ADAC über den HVV: Hamburg nimmt für Monatskarten am meisten Geld

Hamburg - Wer in Hamburg regelmäßig mit dem Bus und Bahn fährt, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen als Pendler in anderen Großstädten.

Ein Kunde kauft an einem Automaten eine HVV-Fahrkarte.
Ein Kunde kauft an einem Automaten eine HVV-Fahrkarte.  © dpa/Angelika Warmuth

Das hat ein Vergleich der Preissysteme des öffentlichen Nahverkehrs in 21 Städten ergeben, die der Automobilclub ADAC am Mittwoch veröffentlicht hat.

Demzufolge zahlen Pendler in der Hansestadt 109,20 Euro für ein Monatsticket, während in der bayerischen Hauptstadt nur 55,20 Euro fällig sind.

Dafür liegt der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) bei den Einzeltickets im positiven Sinne weit vorn.

Das kostet nur 2,30 Euro für eine Fahrt und landet damit auf Platz zwei hinter Mannheim.

Dort zahlen Fahrgäste für eine Tour durch die Stadt 50 Cent weniger.

Der ADAC hat das Preissystem des öffentlichen Nahverkehrs in 21 Städten ausgewertet und dazu die Preise der sieben gängigsten Tickets verglichen.

HVV kritisiert Grundlage des Vergleichs

Mitarbeiter der Hochbahn kontrollieren, ob ein Mann ein gültiges HVV-Ticket hat. (Archivbild)
Mitarbeiter der Hochbahn kontrollieren, ob ein Mann ein gültiges HVV-Ticket hat. (Archivbild)  © dpa/Daniel Reinhardt

"Wer eine wirkliche Verkehrswende möchte, muss darauf achten, dass der öffentliche Nahverkehr ein attraktives Angebot ist, auch preislich", sagte Ingo Meyer, Vorstandsvorsitzender des ADAC Hansa, laut Mitteilung.

Dazu gehöre auch die Abschaffung der Stellplatzgebühren bei "Park & Ride"-Anlagen, für die Hamburger nochmals 100 Euro im Jahr aufbringen müssten.

Erst im Januar hatte der HVV die Preise im Schnitt um 2,1 Prozent erhöht.

Im Rahmen des Preisvergleichs hat der ADAC nach Eigenaussage die Preise der sieben relevantesten Ticketarten im jeweiligen Stadtgebiet deutscher Städte über 300.000 Einwohner erhoben.

Gegenüber der Hamburger Morgenpost bemängelte ein HVV-Sprecher allerdings den Vergleich.

So habe der ADAC Tickets verglichen, die unterschiedlich große Bereich abdecken. In Hamburg war es der Bereich "AB / 4 Zonen", der weit über das Stadtgebiet hinausgeht, und in München den Bereich "Isarcard 2 Ringe", der nur die Innenstadt abdeckt.

Der ADAC vergleiche daher Äpfel mit Birnen, zitiert die Mopo einen HVV-Sprecher.

Update, 14.24 Uhr

Der ADAC wies die Kritik des HVV zurück. Um wie in München in der Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen fahren zu können, müsste ein Kunde in Hamburg vier Zonen buchen, was preislich der "Monatskarte AB" entspreche.

Deshalb habe der ADAC die Monatskarte mit dem größeren Geltungsbereich in den Vergleich aufgenommen. München sei mit einem Ringsystem in alle Richtungen von der Innenstadt gesehen tariflich günstiger aufgestellt.

Der Vergleich hat auch in der Hamburger Politik ein lebhaftes Echo gefunden. "Hamburgs Busse und Bahnen sind zu teuer", sagte Dennis Thering, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.

"Und trotzdem stimmt der Service nicht: Bahnen sind überfüllt und kommen nicht pünktlich, Busse bleiben im Stau stecken und die Klimaanlagen funktionieren auch nicht richtig." Hamburg brauche bessere Angebote und Anreize für Busse und Bahnen, so wie ein 365-Euro-Ticket für Schüler, Azubis und Senioren sowie für Menschen, die zugunsten von Bus und Bahn auf ihr eigenes Auto verzichten.

Ähnlich äußerte sich die FDP-Fraktion. "Ein gutes Nahverkehrsangebot hat seinen Preis", sagte deren verkehrspolitischer Sprecher Ewald Aukes.

Die Studie zeige, dass in Hamburg zwar die Tickets am meisten kosten. "Bei der Attraktivität des Angebots hinkt der HVV dagegen hinterher." Auch die Linke forderte Preissenkungen.

Der HVV wies darauf hin, dass preispolitische Maßnahmen nur geringen Einfluss auf die Wahl des Verkehrsmittels hätten. Das sei wissenschaftlich erwiesen.

Wichtig sei vielmehr ein attraktiver ÖPNV: "Kundenbefragungen im HVV ergeben immer wieder, dass die Qualität, also Taktdichte, Platzangebot, Pünktlichkeit, Sauberkeit etc., hohe Priorität hat", sagte der HVV-Sprecher.

Titelfoto: dpa/Angelika Warmuth

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