Luhukay legt bei St. Pauli los: "Noch ist in der Tabelle alles möglich"

Hamburg - Jos Luhukay steht bereit! Nur einen Tag nach der Entlassung von Markus Kauczinski (TAG24 berichtete) präsentierte Fußball-Zweitligist FC St. Pauli am Donnerstag den Niederländer Lukukay als neuen Trainer.

Jos Luhukay nimmt als neuer Trainer des FC St. Pauli das Millerntorstadion unter die Lupe.
Jos Luhukay nimmt als neuer Trainer des FC St. Pauli das Millerntorstadion unter die Lupe.  © TAG24/Robert Stoll

"Alles ist sehr schnell gegangen, es kam unerwartet", gestand Jos Luhukay. "Aber der Fußball ist unberechenbar."

Der neue Trainer des FC St. Pauli brauchte nur einen Tag, um sich für seine neue Aufgabe zu begeistern. "Ich freue mich. Es ist eine reizvolle, fantastische Aufgabe", erklärte der 55-Jährige.

Dass jetzt die Uhren beim Kiezclub anders ticken, bekam der Interims-Sportchef Andreas Rettig bereits zu spüren. "Ich dachte eigentlich, dass ich ein Frühaufsteher bin", erklärte er. "Aber ich musste Jos um sieben Uhr aus dem Hotel abholen."

Damit hatte Rettig, der den Verein zum 30. September verlassen wird, die Lacher auf seiner Seite. Mit Luhukay arbeitete er bereits beim 1. FC Köln und beim FC Augsburg zusammen. "Er sieht jung und frisch aus", spielte er auf seinen alten Bekannten an.

Der neue Trainer legte bereits am Donnerstag schon los. Am Vormittag stand er gemeinsam mit seiner neuen Mannschaft auf dem Platz. "Es hat Spaß gemacht", erklärte Luhukay. Dennoch gestand er: "Die Spieler müssen sich erst an mich gewöhnen."

Der Niederländer wird aber erst einmal der einzige Neuzugang bleiben. "Der Trainerstab bleibt so", machte er klar. Seine neuen Co-Trainer sind für Luhukay aber alte Bekannte. Mit Markus Gellhaus arbeitete er mehr als zehn Jahre zusammen. "Wir hatten eine sehr erfolgreiche Zeit."

Jos Luhukay sprach auf der Pressekonferrenz über seine Ziele mit dem Kiezclub.
Jos Luhukay sprach auf der Pressekonferrenz über seine Ziele mit dem Kiezclub.  © TAG24/Robert Stoll

André Trulsen lernte der 55-Jährige auf dem Trainerlehrgang zusammen. Über die sechs gemeinsamen Monate habe sich ein gutes Verhältnis entwickelt.

"Es geht jetzt erst einmal darum, alle anderen besser kennenzulernen", sagte Luhukay, der auch gleich ein Ziel für die letzten sechs Spiele ausgab. "In der Tabelle ist noch alles möglich. Träumen kann man immer", erklärte er.

Der Niederländer gilt als wahrer Aufstiegsspezialist. Mit Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC Berlin und dem FC Augsburg gelang ihm der Sprung in die Bundesliga. Der FC St. Pauli steht nur vier Zähler hinter Relegationsplatz drei, den Union Berlin belegt.

"Im Kader steckt genug Qualität, auch wenn einige Verletzte da sind", machte der neue Trainer den Fans Hoffnung.

In den vergangenen Monaten habe er die zweite Liga bereits verfolgt. "Ich habe mir St. Pauli situativ angeschaut. Aber es ist etwas anderes, wenn man tagtäglich zusammenarbeitet und nicht das Spiel 90 Minuten vor dem TV sieht."

Luhukay sah aber auch, dass die Mannschaft in der Hinrunde tollen Fußball gespielt habe und sich in eine gute Ausgangsposition gebracht hat. "In den letzten Wochen war es nicht das Erhoffte", wusste auch er. Das Team habe aber bereits gezeigt, wozu es in der Lage sei.

Das Namensschild zeigt die neue Position von Jos Luhukay im Verein.
Das Namensschild zeigt die neue Position von Jos Luhukay im Verein.  © TAG24/Robert Stoll

Das war in den vergangenen Wochen anders. Daher sah sich der Verein gezwungen auf der Trainer- und Sportchef-Position einen Wechsel vorzunehmen.

"Es herrscht eine lethargische Stimmung im Verein, als ob wir gegen den Abstieg spielen würden", erklärte Präsident Oke Göttlich. Am Ende habe das Grundvertrauen gefehlt.

Die Vorstellung Luhukays nutzte Göttlich aber auch zur Abrechnung mit dem Duo Kauczinski/Stöver.

"Wir wollen wieder eine Mannschaft auf dem Platz sehen, die gewinnen will. Und nicht eine, die das Spiel nur nicht verlieren will", kritisierte er den alten Trainer.

Am Ende ist vor allem Stöver zum Verhängnis geworden, dass er zu lange an Kauczinski festgehalten hat. "Er hat sich weiterhin für den Trainer stark gemacht, das spricht für ihn", sagte Göttlich. Doch der Verein sah die Entwicklung gestört und setzte gleich beide vor die Tür.

Klingt fast so, als hätte Stöver nicht an Kauczinski festgehalten, hätte er vielleicht bleiben können. "Wir haben uns für den Weg der Entwicklung entschieden und nicht für den der Kontinuität."

Da Andreas Rettig den Posten als Sportchef nur interimsweise ausführen wird, kam unweigerlich auch die Frage nach einem neuen Sportchef auf. "Wir sind in Gesprächen und werden eine gute Entscheidung gemeinsam mit Jos treffen", machte Göttlich klar. Wann das sind wird, konnte er aber nicht sagen. "Innerhalb der nächsten Wochen", lautete seine Antwort.

Luhukay und die Mannschaft können am Sonntag gegen Arminia Bielefeld zeigen, dass sie wieder wollen und in dieser Saison noch etwas erreichen wollen. Die Konkurrenz scheint - bis auf den 1. FC Köln - den Aufstieg auch nicht richtig zu wollen, anders sind die vergangenen Spieltage nicht zu deuten.

Und vielleicht heißt es dann am Ende: Wenn vier sich streiten, freut sich am Ende der FC St. Pauli.

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