Neun Monate nach Genschers Tod ist noch immer keine Ehrung in Sicht

Hans-Dietrich Genscher im Oktober 2015 in der Dresdner Frauenkirche.
Hans-Dietrich Genscher im Oktober 2015 in der Dresdner Frauenkirche.  © Marko Förster

Halle/Leipzig - Flughafen, Bahnhofsplatz, Schule oder Straße: Nach dem Tod von Hans-Dietrich Genscher (1927-2016) Ende März gab es in Halle zahlreiche Vorschläge für eine posthume Ehrung.

Den Worten sind in den neun Monaten seit dem Tod des Politikers aber so gut wie keine Taten gefolgt. Die einzige sichtbare Ehrung ist ein gelber Sitz in einem Linienbus. Dieser soll an Genschers liebstes Kleidungsstück, den gelben Pullunder, erinnern.

Der Genscher-Bus ist laut den Stadtwerken vor allem in Genschers Geburtsort Reideburg im Einsatz. Weitere Ehrungen stecken in der Pipeline - oder sind ganz vom Tisch.

Klar ist inzwischen: Der Flughafen Leipzig-Halle wird doch nicht nach dem großen Liberalen umbenannt. Es gebe keine entsprechenden Planungen, teilte ein Sprecher der Sächsischen Staatskanzlei der Deutschen Presse-Agentur mit. Der Freistaat ist größter Gesellschafter.

Nach dem Tod Genschers hatte die FDP in Sachsen-Anhalt die Flughafen-Idee vorgeschlagen. Die FDP bleibt aber dran, wie der Landesvorsitzende Frank Sitta (38) sagte. In einem Brief an den Aufsichtsrat der Mitteldeutschen Airport Holding solle nochmals die Bedeutung Genschers für die Region unterstrichen werden. "Wir können nur darum bitten, es aber nicht in Gang setzen", sagte Sitta.

Der Landesvorsitzende der FDP in Sachsen-Anhalt, Frank Sitta.
Der Landesvorsitzende der FDP in Sachsen-Anhalt, Frank Sitta.  © DPA

Unterdessen hat die Stadt Halle eine Entscheidung über die Würdigung ihres Ehrenbürgers zuletzt verschoben.

Bei der letzten Stadtratssitzung in diesem Jahr wurde die Dringlichkeitsvorlage des Oberbürgermeisters Bernd Wiegand (parteilos) nicht auf die Tagesordnung genommen, teilte Stadtsprecher Drago Bock mit.

Halles OB hatte sich in der Vorlage für eine Umbenennung des Bahnhofsplatzes in Hans-Dietrich-Genscher-Platz ausgesprochen. "Die Beschlussvorlage wurde vom Stadtrat in den Kulturausschuss und den Bildungsausschuss zur Beratung verwiesen", erklärte Bock.

Auch bei der Namensänderung des Herder-Gymnasiums, das Genscher einst als Schüler besucht hatte, sei es zu keinen Fortschritten gekommen. Ebenso bei der Delitzscher Straße: Weil diese vom Hauptbahnhof zu Genschers Geburtsort Reideburg führt, gab es auch hier Befürworter für eine Genscher-Straße. "Inwiefern die Umbenennung der Delitzscher Straße eine Rolle spielt, wird die Beratung in den Ausschüssen zeigen", sagte Bock.

Auf welche Weise die Stadt Halle ihren Ehrenbürger würdigt, wird demnach frühestens bei der nächsten Stadtratssitzung beschlossen. Diese ist für den 25. Januar 2017 angesetzt.

Und wie reagieren die Bürger auf die bislang einzige sichtbare Ehrung Genschers mit dem gelben Sitz ganz vorn im Bus? "Reaktionen auf den gelben Sitz im Genscher-Bus konnten unsere Fahrer bisher nicht feststellen", sagte Stadtwerke-Sprecherin Iris Rudolph. Er werde aber auf jeden Fall gerne genutzt.

Hans-Dietrich Genscher (1927-2016).
Hans-Dietrich Genscher (1927-2016).  © DPA

Titelfoto: DPA


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