Chaostage am Hamburger Hauptbahnhof

Hamburg - Am Hamburger Hauptbahnhof herrscht das Chaos! Wer nach Süden in Richtung Harburg muss, kann leicht die Nerven verlieren.

Am Hamburger Hauptbahnhof herrscht besonders im Feierabendverkehr dichtes Gedränge (Archivbild).
Am Hamburger Hauptbahnhof herrscht besonders im Feierabendverkehr dichtes Gedränge (Archivbild).

Dienstagnachmittag mitten im Feierabendverkehr greift die Bahn zu einem drastischen Mittel: Der Hauptbahnhof wird teilweise gesperrt.

Bei über 35 Grad drängen sich die Menschen dicht an dicht auf Gleis 13 und 14. Auf dem Bahnsteig ist kein Zentimeter mehr frei.

Der Sicherheitsabstand zu einfahrenden Zügen kann nicht eingehalten werden. Eine gefährliche Situation.

Es kommt zu tumultartigen Szenen, berichtet das Onlineportal Nahverkehrhamburg.de. In der Folge sperrt die Bahn die Zugänge zu Gleis 13 und 14. Reisende erhalten dort vom Sicherheitspersonal nur bei genug Platz Zutritt.

Damit erreichen die Chaostage am Hauptbahnhof ihren traurigen Höhepunkt. Bereits seit Tagen nimmt die Belastung für Pendler und Reisende zu.

Der Hamburger Hauptbahnhof ist am Limit. Mehr Fahrgäste zur Hauptverkehrszeit sind kaum zu verkraften (Archivbild).
Der Hamburger Hauptbahnhof ist am Limit. Mehr Fahrgäste zur Hauptverkehrszeit sind kaum zu verkraften (Archivbild).

Schuld daran sind zwei Baustellen. Die Bahn erneuert einerseits seit 30. Juli bis 15. August zwischen Wilhelmsburg und Harburg Rathaus die Gleise der S-Bahn-Linien S3 und S31.

Zwischen beiden Stationen ist daher ein Ersatzverkehr mit Bussen über Harburg eingerichtet. Vermeintlich clevere Pendler wollen sich die vollen Busse ersparen und stattdessen in den Metronom nach Bremen nehmen, der auch in Harburg hält.

Doch hier kommt Baustelle Nummer zwei ins Spiel: Im Hauptbahnhof saniert die Bahn den Bahnsteig an Gleis 11 und hat ihn deswegen gesperrt. Dort fahren normalerweise die Züge des Metronom ab. Folglich müssen sie auf anderen Gleisen fahren.

Zu den Baustellen kommen ausfallende und verspätete Metronom-Verbindungen, dokumentiert auf dem Twitter-Account des Betreibers.

Die Situation wäre womöglich entspannter gewesen, wenn die Bahn auf Bedenken gehört hätte, die die Metronom-Gesellschaft geäußert hatte.

Die Metronom-Züge dienen vielen Pendlern als Ausweichverbindung für die gesperrte S-Bahn nach Harburg (Archivbild).
Die Metronom-Züge dienen vielen Pendlern als Ausweichverbindung für die gesperrte S-Bahn nach Harburg (Archivbild).  © dpa/Bodo Marks

Doch die Bahn sei nicht darauf eingegangen und alles alleine geplant, berichtet die Hamburger Morgenpost. Die Bahn reagiert auf die Vorwürfe, sie verspricht das Chaos aufzuarbeiten.

Pendler können immerhin auf Besserung hoffen. Bereits ab Mittwoch soll sich die Lage am Hauptbahnhof dadurch entspannen, dass die Baustelle an Gleis 11 beendet sein soll. Die Menschenmassen an den Bahnsteigen sollten sich etwas entzerren, auch wenn die S-Bahnen weiterhin nicht nach Harburg fahren.

Die Chaostage haben inzwischen auch eine politische Dimension erreicht. Dirk Kienscherf, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft, schreibt auf Twitter über den Busersatzverkehr: "Wünsche jedem hoch bezahlten HVV- oder S-Bahn-Manager das mal persönlich zu erleben 🙄 Das wird aufgearbeitet, und zwar konsequent. Das verspreche ich."

Die Deutsche Bahn stuft den Hamburger Hauptbahnhof bereits seit sieben Jahren in der Zeit zwischen 6 und 20 Uhr als am Rande der Belastungsgrenze ein.

Abhilfe soll eigentlich ein Ausbau schaffen, doch der verzögert sich deutlich. Wichtige Untersuchungen sind seit teilweise zwei Jahren überfällig, berichtet Nahverkehrhamburg.de.

So ist derzeit völlig offen, wie und wann es weitergeht, während die Fahrgastzahlen seit Jahren wachsen und weiter gesteigert werden sollen.

Update, 15.03 Uhr: Die Bauarbeiten am Hamburger Hauptbahnhof sind inzwischen abgeschlossen worden. Der Bahnsteigbelag und die Kanten von Gleis 11 seien erneuert worden, sagte eine Bahnsprecherin.

Am kommenden Wochenende wird es nach Angaben der Bahn auch zwischen Hammerbrook und Rathaus-Harburg einen Schienenersatzverkehr geben, weil die S-Bahnen zwischen Hammerbrook und Wilhelmsburg nur eingleisig fahren können.

Pünktlich zum Schulanfang am Donnerstag nächster Woche sollen die Gleisbauarbeiten beendet sein und die S-Bahnen wieder normal verkehren.

Titelfoto: dpa/Bodo Marks


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