Jahrelange Haftstrafe für Ex-"Mister Germany" wegen versuchten Mordes

Halle (Saale) - Im sogenannten Reichsbürger-Prozess von Halle hat der Angeklagte erneut seine Unschuld beteuert.

Der ehemals schönste Mann Deutschlands, Adrian Ursache (44), steht seit Oktober 2017 wegen des Verdachts des versuchten Mordes vor Gericht.
Der ehemals schönste Mann Deutschlands, Adrian Ursache (44), steht seit Oktober 2017 wegen des Verdachts des versuchten Mordes vor Gericht.  © dpa/Hendrik Schmidt

Er habe nicht auf einen SEK-Beamten geschossen, sagte der 44-jährige frühere "Mister Germany" Adrian Ursache am Mittwoch vor dem Landgericht Halle in seinem mehrstündigen Schlusswort. "Das kann sich so wie angeklagt auch nicht zugetragen haben."

Die Staatsanwaltschaft hatte für Ursache acht Jahre Haft wegen versuchten Mordes gefordert, die Verteidigung auf Freispruch plädiert. Der Prozess dauert seit Oktober 2017. Wann das Urteil gesprochen wird, blieb offen.

Ursache soll laut Anklage auf seinem Grundstück in Reuden (Burgenlandkreis) im August 2016 gezielt mit einem Revolver auf den SEK-Beamten geschossen haben (TAG24 berichtete). Der Polizist wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft nur wegen seiner Schutzkleidung vor dem sicheren Tod bewahrt. Er sei am Hals verletzt worden.

Das Spezialeinsatzkommando war laut Anklage zur Unterstützung der Gerichtsvollzieher bei der Zwangsräumung von Ursaches Grundstück angefordert worden. Dabei fielen Schüsse. Ursache selbst wurde schwer verletzt. Das Grundstück bezeichnete Ursache als seinen Staat "Ur".

Der Verfassungsschutz rechnet Ursache den sogenannten Reichsbürgern zu. Diese sprechen dem Grundgesetz und den Behörden die Legitimität ab. Die Bewegung wird bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet und ist teilweise gewaltbereit.

Ursache beteuerte erneut, er sei kein "Reichsbürger". Er sei Deutscher und poche auf seine Grundrechte, sagte er und bezog sich auf das Grundgesetz. Dem Gericht und der Staatsanwaltschaft warf er auch am 56. Verhandlungstag vor, nicht fair und unabhängig zu sein.

UPDATE, 22 Uhr: Das Landgericht Halle hat Adrian Ursache wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Die Richter sahen es am Mittwoch als erwiesen an, dass der frühere Mister Germany Adrian Ursache bei der Zwangsräumung seines Grundstückes 2016 in Reuden in Sachsen-Anhalt auf einen SEK-Beamten geschossen hatte. Nur dank seiner Schutzkleidung sei der Polizist nicht getötet worden, hieß es zur Begründung.

Das Gericht blieb mit dem Strafmaß unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die acht Jahre Haft gefordert hatte. Die Verteidigung hatte einen Freispruch vom Vorwurf des versuchten Mordes verlangt. Die Anwälte plädierten auf eine Verurteilung wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. Ursache hatte die Vorwürfe der Anklage an allen 56 Verhandlungstagen bestritten.

Die Sicherheitsbehörden rechnen den 44-Jährigen den sogenannten Reichsbürgern zu. Diese sprechen dem Grundgesetz und den Behörden die Legitimität ab. Die Bewegung wird bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet und ist teilweise gewaltbereit. Ursache bestreitet, ein "Reichsbürger zu sein.

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