Skandal um Bahnhofsdurchsage: Stimme warnt "deutsche Fahrgäste" vor "muslimischem Anschlag"

Hamburg – Das schreckliche Todes-Drama um einen Achtjährigen am Frankfurter Hauptbahnhof schockiert nicht nur ganz Deutschland, sondern hinterlässt auch seine Spuren. In Hamburg wollen Fahrgäste am Bahnhof nun eine verstörende Durchsage gehört haben.

Menschen gedenken dem Achtjährigen am Frankfurter Hauptbahnhof.
Menschen gedenken dem Achtjährigen am Frankfurter Hauptbahnhof.  © DPA/Arne Dedert

Die furchtbare Bluttat von Montag am Frankfurter Bahnhof dominiert derzeit die Nachrichten. Ein Mann schubste eine Mutter und ihren achtjährigen Sohn vor einen einfahrenden ICE. Die Mutter überlebte verletzt, der Junge starb noch vor Ort.

Für die AfD und andere rechte Hetzer wurde der Fall zum gefundenen Fressen, als bekannt wurde, dass der 40-jährige Frankfurter ursprünglich aus Eritrea stammt.

Der Polizei lagen allerdings keine Hinweise auf eine Radikalisierung des Täters vor, vielmehr soll er psychisch krank gewesen sein.

Auch in Hamburg hat die Tragödie ihre Spuren hinterlassen. So wollen Zeugen am Bahnhof Altona gehört haben, wie "deutsche Fahrgäste" gebeten wurde, ihre Kinder an die Hand zu nehmen, um einen "weiteren muslimischen Anschlag" zu verhindern.

Zeugin Anna-Lena erinnert sich noch ganz genau an die Durchsage, wie sie gegenüber NEON berichtete: "Es kam eine Ansage, die deutlich lauter war als normal und anfing mit den Worten 'Dies ist eine Durchsage an alle deutschen Fahrgäste!'", erzählt sie.

Ebenso verstörend ging es weiter: "Er sagte, man solle sich hinter der Sicherheitslinie aufhalten und am Besten sicherheitshalber zur Mitte des Bahnsteigs gehen und Kinder an die Hand nehmen. Und wenn einem die Person, die neben einem steht, nicht 'geheuer' erscheint, solle man weitergehen, damit 'ein weiterer muslimischer Anschlag vermieden wird'", so die 29-Jährige.

Sie sei völlig fassungslos gewesen, vor allem über die Annahme, dass es sich um einen muslimischen Anschlag gehandelt habe: "Es ist doch ganz offensichtlich, dass der Mann psychisch krank war", stellt Anna-Lena klar.

Das sagt die Deutsche Bahn

© DPA/Arne Dedert

Die Deutsche Bahn distanziert sich ganz klar von der rassistischen Durchsage, denn: Sie sei nicht offiziell gewesen!

"Die geschilderten Durchsagen gestern (30.7.) gegen 13 Uhr am S-Bahnsteig in Altona stammten von einer Privatperson. DB Sicherheit hat den Fall zur weiteren Ermittlung an die Bundespolizei übergeben", teile das Unternehmen mit.

"Die von Zeugen wiedergegebenen rassistischen Botschaften der Durchsage werden von der DB auf das Schärfste verurteilt. Die Deutsche Bahn steht für gesellschaftliche Vielfalt, Toleranz und gegenseitigen Respekt. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit widersprechen unseren Unternehmenswerten", so die Deutsche Bahn. Die Bundespolizei ermittelt nun in dem Fall.

Journalistin und Influencerin Aminata Belli hatte zuerst auf den Vorfall aufmerksam gemacht und sich auch im Nachgang auf Instagram geäußert. "Erklärt euren Mitmenschen, die sich bei Merkel dafür bedanken wollen, dass dieser kleine Junge sein Leben verloren hat, dass das nichts mit der Wilkommenskultur zutun hat. Der Täter war seit 2006 in der Schweiz", schreibt sie.

Weiter meint Belli: "Ich kann genauso von einem Irren vor den Zug geworfen werden, wie von einem Rechtsextremen angeschossen zu werden. Böser Mensch ist böser Mensch, das hat nichts mit der Herkunft zutun!!!"

Erst vor rund einer Woche ist in Hessen ein junger Eritreer angeschossen worden (TAG24 berichtete). Auch wenn die Polizei von einem rassistischen Motiv ausgeht, sei das öffentliche Interesse laut Belli nicht groß. "Deshalb muss man (...) so lange was sagen und darauf zeigen, bis alle was merken, fordert sie.

Titelfoto: DPA/Arne Dedert

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