Diese Baustellen muss der FC St. Pauli dringend schließen!

Hamburg - Die Freude war groß! Das erste Mal seit dem 27. April konnte der FC St. Pauli wieder ein Pflichtspiel gewinnen. Doch der Sieg im Elfmeterschießen über den Regionalligisten VfB Lübeck offenbarte noch viele Baustellen im Team von Trainer Jos Luhukay.

Trainer Jos Luhukay sucht verzweifelt nach Lösungen.
Trainer Jos Luhukay sucht verzweifelt nach Lösungen.  © Axel Heimken/dpa

Mangelndes Verständnis

Schon vor dem ersten Saisonspiel warnte Jos Luhukay: "Es wird ein hammerharter Weg für uns." Wie Recht er damit haben sollte, zeigen die ersten drei Pflichtspiele.

Gegen den VfB Lübeck wirkte der Niederländer teilweise konsterniert, ob der Leistung seiner Kicker.

Der 56-Jährige versuchte immer wieder, von außen Fehler zu korrigieren und einzugreifen, doch so richtig schien er seine Mannschaft nicht zu erreichen.

Als er nach Einwechslungen taktische Veränderungen vornehmen wollte, guckten ihn seine Spieler mit Fragezeichen in den Augen an, schüttelten den Kopf.

Von einem Bruch war aber noch nichts zu erkennen. Sonst hätte die Mannschaft nicht diese Moral gezeigt und wäre nach dem 0:2-Rückstand zurückgekommen.

Die Mannschaft demonstrierte in Lübeck Zusammenhalt.
Die Mannschaft demonstrierte in Lübeck Zusammenhalt.  © Axel Heimken/dpa

Fehlende Führungskräfte

Der Elf fehlt es an klaren Führungsspielern und Struktur auf dem Platz. Ein Grund hierfür ist die lange Verletztenliste des FC St. Pauli. Wichtige Stützen, wie zuletzt Christopher Avevor, fallen monatelang aus.

Andere Spieler, wie Christopher Buchtmann, laufen ihrer Form hinterher und müssen sich erst wieder an die Startelf herantasten.

Dadurch ist Trainer Luhukay gezwungen, permanent eine andere Elf auf den Platz zu schicken. Von einer Stammformation kann noch lange nicht die Rede sein, dabei hätten die Kiezkicker diese dringend notwendig.

Die Verunsicherung auf dem Platz ist deutlich erkennbar. Es fehlt an Akteuren, die das Heft des Handels in die Hand nehmen und vorweg gehen. Marvin Knoll könnte die Rolle des emotionalen Leaders übernehmen, nach seiner Versetzung in die Abwehr hat er allerdings selbst mit Problemen zu kämpfen.

Pokalgegner Lübeck hat gezeigt, wie es geht. Mit einfachen Mitteln und einer klaren Struktur brachten sie die Kiezkicker ein ums andere Mal in Bedrängnis und schnupperten an der Sensation. Vom St. Pauli war davon nichts zu sehen.

Ryo Miyaichi kann sich zwar oft durchsetzen, doch ihm fehlt die Übersicht.
Ryo Miyaichi kann sich zwar oft durchsetzen, doch ihm fehlt die Übersicht.  © Axel Heimken/dpa

Defensivprobleme

Während Trainer Luhukay in den beiden Ligaspielen zuvor mit einer Viererkette agieren ließ, probierte er es im Pokal mit einer Dreier-Abwehr. "Das System ist nicht entscheidend, es geht um die Ausführung", erklärte der Niederländer nach der Partie.

Und die war alles andere als glorreich. Marc Hornschuh, der nach über 20-monatiger Verletzungspause wieder von Beginn an ran musste, blieb ein Unsicherheitsfaktor. Die fehlende Spielpraxis ist ihm deutlich anzumerken. Konstanz erreicht er nur über weitere Einsätze, die er aufgrund der mangelnden Alternativen wohl auch bekommen wird.

Marvin Knoll und Neu-Kapitän Daniel Buballa haben noch Luft nach oben, Angst um ihre Plätze müssen aber auch sie nicht haben. Luhukay sind einfach die Hände gebunden.

So lange keine neuen Spieler kommen, bleibt die Lage vor allem in der Abwehr angespannt.

Fehlende Kreativität und Durchschlagskraft

Das Pokalspiel gegen Lübeck hat eines gezeigt: es fehlt ein Leader im Zentrum. Einer der vor allem vor der Abwehr den Abräumer spielt und versucht, das Spiel zu ordnen. Knoll war in der vergangenen Saison so jemand, doch Luhukay ließ ihn bisher in der Abwehr spielen.

Ansonsten fehlte den Kiezkickern bisher das Tempo in ihren Offensivaktionen. Mats Möller-Daehli mangelte es oft an Anspielstationen, sodass er meist noch einmal auf den Ball trat oder sich in einen Zweikampf verzettelte.

Hoffnungsschimmer könnte der erstmalige Startelf-Einsatz von Christopher Buchtmann und Waldemar Sobota machen. Sie deuteten phasenweise ihr Potenzial an. Mit Finn Ole Becker steht noch ein weiterer Spieler auf der Verletztenliste, der mit seiner Unbekümmertheit einen neuen Touch in die Mannschaft bringen könnte.

Auf den Außen verfügt St. Pauli mit Christian Conteh und Ryo Miyaichi zwar über ein entsprechendes Tempo, doch die Offensivaktionen der beiden verlaufen oftmals im Sande, da ihnen im entscheidenden Moment der Überblick fehlt.

Auf ihn war Verlass! Stürmer Dimitrios Diamantakos erzielte in drei Pflichtspielen zwei Tore.
Auf ihn war Verlass! Stürmer Dimitrios Diamantakos erzielte in drei Pflichtspielen zwei Tore.  © Axel Heimken/dpa

Alternative zu Diamantakos

Dimitrios Diamantakos zeigte bislang, das auf ihn Verlass ist. Der Grieche erzielte in drei Spielen zwei Tore, doch es fehlt bislang eine echte Alternative.

Neuzugang Viktor Gyökeres deutete gegen Lübeck zumindest in der Anfangsphase sein Potenzial an, als zwei Schüsse von ihm geblockt wurden. Aber auch er braucht dringend Spielpraxis, um sich weiter zu entwickeln.

Sehnlichst wird vor allem die Rückkehr von Henk Veerman erwartet. Wann der lange Schlacks wieder auf dem Platz stehen wird, ist noch offen. Der Niederländer wird nach und nach in das Mannschaftstraining eingegliedert.

Fehlende Transfers

Bislang haben die Kiezkicker nur vier neue Spieler verpflichtet, von denen drei derzeit verletzt fehlen. Ein Status, der mehr als unbefriedigend ist.

Sport-Chef Andreas Bornemann deutete in Lübeck bereits an, dass man sich noch verstärken wolle und müsse. Bis auf wenige Positionen besteht aufgrund der aktuellen Not-Situation fast überall Bedarf.

Dringend sollten die Verantwortlichen in der Innenverteidigung und der linken Abwehrseite nachlegen. Sollte sich auf weiteren Positionen im Mittelfeld oder Angriff eine spannende Option ergeben, kann eine weitere Alternative nicht schaden.

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