Protestcamp im Hambacher Forst: Diese Waffen fand die Polizei

Hambach - Nach der Razzia im Protestcamp am Hambacher Forst (NRW) hat die Polizei Bilanz gezogen und etliche Waffen und andere Funde präsentiert.

Die Polizei hatte am Dienstag ein Aktivisten-Camp am Hambacher Forst durchforstet.
Die Polizei hatte am Dienstag ein Aktivisten-Camp am Hambacher Forst durchforstet.  © DPA

Am Dienstagmorgen war die Polizei mit mehreren Hundertschaften angerückt, hatte das Camp auf Antrag der Staatsanwaltschaft durchforstet.

Am Dienstagabend folgte die Bilanz des Tages: 40 Personen wurden kontrolliert, davon 21 kurzzeitig in Gewahrsam genommen.

Drei Aktivisten wurden vorläufig festgenommen, einer davon wurde per Haftbefehl gesucht.

Im Camp fanden die Beamten etliche gefährliche Gegenstände, darunter mehrere Zwillen, Hieb- und Stichwaffen, eine Kiste Krähenfüße, einen Nagelgurt und Pyrotechnik.

Nach Angaben der Polizei fanden die Ermittler auch einige tiefe Löcher die als mögliches Tunnelsystem gedacht waren. Die Löcher wurden mit Beton verfüllt.

Mitarbeiter des Umweltamtes Düren waren ebenfalls vor Ort und mussten laut Polizei eine großflächige Vermüllung im Bereich des Wiesencamps feststellen. Das Umweltamt prüfe jetzt weitere Schritte.

Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach begründete das massive Kräfte-Aufgebot mit einer Gewalteskalation innerhalb einer Woche.

Umweltschützer machen dagegen die Rodungspläne von RWE noch während der laufenden Gespräche über die Braunkohle in der Berliner Kommission für die Spannungen verantwortlich.

Die Braunkohle kritische Bürgerinitiative Buirer für Buir erklärte, die aktuelle Eskalation könnte sogar zu einer Räumung der Baumhäuser im Hambacher Wald aus Sicherheitsgründen und damit zum Fällen vieler Bäume führen, damit die Polizei mit schweren Fahrzeugen überhaupt in den Wald käme.

"Dann hätte RWE das Ziel erreicht und im Herzstück des Waldes würde bereits vor dem 1. Oktober gerodet", sagte Sprecher Andreas Büttgen.

Braunkohle-Kommission tagt

Beegleitet von Demonstrationen tagt an diesem Mittwoch (10.00 Uhr) in Berlin zum vierten Mal die Kommission für die Vorbereitung des Kohleausstiegs.

Schon im Oktober sollen erste Ergebnisse vorliegen - aber der erbitterte Streit um die Rodung des Hambacher Forsts in Nordrhein-Westfalen belastet die Verhandlungen über einen Weg aus der Kohlestrom-Produktion und den Strukturwandel in den betroffenen Regionen.

Zum Auftakt der Sitzung hat die Initiative Campact Proteste gegen die vom Energiekonzern RWE geplante Abholzung vor dem Bundeswirtschaftsministerium angekündigt.

Update, 12.57 Uhr: Aktivisten werfen Polizei Willkür vor

Nach der Durchsuchungsaktion in einem Camp im Hambacher Forst haben Aktivisten der Polizei Willkür vorgeworfen. "Wir sprechen von Willkür, weil sich die Polizei auf Befehl der Landesregierung zum Erfüllungsgehilfen von RWE macht", sagte Daniel Hofinger von der Aktion Unterholz am Mittwoch.

Die Polizei wolle mit ihrer Einsatztaktik die Aktivisten vor Ort zermürben und den Baggern von RWE das Feld bereiten, argumentierte Hofinger.

"Da hat die Polizei gestern ein Brotmesser, einen Hammer und einen Benzinkanister gefunden. Und auf einmal ist das Material zum Bau von Molotowcocktails und anderen Vorrichtungen. Dafür waren die Gegenstände nie geplant", sagte der Aktivist.

Die Polizei fand in dem Camp unter anderem diesen Nagelgurt.
Die Polizei fand in dem Camp unter anderem diesen Nagelgurt.  © Polizei Aachen
Eie selbstgebaute Zwille.
Eie selbstgebaute Zwille.  © DPA
Eine weitere Zwille, die im Camp gefunden wurde.
Eine weitere Zwille, die im Camp gefunden wurde.  © Polizei Aachen

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