Klare Worte! Ewald Lienen kritisiert Deutschland als "Jammer-Nation"

Hamburg/Düsseldorf - Ewald Lienen ist ein Mann klarer Worte. Am Rande der Veröffentlichung seiner Autobiopgraphie ("Ich war immer ein Rebell") kritisierte er vor allem die deutsche Gesellschaft.

Ewald Lienen war als Trainer am Spielfeldrand fuchsteufelswild.
Ewald Lienen war als Trainer am Spielfeldrand fuchsteufelswild.  © DPA

Der Technische Direktor des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli bezeichnete Deutschland als "Jammer-Nation". "Wir jammern und klagen gerne über alles Mögliche, aber nicht immer über die Dinge, über die man wirklich streiten sollte", sagte Ewald Lienen im Interview mit der Rheinischen Post.

"Es macht doch keinen Sinn, sich immer nur über die große Politik Gedanken zu machen und persönlich unglücklich zu sein", fuhr der 65-Jährige fort.

Für Lienen gehöre die eigene Familie, der Partner, die Kinder und Freunde zur Zielsetzung dazu. "Da passiert doch das Leben", erklärte der ehemalige Bundesliga-Spieler und -Trainer.

Nicht der Klimawandel oder sonstige Themen seien für das Glück eines jeden verantwortlich. Es ginge seiner Ansicht nach u, die allgemeinen, existenziellen Fragen darüberhinaus. "Es gibt Prinzipien im Leben, an die man sich halten sollte", verriet er.

So könne man trotzdem ein glückliches Leben führen, auch wenn in der großen Welt nicht alles eitel Sonnenschein sei. Doch diese Werte würden die Menschen leider nicht als Prinzipien war nehmen.

Ewald Lienen gibt Anweisungen.
Ewald Lienen gibt Anweisungen.  © DPA

Für Lienen hingegen war immer klar "das Beste aus den Umständen und aus meinem Leben zu machen". Er habe nie mit seinen getroffenen Entscheidungen gehadert oder sich darüber beschwert.

Dabei vertraute 333-fache Bundesliga-Spieler Grundprinzipien, wie Gerechtigkeit und Fairness, gegenseitiges Vertrauen, Integrität und Ehrlichkeit, Respekt vor der Würde jedes einzelnen Menschen, Demut und Dankbarkeit, anderen Menschen zu dienen, die Gesetze von Wachstum und Ernte zu berücksichtigen.

"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es äußerst hilfreich für die eigene Zufriedenheit ist, im Einklang mit diesen Prinzipien zu leben und zu arbeiten. Und gesund zu leben, auf seine Ernährung zu achten und sich zu bewegen", sagte er. Doch das würden viele Menschen derzeit aus dem Blick verlieren.

Zudem sei der Respekt untereinander sehr wichtig. "Man kann doch nicht durchs Leben gehen und glauben, ungestraft eine Schneise der Verwüstung zurück lassen zu können! Unsere Welt enthält immer noch zu viel Korruption, Hinterhältigkeit und Gewalt – und das müssen wir ändern", forderte Lienen.

Dies zeigt auch sein Buch-Titel, in dem das Wort "Rebell" auftaucht. Doch das soll gar nicht negativ verstanden werden. "Ungerechtigkeiten, Gewalt und Kriege zum Beispiel haben mich von frühester Jugend an im übertragenen Sinn 'auf die Barrikaden' und später dazu gebracht, mich für etwas Anderes einzusetzen", erklärte der 65-Jährige.

Bis heute spricht Lienen die Dinge, die ihn stören offen an oder verarbeitet sie in einem Buch. Seine Autobiographie habe ihm geholfen, über manches genauer nachzudenken. "Ich habe für mich ein klareres Bild von dem bekommen, was ich erlebt habe", sagte er abschließend.

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