Haft wegen Stadionbesuch: Iranische Frau setzt sich in Brand

Tehran - Im Iran dürfen nur die Männer ins Fußball-Stadion gehen und ihre Lieblingsteams anfeuern. Obwohl dies strikt gegen die Regularien der FIFA verstößt. Sahar Khodayari, leidenschaftlicher Fußballfan, versuchte es trotzdem und wurde erwischt.

Das war im März. Und weil ihr daraufhin bis zu zwei Jahren Haftstrafe drohten, setzte sie sich aus Protest in Brand. Sie überlebte es nicht.

Sahar Khoyadari erliegt ihren Verletzungen im Krankenhaus.
Sahar Khoyadari erliegt ihren Verletzungen im Krankenhaus.  © Twitter (Screenshot): Esteghal

Schweigeminuten, wütende Social-Media-Posts, melancholische Kunst und Schreiben an die FIFA - alles in ihrem Andenken.

Die Fußballwelt tobt nach dem Tod von Sahar Khodayari. Das Kollektiv will Veränderungen sehen, denn das Wegsehen hat nach der Selbstverbrennung der Iranerin ein abruptes Ende genommen.

Das "Blue Girl", ihr Spitzname, weil die 29-Jährige ständig die Farben ihres Lieblingsvereins Esteghal getragen hatte, erlag ihren Brandverletzungen am Montagmorgen (Ortszeit 4 Uhr).

Sie hatte sich mit Benzin übergossen und angezündet. Das verursachte Verbrennungen dritten Grades und erhebliche Schäden an der Lunge.

Im März hatte Khodayari versucht, ein AFC Asia Cup Fußballspiel zwischen Esteghal und al-Ain zu besuchen. Iranischen Frauen ist seit der islamischen Revolution 1979 der Stadionbesuch untersagt. Dies gilt jedoch nicht für ausländische Frauen und auch nur bei den Spielen der Männer.

Um sich trotzdem Einlass zu gewähren, verkleidete sich Sahar als Mann. Bei einer Routineuntersuchung wurde sie festgenommen, so Amnesty International.

Aufschrei im Netz: Fußballstars und Fans empört

Sahar lächelt in die Kamera.
Sahar lächelt in die Kamera.  © Twitter (Screenshot): Masih Alinejad

Philip Luther, Amnesty-Anwalt für den Mittleren Osten und Nordafrika sagt: "Amnesty International ist der Ansicht, dass Sahar Khodayari ohne diesen drakonischen Bann noch am Leben wäre und das Trauma ihrer Verhaftung, Inhaftierung und Strafverfolgung dazu führte, das Problem umgehen zu wollen."

Auch Stars wie Jerome Boateng und Magdalena Eriksson äußern auf Twitter Unmut und Trauer.

Am 2. September wurde Sahar vor Gericht die Anklage verlesen. Der Hauptvorwurf: Sie habe "die Sünde begangen", keinen Hijab zu tragen und Offiziere beschimpft zu haben.

Daraufhin wurden weitere Verhandlungstage angesetzt. Wie sich aber auch zeigte, soll die Iranerin eine bipolare Störung gehabt und schon zu Universitätszeiten Suizidversuche unternommen haben.

Die 29-Jährige sah sich jedoch nicht als krank und nahm ihre Medikamente nicht.

Der iranische Sport-Minister erklärte sich übrigens dazu bereit, Frauen im Oktober zu erlauben, ein WM-Qualifikationsspiel anzuschauen, so Reuters. Ob sich die Frauen allerdings wirklich trauen zu kommen, bleibt abzuwarten.

Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, bei der Telefonseelsorge findet Ihr rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummer: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.

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