Aufwühlende Premiere von Akins "Der Goldene Handschuh"

Hamburg - Es gab viel Applaus, viel Lob, aber auch kontroverse Diskussionen! Der neue Streifen "Der Goldene Handschuh" von Kult-Regisseur Fatih Akin über Frauenmörder Fritz Honka feierte am Mittwochabend eine gelungene Premiere in Hamburg.

Der Filmausschnitt zeigt Fritz Honka, wie er eine der Frauen tötet.
Der Filmausschnitt zeigt Fritz Honka, wie er eine der Frauen tötet.  © DPA

"Einen Hamburg-Film vor Hamburger Publikum zu zeigen, das ist immer ein bisschen so wie in St. Pauli und du spielst im eigenen Stadion", sagte Akin vor der Premiere.

Das setze ihn allerdings auch ein bisschen unter Druck. Er sei aber zuversichtlich, dass der Film gut ankomme. "Wir haben sehr viel Hamburger Lokalkolorit drin. Es ist zwar ein Horrorfilm. Aber es ist auch irgendwie ein Heimatfilm."

Das schonungslose Porträt über den Serienmörder Honka, gespielt von Jonas Dassler, wurde erstmals auf der Berlinale gezeigt, blieb aber ohne Preis. Die Verfilmung auf Grundlage des Buches von Heinz Strunk kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos.

Honka brachte in den 70er Jahren in Hamburg vier Frauen um. Die Stammkneipe des stark schielenden Mannes hieß "Zum Goldenen Handschuh". Die Kiez-Kneipe auf St. Pauli existiert heute noch.

Schauspieler Jonas Dassler (links) und Regisseur Fatih Akin auf der Premiere in Hamburg
Schauspieler Jonas Dassler (links) und Regisseur Fatih Akin auf der Premiere in Hamburg  © DPA

Der Film wurde auch von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) mitfinanziert. "Fatih Akins 'Der Goldene Handschuh' ist nichts für schwache Nerven, aber ein großartiges Werk eines großartigen Künstlers: Angefangen vom Szenenbild, das einen mit allen Sinnen zurück ins dreckige St. Pauli holt, über die detailverliebte Honka-Maske für Jonas Dassler bis zu den Darstellerinnen, die die vom Leben gezeichneten Kiez-Frauen mit Herz und Hingabe spielen", sagte FFHSH-Geschäftsführerin Maria Köpf dazu.

Gast der Premiere in der Hansestadt war auch die ehemalige Gerichtsreporterin Peggy Parnass. Die Hamburgerin berichtete 1976 über die Verhandlung. "Der Film ist todtraurig", sagte sie nach dem Abspann.

Er sei äußerst realistisch und zeige auf grandiose Art die Schrecklichkeit und ganze Häßlichkeit des Themas. Honka wurde damals zu 15 Jahren Haft wegen Mordes in einem Fall und Totschlags in drei Fällen verurteilt und in eine Psychiatrie eingewiesen. Daraus wurde er 1993 entlassen. 1998 starb Honka mit 63 Jahren in Hamburg.

Die Reaktionen anderer Premierenbesucher fielen ähnlich aus: "Man braucht auf jeden Fall starke Nerven", "Ich habe mich nicht gegruselt, ich habe mich geekelt", "Der Film war aufwühlend, nachdenklich machend und der Mut zur Häßlichkeit war beeindruckend".

Mehr zum Thema Hamburg Kultur & Leute:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0