Fäkalien-Werfer im Hambacher Forst gibt auf!

Köln/Hambacher Forst - Die Polizei will einen mutmaßlichen Fäkalienwerfer von einem Baumhaus im Hambacher Forst holen. Der Bereich, in dem sich mehrere Baumhäuser befinden, wurde abgesperrt, wie eine Polizeisprecherin am Dienstag sagte. Der verdächtige Mann soll am Montag Fäkalien auf RWE-Mitarbeiter geworfen haben.

Die Polizei am Montag im Hambacher Forst.
Die Polizei am Montag im Hambacher Forst.  © DPA

Die Person stehe im Verdacht, eine Straftat begangen zu haben. "Wir geben ihr noch mal die Möglichkeit, freiwillig herunterzukommen", sagte die Sprecherin.

Andernfalls werde die Polizei in das Baumhaus gehen und die Person von dort herunterholen, um die Personalien festzustellen.

Die Polizei ist seit Montag im Hambacher Forst im Einsatz.

Zunächst ging es darum, Mitarbeiter des Energiekonzerns RWE bei Aufräumarbeiten in dem Wald am Braunkohletagebau zu schützen.

Dabei kam es zu mehreren Zwischenfällen. Ein RWE-Mitarbeiter sei von einem vermummten Baumhaus-Bewohner mit Fäkalien beworfen worden, berichtete die Polizei.

Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung erwirkte die Staatsanwaltschaft Aachen einen Durchsuchungsbeschluss für das betreffende Baumhaus. "Die Polizei forderte den Tatverdächtigen mehrfach auf, das Baumhaus freiwillig zu verlassen", hieß es. Bis zum Dienstagmorgen habe die Person dies nicht getan. Die Polizei bewachte den Bereich die ganze Nacht über.

Die Aktion Unterholz von Klimaaktivisten warf der Polizei am Montag während der Aufräumarbeiten per Twitter Provokation vor.

In einer Pressemitteilung forderten die Aktivisten den sofortigen Stopp der Polizeiarbeiten im Hambacher Forst. RWE holte unter Polizeischutz Müll aus dem Wald, wie die Beamten mitteilten.

Update, 12.21 Uhr: Polizei hält verdächtige Person fest

Die Polizei hat im Hambacher Forst einen seit gestern gesuchten Fäkalienwerfer wahrscheinlich gefasst. "Es deutet alles darauf hin, dass die Person das ist", sagte ein Polizeisprecher.

Der Mann, der sich zuvor von einem Baumhaus abgeseilt hatte, werde zur Identitätsfeststellung festgehalten und ins Aachener Polizeipräsidium gebracht. Es gebe eine Täterbeschreibung, die nun abgeglichen werde.

Update, 11.24 Uhr: Person seilt sich ab

Ein Vermummter geht mit Polizisten zur Überprüfung der Personalien zu einem Einsatzfahrzeug.
Ein Vermummter geht mit Polizisten zur Überprüfung der Personalien zu einem Einsatzfahrzeug.

Um zu der Person im Baumhaus zu gelangen, hatte die Polizei per Twitter angekündigt, Bäume fällen zu müssen.

Bei dem Polizeieinsatz hat sich eine Person von einem Baumhaus abgeseilt. Sie sei zu einem Einsatzwagen mitgenommen worden, um die Personalien festzustellen, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Dabei handelt es sich um einen Mann, wie eine dpa-Reporterin berichtete.

Er hatte das Baumhaus in dem Moment verlassen, als eine Säge aufheulte. Die Polizei hatte zuvor angekündigt, für den Fall, dass der Gesuchte nicht freiwillig herunterkomme, schweres Gerät in den Wald zu schaffen und dafür Bäume zu fällen.

Nachdem sich der Mann abgeseilt hatte, wurden die Fällarbeiten zunächst gestoppt - zuvor war mindestens ein Baum gefällt worden. "Wir müssen abklären: Ist das die Person, die wir suchen?", sagte der Sprecher.

Ein Vermummter seilt sich von einem Baumhaus ab.
Ein Vermummter seilt sich von einem Baumhaus ab.  © DPA

Hambacher Forst könnte noch Milliarden kosten

RWE-Mitarbeiter räumten Müll und Zeug der Besetzer aus dem Naturwald.
RWE-Mitarbeiter räumten Müll und Zeug der Besetzer aus dem Naturwald.  © DPA

Nach Einschätzung des Energiekonzerns RWE würde der Erhalt des umkämpften Hambacher Forsts im Rheinischen Revier Milliarden kosten.

Sollte der Wald erhalten bleiben, müssten komplexe Fragen zu Standsicherung der Böschungen, Abraum, Wasserwirtschaft und der Nutzung nach Ende des Tagebaus neu geklärt werden, sagte RWE-Vorstand Lars Kulik in Erkelenz.

So könne beispielsweise der geplante Restsee nicht an der geplanten Stelle liegen. "Ich geh mal davon aus, dass wir in die Milliarden reinkommen", sagte Kulik auf die Frage, was der Erhalt des Waldes kosten würde.

Der Konzern prüfe weiterhin, ob der Erhalt des Waldes bergtechnisch überhaupt möglich sei. Umweltverbände bejahen dies.

Die Kosten würden durch das dann notwendige neue Tagebaukonzept entstehen, sagte eine RWE-Sprecherin am Donnerstag. Dieser Aufwand sei in die Kompensation von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro pro Gigawatt abgeschalteter Leistung, die das Unternehmen schon zuvor in den Raum gestellt hatte, eingerechnet.

RWE wollte den Wald roden, um die darunter liegende Braunkohle zu fördern. RWE spricht von 200 Hektar, Umweltverbände von 500 Hektar verbliebenem Wald. Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hatte es als wünschenswert bezeichnet, den Hambacher Forst zu erhalten. Der Wald am Tagebau Hambach ist zum Symbol des Widerstands von Umweltschützern gegen die Braunkohleverstromung geworden.

Hier wird der verdächtige Mann von der Polizei abgeführt.
Hier wird der verdächtige Mann von der Polizei abgeführt.  © Horst Konopke
Die Polizei muss RWE-Mitarbeiter vor Besetzern im Hambacher Forst schützen.
Die Polizei muss RWE-Mitarbeiter vor Besetzern im Hambacher Forst schützen.  © DPA

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