Schüsse bei Überfall: Wollte der Rentner-Bankräuber einen Angestellten töten?

Hamburg – Der Prozess gegen einen 70-jährigen Bankräuber geht in die nächste Runde: Am Montag um 11 Uhr soll vor dem Hamburger Landgericht ein Arzt zur Schussverletzung eines Sparkassen-Angestellten aussagen.

Michael Jauernik gestikuliert vor den Journalisten.
Michael Jauernik gestikuliert vor den Journalisten.  © DPA/ Daniel Bockwoldt

Der Schuss des Angeklagten auf den damals 45-Jährigen sei potenziell lebensgefährlich gewesen, hat bereits ein Rechtsmediziner vor Gericht erklärt.

Eine akute Lebensgefahr habe aber nicht bestanden. Nun soll der Mediziner aussagen, der den Angestellten nach dem Überfall am 12. Januar 2017 durch eine Notoperation rettete.

Dem 70-Jährigen werden insgesamt drei Überfälle auf Hamburger Sparkassen vorgeworfen, bei denen er rund 25.000 Euro erbeutete.

In der Anklage geht es nicht nur um schwere räuberische Erpressung, sondern auch um den Vorwurf des versuchten Mordes. Der 70-Jährige hat die Überfälle und auch den Schuss zugegeben, eine Tötungsabsicht aber bestritten.

Nach Möglichkeit will die Strafkammer am Montag auch einen psychiatrischen Sachverständigen anhören.

Update, 15 Uhr

Der 70-Jährige soll für eine Serie von Banküberfällen verantwortlich sein.
Der 70-Jährige soll für eine Serie von Banküberfällen verantwortlich sein.  © DPA/ Daniel Bockwoldt

Der vor Gericht stehende Bankräuber Michael Jauernik gab im Privatleben offenbar den Gentleman. "Er war immer sehr höflich und freundlich und nett", sagte ein ehemaliger Vermieter am Montag als Zeuge.

Der Angeklagte habe zusammen mit seiner Mutter in der Hamburger Wohnung gelebt und seine Miete immer pünktlich in bar bezahlt. 2001 oder 2002 seien die beiden nach Kiel gezogen.

Von den Vorstrafen seines Mieters als Bankräuber habe er gewusst, sagte der 94-jährige ehemalige Angestellte und selbstständige Taxiunternehmer. Der Angeklagte habe ihm damals aber gesagt, er habe seine Strafe abgesessen und sei "sauber".

Eine Schülerin, die den Überfall vom 12. Januar 2017 auf die Hamburger Sparkasse in der Holstenstraße miterlebte, hatte den Angeklagten von einer ganz anderen Seite kennengelernt.

Sie hatte Todesangst, als der Täter auf einen Angestellten schoss. Sie zitterte nach der Tat am ganzen Körper, wie sie laut verlesenem Protokoll in einer vorhergehenden Gerichtsverhandlung berichtet hatte.

Am Tag nach der Tat war sie in der Schule zusammengebrochen.

Titelfoto: DPA/ Daniel Bockwoldt

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