Junge HSV-Mannschaft ist dem Druck nicht gewachsen!

Hamburg - Pierre-Michel Lasogga sprach von "absolutem Wahnsinn", den er erst einmal sacken lassen müsse, Rick van Drongelen weinte bitterlich in den Katakomben des Volksparkstadions.

Nach der Partie stellten sich die Spieler den eigenen Fans.
Nach der Partie stellten sich die Spieler den eigenen Fans.  © DPA

Hinter den Spielern des Hamburger SV lag ein Spiel, in dem sie die Trendwende schaffen wollten. Doch am Ende der 90 Minute stand eine 0:3-Heimniederlage gegen abstiegsbedrohten FC Ingolstadt auf der Anzeigetafel (TAG24 berichtete).

Die Wirkung des Trainingslagers in Rotenburg (Wümme) verpuffte klanglos. Stattdessen kippte die Stimmung im Volksparkstadion endgültig.

Die Anhänger feierten gegen Ende des Spiels jeden gewonnenen Zweikampf der Ingolstädter und klatschen sogar Beifall beim Treffer zum 3:0. Nach Abpfiff setzte es nicht nur ein gellendes Pfeifkonzert, sondern auch ein paar deutliche Worte.

Diese wollten sich nicht alle Spieler nicht anhören, doch Trainer Hannes Wolf rannte wutentbrannt in die Kabine und holte seine Jungs wieder raus. Was folgte, waren einige unschöne Worte der Fans und nur wenig Aufmunterung.

Bei Abwehrspieler Rick van Drongelen führte die Gesamtsituation nach dem Spiel sogar zu Tränen. Bitterlich weinend ging er mit gesenktem Kopf in die Kabine.

Torhüter Julian Pollersbeck kniete nach dem 0:2 auf dem Boden.
Torhüter Julian Pollersbeck kniete nach dem 0:2 auf dem Boden.  © DPA

"Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die sich viel vorgenommen hat", erklärte Sportdirektor Ralf Becker. Auf dem Platz war davon allerdings nur bedingt etwas zu sehen. "Eine gewisse Verkrampfung ist nicht wegzureden", gab auch er zu.

Anschließend wurden seine Worte sogar noch klarer: "Die Spieler können mit dieser Drucksituation nicht umgehen. Gefühlt war es so, dass jeder sehr viel mit sich zu kämpfen und nicht das Selbstvertrauen hat, dass du brauchst um Spiele zu gewinnen."

Nach dieser Kante gegen die eigenen Spieler, für die Becker als Sportdirektor auch die Verantwortung trägt, dürfte das Selbstvertrauen nicht unbedingt steigen.

Ähnlich hart waren auch die Worte von Kapitän Gotuko Sakai nach den 90 Minuten. "Jeder Spieler muss die Situation erkennen und sich hinterfragen", erklärte der Japaner. "Mit so einer Einstellung gewinnst du in der zweiten Liga kein Spiel."

Das Skurrile an der Situation rund um den HSV ist, dass er immer noch aus eigener Kraft mindestens den Relegationsrang drei erreichen kann. Dafür sind allerdings zwei Siege aus den verbleibenden zwei Partien nötig.

Bakery Jatta konnte die schlechte Leistung kaum fassen und packte sich an den Kopf.
Bakery Jatta konnte die schlechte Leistung kaum fassen und packte sich an den Kopf.  © DPA

Im Augenblick scheint dies aber mehr als fraglich. Spieler und Trainer sehen das allerdings anders. "Jedes Spiel ist anders", sagte Sakai. "Wir müssen jetzt in Paderborn ein besseres Spiel machen", forderte Wolf. Ob er dann allerdings noch auf der Trainerbank sitzt, ist mehr als fraglich.

Sportdirektor Becker vermied nach der Pleite ein klares Bekenntnis. "Wir haben 0:3 gegen Ingolstadt verloren, müssen das erst einmal aufarbeiten und verarbeiten", sagte 48-Jährige.

Am Samstagabend folgte nach einer dreistündigen Krisensitzung eine Entscheidung: Hannes Wolf bleibt Trainer beim HSV.

Dennoch ist die Lage zwei Spieltage vor Saisonende prekär. Es ist kaum vorstellbar, dass die Spieler nach den desolaten Leistungen der vergangenen Wochen in den beiden verbleibenden Spielen den Hebel noch umlegen können.

Ein weiteres Jahr in der zweiten Liga wird immer wahrscheinlicher, der Traum vom direkten Aufstieg wird eher zum Albtraum.

Ein Blick in die Vergangenheit macht wenig Hoffnung. Seit dem Derbysieg Anfang März beim FC St. Pauli hat der Hamburger SV kein Ligaspiel mehr gewonnen. In acht Spielen gab es drei Unentschieden und fünf Niederlagen.

Ähnlich erging es den Kiezkickern in der Saison 2010/11. Nach dem 1:0-Sieg im Volksparkstadion durch das Tor von Gerald Asamoah folgten elf Niederlagen und nur noch ein Remis.

Die Zeichen stehen in dieser Saison ähnlich. Der HSV hat es aber selbst in der Hand, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.

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