Mit über 20.000 Euro abgetaucht: Wann wird der Ex-Hotelmanager geschnappt?

Halle (Saale)/Warschau - Auch über zwei Jahren auf der Flucht vor seinem Ex-Arbeitgeber und der Justiz konnte ein ehemaliger Hotelmanager wegen Untreue und Unterschlagung noch immer nicht dingfest gemacht werden. Wie Damian Kamil K. (27) dem Strafbefehl entkam und wann die Verjährungsfrist abläuft, hat TAG24 in Erfahrung gebracht.

Damian Kamil K. (27) wird seit zwei Jahren per Strafbefehl gesucht.
Damian Kamil K. (27) wird seit zwei Jahren per Strafbefehl gesucht.  © privat

Zwischen 2015 und 2016 war Damian Kamil K. für rund eineinhalb Jahre Manager im Dormero Hotel in Halle (Saale). Der Vorfall, wegen dem er seit Jahren gesucht wird, datiert aus dem September 2016. Er wurde daraufhin angeklagt.

Dem in Polen geborenen Angeklagten wird zur Last gelegt, "Betriebsgelder entgegen ausdrücklicher Anweisung nicht abgerechnet, sondern sie für sich verwendet zu haben", teilte Werner Budtke, Richter und Sprecher am Amtsgericht Halle, auf TAG24-Anfrage mit.

Den Angaben der Anklage zufolge soll es sich um Tageseinnahmen aus einem Konzert in Höhe von 716,60 Euro sowie weiteren Einnahmen aus einer Tanzveranstaltung in Höhe von 10.758,30 Euro und 600 Euro Wechselgeld gehandelt haben. Zudem habe er einen Fernseher im Wert von 909 Euro aus dem ihm als Wohnung überlassenen Hotelzimmer mitgehen lassen und behalten.

Tobias Graf, Pressesprecher der Dormero-Hotels, teilte TAG24 gar eine fehlende Gesamtsumme in Höhe von "etwas über 20.000 Euro" mit. "Es kann natürlich sein, dass es weitere Vorfälle gab, die nicht zur Anzeige gelangt oder nicht Gegenstand der Anklage geworden sind", so Amtsgerichts-Sprecher Werner Budtke.

Es sei ein Grundkodex, dass man in der Hotellerie von gegenseitigem Vertrauen und Respekt lebt, so Graf. "Es war ein großer Schock, da Herr K. trotz seines sehr jungen Alters die Möglichkeit bekommen hatte, ein so traditionsreiches und angesehenes Hotel zu führen - dass man solch eine Chance wegwirft aus reiner Gier heraus hat viele, vor allem junge Kollegen, die von einer steilen Karriere träumen, verärgert."

Ein Fall mit weitreichenden Folgen für die gesamte Hotelkette: Aufgrund dieser Vorkommnisse wurde eine jährliche Vorlagepflicht der polizeilichen Führungszeugnisse eingeführt.

Einer von 1,8 Millionen...

Frühestens 2022 verjährt der Fall. Wird der Beschuldigte bis dahin endlich geschnappt?
Frühestens 2022 verjährt der Fall. Wird der Beschuldigte bis dahin endlich geschnappt?  © privat

Damian Kamil K. sei nicht zum Hauptverhandlungstermin am 21. November 2017 erschienen, bestätigte Amtsgerichts-Sprecher Werner Budtke.

Der Strafrichter sei daher "gemäß § 408a StPO in das Strafbefehlsverfahren übergegangen, hat mit Strafbefehl eine Geldstrafe festgesetzt und die Einziehung des Wertersatzes in Höhe der erlangten Beträge angeordnet."

Allerdings konnte der Strafbefehl "aufgrund des unbekannten Aufenthaltsortes des Angeklagten" nicht zugestellt werden. Das Verfahren ist seitdem nicht rechtskräftig abgeschlossen. Auch die in der Anklage verankerten Vorwürfe sind noch nicht rechtskräftig festgestellt worden. Budtke: "Es gilt deshalb weiterhin die Unschuldsvermutung."

Man fahnde nach wie vor nach dem Aufenthaltsort des 27-Jährigen. Seit rund zwei Jahren. Wohlwissend, dass sich der Beschuldigte nach TAG24-Informationen seit Monaten in Warschau aufhält und dort auch wohnhaft zu sein scheint. Dennoch scheint seine Adresse seitdem nicht in Erfahrung gebracht worden sein. K. ist in der polnischen Hauptstadt unter knapp 1,8 Millionen anderen untergetaucht. Mehr oder weniger. Denn bei Instagram postet er regelmäßig seinen aktuellen Standort.

Wann der Fall verjährt

Fünf Jahre beträgt die Verjährungsfrist. Diese sei aktuell derzeit "wegen der durch den unbekannten Aufenthalt bedingten Einstellung des Verfahrens unterbrochen", so Werner Budtke. Dadurch begann die Verjährungsfrist erneut.

Ab Beginn der Einstellung nach § 205 StPO würde die Verjährung frühestens im Jahr 2022 eintreten. Sollte der Aufenthaltsort des Beschuldigten ermittelt und das Verfahren fortgesetzt werden, beginnt die Frist wieder neu für fünf Jahre. Budtke: "Maximal beträgt die Verjährungsfrist aber zehn Jahre seit der Tatbegehung."

Mehr zum Thema Leipzig Crime:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0