Große Unterstützung für HSV-Star Jatta, sogar vom Erzrivalen St. Pauli

Chemnitz/Hamburg - Bakery Jatta musste gar nicht reden. Das übernahmen nach dem Sieg im DFB-Pokal beim Chemnitzer FC andere für den ehemaligen Flüchtling: Die Fans, die Teamkollegen, der Trainer - und auch der Erzrivale FC St. Pauli.

Bakery Jatta bedankte sich nach Spielende für die Unterstützung bei den Fans.
Bakery Jatta bedankte sich nach Spielende für die Unterstützung bei den Fans.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Wir wissen beim HSV, was wir an diesem Spieler haben", sagte Trainer Dieter Hecking. "Sollte etwas Negatives rauskommen, werden wir als Verein alles dafür tun, dass er aufgefangen wird und alles für ihn gemacht wird. Dass er alles erfährt, was er braucht, nämlich Vertrauen", betonte der 54-Jährige.

"Baka ist einer von uns. Das ist ein Top-Junge. Es ist klar, dass wir hinter ihm stehen", sagte Mitspieler Adrian Fein.

Es war kein Spiel wie jedes andere - nicht für den HSV, nicht für Jatta. Die Hamburger Fans demonstrierten vor und nach dem 6:5 im Elfmeterschießen am Sonntagabend ihre Solidarität mit dem jungen Afrikaner.

Als die Mannschaft nach der Partie zu den Fans ging und erschöpft vor dem feiernden Gästeblock stand, skandierten die Anhänger lautstark "Bakery, Bakery", bis dieser einen Schritt nach vorn machte, die Hände in die Höhe streckte und sich applaudierend bei den Fans für deren Unterstützung bedankte.

Im Vorfeld der DFB-Pokal-Partie hatte Coach Hecking schon gar keinen Grund gesehen, Jatta nicht mit nach Chemnitz zu nehmen. Er sah auch keinen Grund, den Außenbahnspieler nicht in der Startformation des Zweitligisten auflaufen zu lassen.

Die Mannschaft steht hinter ihrem Mitspieler.
Die Mannschaft steht hinter ihrem Mitspieler.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Zumal Jattas Spielerlaubnis unverändert gültig ist. Der HSV beruft sich auf die gültige Spielgenehmigung für Jatta und hatte schon vor Tagen Bestätigung durch die Verbände erhalten. "Da es bisher keinen Beweis für eine falsche Identität des Spielers gibt, behält die Spielberechtigung für Bakery Jatta, geboren am 6. Juni 1998, aktuell ihre Gültigkeit", teilten DFB und DFL dazu am Montag mit.

Wie von Trainer Hecking zu hören ist, habe Jatta das ganze Theater um seine Person überragend hinbekommen. Nach dem Spiel in Chemnitz wollte sich der Gambier allerdings nicht zu seiner Situation äußern.

Hecking versicherte unterdessen, dass der Verein die Sache so schnell klären wolle wie möglich. Im Moment gebe es allerdings nur "viele, viele Vermutungen", betonte der HSV-Coach: "Ich bin kein Freund davon, was da abgegangen ist."

Untersützung erhält der 54-Jährige mit dieser Aussage ausgerechnet vom Erzrivalen FC St. Pauli. Ewald Lienen, Technischer Direktor der Kiezkicker, kann die Aufregung um die Identität des Fußball-Profis nicht nachvollziehen.

St. Paulis Technischer Direktor Ewald Lienen kann die Aufregung in der Thematik nicht verstehen.
St. Paulis Technischer Direktor Ewald Lienen kann die Aufregung in der Thematik nicht verstehen.  © Uwe Anspach/dpa

"Ich habe kein Verständnis dafür", sagte der 65 Jahre ehemalige Trainer am Sonntagabend im "Sportclub" des NDR-Fernsehens. "Das ist jemand, der integriert ist, der hier sein Geld verdient, der Steuern zahlt, und alle sind glücklich. Warum muss man da nachhaken und so eine Geschichte daraus machen?", fragte Lienen.

Ähnlich hatte sich schon Hecking in der vergangenen Woche zur Thematik geäußert: "Das, was gerade passiert, ist typisch für die Medienlandschaft. Man hat etwas, was vielleicht sensationell ist, obwohl noch die Unschuldsvermutung existiert."

Der frühere Bundesliga-Profi Lienen riet, sich um wichtigere Probleme zu kümmern, beispielsweise um "Leute, die straffällig werden, die Anschläge verüben. Davon höre ich nichts. Aber so einen Spieler ... Das ist lächerlich."

Er finde, dass die Thematik über Gebühr strapaziert werde, sagte Lienen. "Wer ist geschädigt, und wo gibt es ein Problem? Er ist ein Spieler, der Fußball spielen kann und einen Vertrag hier unterschreibt. Da ist es egal, wie alt er ist. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass wir uns mit solchen Themen beschäftigen bei der Problemlage, die wir in anderer Hinsicht haben."

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