Gzuz auf der Anklagebank: Wie kriminell ist der Strassenbande-Rapper?

Hamburg/Bernau - Gzuz (30) von der 187 Strassenbande sitzt mal wieder auf der Anklagebank. Der Jugendrichter Andreas Müller (57) aus Bernau bei Berlin hat sich die neuesten Eskapaden des Hamburgers angesehen und ein Urteil gefällt.

Richter Andreas Müller sieht sich in der Sendung Videos mit Gzuz auf einem Laptop an.
Richter Andreas Müller sieht sich in der Sendung Videos mit Gzuz auf einem Laptop an.  © ZDF/Benjamin Cierpol

Mit Gerichtsprozessen kennt sich Gzuz inzwischen aus. Seine Strafakte ist lang: Überfall, Körperverletzung, Fahren unter Drogeneinfluss und weitere Delikte (TAG24 berichtete).

Auch in jüngster Vergangenheit testete Kristoffer Jonas Klauß, wie der Rapper im bürgerlichen Leben heißt, immer wieder die Grenze zwischen rüpelhaftem Verhalten und klarer Straftat aus.

In den vergangenen Wochen und Monaten ohrfeigte er einen Schwan, beleidigte bei einem Ausraster einen Badegast und ballerte mit einer Waffe um sich.

Gzuz, warum bist du nur so? Und wie kriminell sind die Taten eigentlich wirklich?

Dieser Frage geht die erste Sendung "Don't judge me" des neuen Hip-Hop-Formats "Korner" nach, das zum gemeinsamen Jugendportal funk von ARD und ZDF gehört.

Darin sieht sich Richter Andreas Müller Videos von Vorfällen mit Gzuz an und wird zu seiner juristischen Meinung dazu gefragt.

Gzuz mit vollem Einsatz bei einem Konzert-Auftritt.
Gzuz mit vollem Einsatz bei einem Konzert-Auftritt.  © dpa/Philipp von Ditfurth

Müller arbeitet seit 22 Jahren am Amtsgericht in Bernau bei Berlin, die meiste Zeit als Jugendrichter.

In der Zeit hat er viel gesehen und darüber geurteilt. Eine gewisse Abgeklärtheit ist dem 57-Jährigen anzusehen, wenn er sich die Eskapaden von Gzuz am Laptop anschaut.

In einem Video beleidigt Gzuz einen Kameramann als "Hurensohn". Angesichts einer noch laufenden Bewährungsstrafe könne ihn das durchaus mehrere Jahre die Freiheit kosten, schätzt Richter Müller die Lage ein.

Ein Verfahren wegen des Abreißens eines NPD-Wahlplakates zusammen mit Bonez MC würde vermutlich eingestellt werden, wenn da nicht Gzuz' Vorstrafe wäre. Was ihn als Strafe erwarten würde, darauf ist der Jugendrichter aber gespannt.

Bei dem Video mit der Ohrfeige für einen Alster-Schwan muss Richter Müller auflachen. "Okay, natürlich eine Dummheit wieder, die jeder Fünfjährige machen könnte oder jeder Zehnjährige und deswegen kommt man natürlich nicht in den Knast."

Da der Schwan aber ohne Verletzung blieb, sei es kein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Ein strafbares Szenario beschreibt Andreas Müller folgendermaßen:

"Also, wenn er jetzt gesagt hätte: 'Ich packe meinen Schwanz in den Hals vom Schwan', dann wäre das per se strafbar gewesen."

Hat der Richter wirklich Schwanz gesagt? Ja, und er geht noch weiter: "Aber der Schwan - das wär ein cooler Schwan gewesen - dann hätte er den Schwanz gleich klargemacht. Dann hätte er eigentlich eine Geldstrafe bekommen, da er aber sich selber so trottelig verhalten hat, und die meisten Schäden bei sich selber trägt, wäre das Verfahren eingestellt worden."

Nach Betrachtung der Videos rät der Richter Gzuz zu mehr Vorsicht. "Sie müssen aufpassen!", sagt Andreas Müller.

Außerdem legt er dem Rapper ein Anti-Aggressions-Training sowie Sozialstunden im Tierheim nahe, um cooler zu werden und um zu kapieren, dass man mit Tieren vernünftig umgeht.

Titelfoto: ZDF/Benjamin Cierpol, Screenshot/Instagram

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