Bakery Jatta: HSV soll seit Jahren von Identitäts-Rätsel gewusst haben!

Hamburg – Der Skandal um HSV-Profi Bakery Jatta sorgt derzeit für viel Wirbel. Auch Lothar Kannenberg, Entdecker des Fußball-Talents in Deutschland, hat Zweifel an der Identität des Gambiers.

Nach Vorwürfen um falsche Identität: Bakery Jatta versteckt sich im Training nicht.
Nach Vorwürfen um falsche Identität: Bakery Jatta versteckt sich im Training nicht.  © dpa/Christian Charisius

"Wir hatten alle Zweifel, ob er nicht älter als 17 sein könnte", sagte Kannenberg über den Spieler, der im Sommer 2015 nach Bremen gekommen war, der Bild-Zeitung am Freitag.

Er wünsche sich, "dass er alles von sich aus aufklärt. Er kann nur Leistung bringen, wenn alles abgehakt ist. So eine Belastung behindert ihn."

Der ehemalige Leiter der mittlerweile geschlossenen Bremer Jugendhilfeeinrichtung betonte, Jatta habe bei seiner Ankunft einen gambischen Pass besessen.

"Die Stadt Bremen hat seine Identität überprüft und ihn dann an uns vermittelt, darauf haben wir uns natürlich verlassen", so Kannenberg.

Der frühere Amateurboxer berichtete, Jatta habe erzählt, dass er vor der Flucht Familienmitglieder in seiner Heimat verloren und jetzt niemanden mehr habe. "Er kam nach Deutschland, um ein neues Leben anzufangen."

Nach einem halben Jahr in Bremen erhielt der Offensivspieler beim Hamburger SV einen Vertrag und gehört nunmehr zu den Leistungsträgern beim Zweitligisten.

Laut einem Bericht der "Sport Bild" soll es Zweifel an Jattas Identität geben. Das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte prüft den Fall.

Update, 12 Uhr: Wusste der HSV von falscher Identität?

Laut Berichten von "Spiegel Online" soll der HSV bereits seit 3,5 Jahren von Jattas zweifelhafter Identität gewusst haben.

Der Spiegel beruft sich dabei auf Dokumente der Enthüllungsplattform "Football Leaks", wonach ein Spielberater bereits am 18. Januar 2016 einen HSV-Mitarbeiter darauf hingewiesen haben soll, dass Jattas richtiger Name "Bakary Daffeh" sei. Das habe er aus "verlässlichen Quellen" aus Gambia erfahren.

Ein HSV-Mitarbeiter sei dem Hinweis nachgegangen, habe aber keine Beweise gefunden. In einer Mail Ende Januar soll er jedoch geäußert haben, "dass es sich bei dem Spieler tatsächlich um Bakary Daffeh handeln könnte."

Die neuen Vermutungen lassen den HSV nicht gut dastehen. Immer wieder hatte der Verein geäußert, voll und ganz hinter seinem Spieler zu stehen. Auch Sportvorstand Jonas Boldt (37) meinte erst kürzlich: "Baka hat uns gegenüber die Korrektheit seiner Passangaben noch einmal bestätigt."

Update, 15.30 Uhr: Entlastung für Jatta

Mittlerweile sind neue Details an die Öffentlichkeit gelangt, die Bakery Jatta entlasten. Zum Einen bestätigte der Gambische Fußballverband beim Transfer von Jatta zum HSV die Identität des Spieler auf der offiziellen Fifa-Plattform "Transfer Matching System".

Zum Anderen berichtet das Abendblatt, das Jatta zunächst zwar ohne gültigen Reisepass aus Gambia nach Deutschland reist, er sich im Sommer 2015 in Bremen aber sehr um das Vorlegen eines Ausweisdokumentes kümmerte.

Im Januar 2016 bekam Jatta schließlich in seiner Heimat Gambia einen neuen Pass, den er von Familienangehörigen zugeschickt bekommen haben soll. Nach Abendblatt-Informationen überprüfte das Bremer Migrationsamt die Echtheit, die das Honorargeneralkonsulat der Republik Gambia in Köln bestätigte.

Aus Verwaltungskreisen würde es heißen: "Es wäre sicherlich auch schwieriger, jemanden von Deutschland aus zu bestechen, damit er falsche Angaben in einen legitimen Reisepass einträgt. Auszuschließen ist es dennoch nicht."

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