Wusste das BSI schon eher über Hackerangriff Bescheid? Behörde rudert zurück

Berlin - Nach dem großen Datenklau wird die Kritik an dem Bundesamt für IT-Sicherheit lauter. Die hatten angeben, über den am Freitag breit bekannt gewordenen Datendiebstahl schon seit Dezember informiert gewesen zu sein (TAG24 berichtete). Nun ruderten sie zurück.

Hacker veröffentlichten Daten Hunderter Prominenter und Politiker - selbst von Kanzlerin Angela Merkel.
Hacker veröffentlichten Daten Hunderter Prominenter und Politiker - selbst von Kanzlerin Angela Merkel.

Man sei Anfang Dezember nur von einem einzigen Bundestagsmitglied über fragwürdige Bewegungen auf dessen E-Mail- und Social-Media-Accounts informiert worden. "Zu diesem Zeitpunkt gingen alle Beteiligten von einem Einzelfall aus", erklärte die Behörde am Samstag. Ein Zusammenhang zur Gesamtheit massenweise gestohlener oder veröffentlichter Daten sei erst jetzt im Nachhinein festgestellt worden.

Am Donnerstagabend war bekannt geworden, dass ein Unbekannter über ein Twitter-Konto im Dezember massenweise persönliche Daten veröffentlicht hat, darunter Handynummern und private Chat-Protokolle. Hunderte Politiker sind betroffen, darunter Kanzlerin Angela Merkel (64, CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (63). Auch Daten von Schauspielern, Musikern und Journalisten wurden veröffentlicht.

BSI-Präsident Arne Schönbohm hatte dazu dem Fernsehsender Phoenix am Freitagabend zunächst gesagt: "Wir haben schon sehr frühzeitig im Dezember auch schon mit einzelnen Abgeordneten, die hiervon betroffen waren, dementsprechend gesprochen"

Das war bemerkenswert, weil Kanzleramt und Bundeskriminalamt nach eigenen Angaben erst in der Nacht zu Freitag über die massenweise Daten-Veröffentlichung informiert worden waren.

Mehrere Prominente und Politiker sind von dem Datenklau betroffen. (Bildmontage)
Mehrere Prominente und Politiker sind von dem Datenklau betroffen. (Bildmontage)  © DPA (Bildmontage)

Am Tag darauf erklärte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nun aber mit Blick auf den Fall von Anfang Dezember, von einer geplanten oder erfolgten Veröffentlichung der gestohlenen Daten im Zusammenhang mit dem Twitter-Account "G0d" (@_0rbit) habe man bis zur Nacht zu Freitag "keine Kenntnis" gehabt.

Erst durch das Bekanntwerden der Veröffentlichungen habe dann das BSI "am 4. Januar 2019 diesen und vier weitere Fälle, die dem BSI im Verlauf des Jahres 2018 bekannt geworden sind, in diesen Zusammenhang stellen" können. Auch bei diesen Fällen handelt es sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur um Bundestagsabgeordnete.

Das BSI erklärte weiter, nach bisherigen Erkenntnissen handele es sich überwiegend um Angriffe auf private und persönliche Accounts der Betroffenen. Das BSI sei aber nur zuständig für den Schutz der Regierungsnetze: "Für die Absicherung parteilicher oder privater Kommunikation von Mandatsträgern kann das BSI nur beratend und auf Anfrage unterstützend tätig werden." Über die massenweise Veröffentlichung von Politiker- und Prominenten-Daten war das BSI vom Lagezentrum des Bundesinnenministeriums in Kenntnis gesetzt worden, wie das Ressort von Minister Horst Seehofer (69, CSU) auf Anfrage mitteilte.

Zuvor war das BSI massiv in die Kritik geraten. Von einer womöglich inakzeptablen Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden war die Rede und von einer nötigen kritischen Prüfung. "Gibt es etwas zu verbergen?", fragte Linksfraktionschef Dietmar Bartsch (60).


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