sofort. Aber da hängen ja ein paar Dinge dran, nicht zuletzt die Arbeit.“

MOPO24: Sie wurden im Oktober vergangenen Jahres bei Regionalligist Neustrelitz als Trainer beurlaubt - was ist schiefgelaufen?

Gütschow: „So einiges. Die ersten acht Wochen waren das Schlimmste. Ich sollte eine neue Mannschaft aufbauen, dafür zwei Jahre Zeit bekommen. Aber dann stand ich mit 14 Mann da - das waren keine Regionalliga-Verhältnisse. Nach der Niederlage in Auerbach musste ich dann mit meinem Co-Trainer Marco Weißhaupt gehen.“

MOPO24: Sie suchen nach einem neuen Job?

Gütschow: „Mein Vertrag in Neustrelitz würde sich wohl wegen der Platzierung verlängern. Aber man darf in diesem Geschäft nicht zu lange raus sein.“

MOPO24: Dynamo hat mit Uwe Neuhaus einen neuen Trainer verpflichtet. Hätten Sie sich die Aufgabe auch zugetraut?

Torsten Gütschow auf der Dynamo-Bank. Mit einem Trainerjob bei seinem Ex-Verein hat es bisher nicht geklappt.
Torsten Gütschow auf der Dynamo-Bank. Mit einem Trainerjob bei seinem Ex-Verein hat es bisher nicht geklappt.

Gütschow: „Ich sage es mal so: Für jeden, der hier bei Dynamo groß geworden ist, wäre es natürlich ein Traum, irgendwann auch hier zu arbeiten. Aber es ist doch seit Jahren so, dass die Ehemaligen zu wenig einbezogen werden.

Da wird für meine Begriffe zu wenig geschaut, ob ein Trainer zu einem Verein passt, zu den Fans, zum Umfeld. In dieser Frage hat Dynamo in den letzten Jahren ja den Vogel abgeschossen.“

MOPO24: Sie haben die Entwicklung der SGD genau verfolgt - Ihre Meinung?

Gütschow: „Man muss nur mal den jetzigen Gegner Bielefeld als Vergleich ranziehen. Beide Vereine sind zusammen abgestiegen, hatten die gleichen Voraussetzungen. Und jetzt legt man nebeneinander, wie sich beide in dieser Saison entwickelt haben. Das sagt schon einiges.“

Lang ist's her: Torsten Gütschow (li.) im Februar 1998 mit einem Seitfallzieher zum 1:0 im Freundschaftsspiel gegen Zwickau (3:0).
Lang ist's her: Torsten Gütschow (li.) im Februar 1998 mit einem Seitfallzieher zum 1:0 im Freundschaftsspiel gegen Zwickau (3:0).

MOPO24: Woran liegt das?

Gütschow: „Das kann man sicher nicht in einem Satz beantworten. Es ist aber verwunderlich, wie viele Spieler hier nicht zurechtkommen und bei anderen Vereinen plötzlich wieder Top-Leistungen bringen - siehe Brégerie oder Losilla. Das scheint mittlerweile typisch, über Jahre so. Das sollte man hinterfragen.“

MOPO24: Sie haben Dynamo in dieser Saison schon einige Male live gesehen. Wie kann eine Mannschaft dermaßen in sich zusammenbrechen?

Gütschow: „Ganz ehrlich: Das ist mir ein Rätsel, das ist ein Witz. Da muss man nicht mal als Trainer was sagen - hier, bei diesem Publikum, geht man als Spieler raus und spielt Fußball. Mit Kampf, mit Leidenschaft. Allein dafür wären die Fans dankbar. Ich verstehe auch nicht, wie man als Dynamo in der 3. Liga zu Hause mit einer Spitze spielen kann. Da muss es doch draufgehen! Aber bei uns sieht man oft nach 30 Minuten den ersten Torschuss. Das kann es doch nicht sein.“

MOPO24: Viele sagen, auf diesem Rasen kann man gar nicht richtig Fußball spielen...

Gütschow: „Naja, die anderen tun‘s ja auch. Aber es stimmt schon. Der Rasen ist eine Katastrophe. Auf diese Wiese kann man Kühe draufjagen...“

Fotos: Lutz Hentschel, Wolfgang Schmelzer


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