Hässliche Details: Kölner Rizin-Bomber testete "Supergift" an Hamster!

Düsseldorf/Köln - Die Polizei platzte in zwei Kölner Hochhaus-Wohnungen mitten in ein Bomben- und Giftlabor. Der erste Terroranschlag in Deutschland mit einem biologischen Kampfstoff wurde anscheinend knapp vereitelt. Nun stehen die beiden mutmaßlichen Verantwortlichen in Düsseldorf vor Gericht.

Am Freitag begann vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf der Prozess gegen den sogenannten Rizin-Bomber.
Am Freitag begann vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf der Prozess gegen den sogenannten Rizin-Bomber.  © DPA

Der 30 Jahre alte Tunesier und seine 43-jährige deutsche Ehefrau sollen den Anschlag in Deutschland mit dem Bau einer Bombe vorbereitet haben - ermuntert von der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS).

Obwohl sich die beiden Angeklagten beim Prozess-Beginn am Freitag nicht zu den Tat-Vorwürfen und zu ihren Vorleben äußern wollten, konnten die Ermittler bereits einige unappetitliche Details zur geplanten Tat und den Vorbereitungen vorlegen.

In dem 15-stöckigen Hochhaus in Köln-Chorweiler, in dem die Verdächtigen wohnten, hatte die Polizei 84,3 Milligramm des "Supergifts" Rizin und 3150 Rizinus-Samen entdeckt, bestellt über bekannte Shopping-Portale im Internet, bezahlt mit der Kreditkarte der Ehefrau.

Das Gift hätten sie testweise einem Zwerg-Hamster aufgetragen, den sie für diesen Zweck gekauft hätten. Das Tier habe aber überlebt. Auf einer Wiese habe der Angeklagte zudem eine Testsprengung vorgenommen.

Stahlkugeln, Kaffeemühle, Feuerwerk und Rizinus-Samen zum Bombenbau missbraucht

Samen und eine Frucht des Rizinus- oder Wunderstrauchs.
Samen und eine Frucht des Rizinus- oder Wunderstrauchs.  © DPA

"Beide Angeklagte identifizierten sich seit längerer Zeit mit den Zielen des IS. Sie wollten sich dem Dschihad anschließen", sagt die Vertreterin der Bundesanwaltschaft, Verena Bauer.

"Sie entschlossen sich, einen Sprengsatz an einem belebten Ort zu zünden, um möglichst viele Ungläubige zu töten. Der IS empfahl den Einsatz einer Streubombe."

Das Paar habe dazu 250 Stahlkugeln über das Internet bestellt, zudem auffällige Utensilien wie eine elektrische Kaffeemühle und Einzelteile für den Zünder-Bau.

Sprengstoff hätten sie sich über in Deutschland nicht zugelassene Feuerwerks-Körper beschafft. Der Angeklagte Sief Allah H. sei dazu eigens nach Polen gereist.

Das Rizin sollte entweder mit einer Creme auf die Stahlkugeln aufgetragen werden und so in die Blutbahn der Opfer geraten oder sich mit der Explosion als Staub verteilen und eingeatmet werden.

Gutachten geht von rund 100 Todesopfern aus

Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Wohnhaus Osloerstraße 3. Hier soll der Angeklagte biologische Waffen in hergestellt haben.
Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Wohnhaus Osloerstraße 3. Hier soll der Angeklagte biologische Waffen in hergestellt haben.  © DPA

Der Zugriff der Polizei nach dem Tipp eines ausländischen Geheimdienstes beendete das unheimliche Treiben im Juni 2018.

Erst danach bemerkten die Ermittler, wie tief auch Ehefrau Yasmin durch die Funde belastet wird. Sie wird einige Wochen später verhaftet.

Angeleitet worden sei das Paar vermutlich von IS-Kontaktleuten über den Messengerdienst Telegram. Über das Chat-Programm habe der 30-Jährige sogar den Treue-Eid auf den IS-Anführer Abu Bakr Al-Bagdadi abgelegt.

In einem Brief an seine Frau soll der Tunesier später in der U-Haft behauptet haben, mit dem Rizin habe er doch nur sein malades Bein behandeln wollen. "Das Ergebnis unserer Ermittlungen spricht eine ganz andere Sprache. Wir haben objektive Spuren", sagt Oberstaatsanwältin Bauer dazu.

Der Rizin-Anschlag hätte laut Gutachten bis zu 100 Todesopfer gefordert. Beiden Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Bis Ende August hat das Gericht für den Fall zunächst 18 Verhandlungstage anberaumt.

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