Pokalsieg des FC St. Pauli darf nicht über schlechte Leistung hinwegtäuschen!

Lübeck/Hamburg - Dank der Fußspitze von Robin Himmelmann und einer Riesenportion Glück ist der FC St. Pauli doch noch in die zweite Runde des DFB-Pokals eingezogen. Der Sieg täuschte allerdings nicht über eine indiskutable Leistung der Kiezkicker hinweg.

Nach dem letzten parierten Elfmeter stürmten die Spieler auf Robin Himmelmann zu.
Nach dem letzten parierten Elfmeter stürmten die Spieler auf Robin Himmelmann zu.  © Axel Heimken/dpa

"Ich reiße mich jetzt nicht um den Heldenstatus", erklärte Torhüter und Matchwinner Himmelmann nach der Partie.

Auch er wusste, dass die Kiezkicker nur gerade so einer Blamage entkommen sind.

Den Hamburgern fiel gegen gut gestaffelte Lübecker offensiv nicht viel ein und defensiv ließ man dem Regionalligisten viel zu viel Platz.

So verwunderte es kaum, dass der Underdog nach 55 Minuten mit 2:0 in Führung lag und an der Sensation schnupperte.

"Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht", monierte Christopher Buchtmann, der erstmals in dieser Saison in der Startelf stand.

Dazu gesellten sich zahlreiche Ballverluste, die es dem VfB Lübeck leicht machten, den Favoriten mehr als nur Paroli zu bieten.

Dabei war den Kiezkickern die Schwere der Aufgabe bewusst. "Das ist ein ambitionierter Viertligist", sagte Sportchef Andreas Bornemann, der am Ende von einem glücklichen Sieg sprach.

Buchtmann und Sobota geben Startelf-Debüt in dieser Saison

Trainer Jos Luhukay stand sichtlich gezeichnet während der Partie am Spielfeldrand.
Trainer Jos Luhukay stand sichtlich gezeichnet während der Partie am Spielfeldrand.  © Axel Heimken/dpa

"In der Verlängerung kann das Spiel in beide Richtungen gehen, aber im Pokal zählt am Ende das Weiterkommen", zeigte er sich erleichtert.

Damit mag der 47-Jährige vielleicht Recht haben, aber es geht auch immer noch um das Wie und das war unter aller Sau.

Daher redete Bornemann auch nicht um den heißen Brei herum und erklärte, dass man sich in den kommenden Wochen noch verstärken wolle und müsse.

Recht hatte er. Spielerisch fehlt den Kiezkickern noch einiges, das haben schon die ersten beiden Ligaspiele gegen Arminia Bielefeld und Greuther Fürth gezeigt, aber auch das Pokalspiel in Lübeck.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer war die erstmalige Aufstellung von Christopher Buchtmann und Waldemar Sobota in dieser Saison. "Beides haben gezeigt, dass sie wertvoll sein können", war sich Trainer Jos Luhuky sicher, der zu Beginn der Pressekonferenz eine lange Analyse ankündigte, sich dann aber doch kurz hielt.

Sobota erzielte den wichtigen 1:2-Anschlusstreffer und traf im Elfmeterschießen den ersten Schuss. Buchtmann hingegen verpasste in den 120 Minuten mehrmals den Abschluss, hielt mit seinem vierten Elfmeter den Druck auf Lübeck aber hoch.

"Ich hatte Krämpfe in beiden Füßen und wollte nicht unbedingt schießen", gestand er. "Aber der Trainer hat gesagt:' Ich muss'." Und Buchtmann hatte eine Menge Glück! Lübecks Keeper Lukas Raeder rutschte der Kullerball des Mittelfeldspielers durch die Hände. "Ich war froh den Ball irgendwie im Tor untergebracht zu haben", zeigte sich der Zehner erleichtert.

Einfacher Ballverlust führt zu Gegentor

Jakub Bednarczyk kann sich nicht gegen Lübecks Marcel Schelle durchsetzen.
Jakub Bednarczyk kann sich nicht gegen Lübecks Marcel Schelle durchsetzen.  © Axel Heimken/dpa

Dabei wusste nicht nur er, dass die Kiezkicker das Spiel spätestens nach dem 3:2-Treffer von Marvin Knoll in der ersten Halbzeit der Verlängerung nach Hause hätten schaukeln müssen.

"Wir waren nicht clever genug und müssen den Sack dann einfach zu machen", zeigte sich Buchtmann weiter unzufrieden.

Doch dann kam wieder die Nachlässigkeit. "Das dritte Gegentor war wieder nach einem einfachen Ballverlust", kritisierte Himmelmann seine Mitspieler.

Am Ende hatten die Hamburger dann das Glück im Elfmeterschießen auf ihrer Seite. "Es war mal wieder wichtig, ein Spiel gewonnen zu haben. Das ist wichtig für die Motivation", sagte Marvin Knoll. Und damit lag er nicht ganz falsch, der letzte Sieg in einem Pflichtspiel datiert vom 27. April gegen Jahn Regensburg.

Nun gilt es den Schwung des Sieges mit in die Liga zu nehmen. Dort wartet mit dem VfB Stuttgart am kommenden Spieltag der nächste schwere Brocken.

Immerhin hat der FC St. Pauli gegen den VfB Lübeck eines gezeigt: In der Truppe steckt zumindest Moral, sonst wäre sie nach dem Rückstand nicht mehr zurückkommen. Über den Rest muss aber noch dringend gesprochen werden. Mit so einer Leistung hat die Mannschaft weder in der zweiten Pokalrunde noch in der zweiten Liga zu suchen.

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