Ewald Lienen: Neymar-Transfer hat alle Relationen gesprengt

Hamburg - Ewald Lienen ist ein Mann klarer Worte. Der ehemalige Trainer und heutige Technische Direktor vom FC St. Pauli kritisierte im April Deutschland als "Jammer-Nation" (TAG24 berichtete).

Ewald Lienen wütet nicht nur gegen die Politik und gesellschaftliche Entwicklungen, auch als Trainer war er an der Seitenlinie sehr impulsiv.
Ewald Lienen wütet nicht nur gegen die Politik und gesellschaftliche Entwicklungen, auch als Trainer war er an der Seitenlinie sehr impulsiv.  © DPA

Nun hat sich der 65-Jährige wieder dem Fußball gewidmet und die absurden Ablösesummen im Profi-Fußball kritisiert.

Der 222-Millionen-Euro-Transfer des brasilianischen Superstars Neymar 2017 vom FC Barcelona zu Paris St. Germain habe nach seiner Ansicht dem Fußball massiv geschadet.

"Die Ablösesumme ist schlicht und ergreifend obszön. Damit sind doch alle Relationen gesprengt worden, jeder dritte Spieler kostet jetzt 40 bis 80 Millionen Euro", sagte Lienen im Interview mit der Rheinischen Post.

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Paris St. Germain sorgte mit dem Neymar-Transfer für einen Rekord, noch nie legte ein Verein so viel Geld für einen Spieler auf den Tisch. Das Problem des ganzen Ablöse-Wahnsinns liege seines Erachtens in Spanien, sagte Lienen.

Dort schreibt ein Gesetz vor, dass jeder Spieler eine Klausel in seinem Vertrag haben muss, mit der er sich freikaufen kann.

Neymar wechselte 2017 für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris St. Germain.
Neymar wechselte 2017 für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris St. Germain.  © DPA

Bei Neymar wurde eine Fabel-Summe formuliert, bei der niemand glaubte, dass sie jemals ein Verein bezahlen werden - bis der Scheich-Club aus Paris kam.

"Es muss Grenzen geben, da sind die Clubs und die Verbände gefordert, dem Einheit zu gebieten", forderte der ehemalige Bundesliga-Spieler.

Beim Thema Investoren sieht Lienen die deutschen Clubs in der Verantwortung. Im Idealfall bringt ein Investor einen Verein voran. Aber die Clubs müssten ihre Eigenständigkeit bewahren.

"Die kann allerdings auch verloren gehen, wenn ein Club nur 25 Prozent seiner Anteile abgibt, wenn er sich dabei total abhängig macht von einem Investor, siehe den Hamburger SV", sagte Lienen auch mit Blick auf den Einstieg des Investors Lars Windhorst bei Hertha BSC.

Windhorst hatte in der Vorwoche für 125 Millionen Euro zunächst 37,5 Prozent der Anteile an der Profi-Abteilung des Hauptstadt-Clubs gekauft.

Der FC St. Pauli hingegen versuche, in allen Bereichen nachhaltig zu sein, sagte Lienen.

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